Dämpfer für die Energiewende

Bislang deutlich weniger Ökostrom in diesem Jahr

Von Christian Geinitz
28.06.2021
, 08:24
Windräder in Bornholt stehen im Morgenlicht unter einem dunklen Wolkenstreifen.
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In diesem Jahr wehte bislang weniger Wind als 2020. Die Ökostromerzeugung sank – während konventionelle Kraftwerke Boden gut machten.
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Die Erzeugung erneuerbarer Energien hält in diesem Jahr nicht, was sie im vergangenen zu versprechen schien. Im ersten Halbjahr erreichte der Anteil der aus Wind, Sonne und anderen regenerativen Quellen gewonnenen Elektrizität 43 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 50 Prozent gewesen.

Während damals Re­korde in der Photovoltaik und in der Windkraft an Land erreicht worden wa­ren, war im laufenden Jahr vor allem das erste Quartal deutlich windstiller und ärmer an Sonnenstunden. Das geht aus Berechnungen des Energieverbands BDEW und des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Ba­den-Württemberg (ZSW) hervor, die am Montag veröffentlicht wurden.

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Zweifler halten erneuerbare Energien für unzuverlässig, insbesondere in sogenannten Dunkelflauten. Für diese Fälle müssen regelbare Kraftwerke mit atomaren oder fossilen Energieträgern vorgehalten werden. Allerdings will Deutschland im kommenden Jahr aus der Kernenergie aussteigen und spätestens in 17 Jahren auch aus der Kohleverstromung. Als Übergangslösung sollen Gaskraftwerke dienen, die weniger Kohlendioxid als Kohleanlagen ausstoßen und die sich später auf Wasserstoff um­stellen lassen.

Vermutlich wird Deutschland zum Importeur

Die Erzeugung aus Sonnenkraft trat den Zahlen zufolge im ersten Halbjahr mit einem leichten Plus von 2 Prozent weitgehend auf der Stelle. Die Windenergielieferungen an Land und auf See schrumpften um 20 Prozent. „Verantwortlich hierfür war vor allem das Wetter“, teilten BDEW und ZSW mit. Im zweiten Quartal waren die Bedingungen zwar besser, aber auch dann betrug der Anteil der Erneuerbaren nur 45 Prozent.

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Befürworter der Energiewende wollen die Erneuerbaren stark ausbauen, besser vernetzen und intelligenter speichern. Vermutlich wird Deutschland, das bisher Elektrizität exportiert, in Zu­kunft auch Strom und Wasserstoff im­portieren müssen. Das neue Klimaschutzgesetz, das der Bundestag in der vergangenen Woche verabschiedet hat, sieht vor, dass Deutschland bis 2045 treibhausgasneutral sein muss. Das Zwischenziel für 2030 erhöht sich von 55 auf 65 Prozent Emissionsminderung ge­genüber 1990. Für 2040 gilt ein neues Zwischenziel von 88 Prozent.

Um die ambitionierten nationalen und europäischen Vorgaben zu erreichen, müsse das Ausbautempo beim Ökostrom „deutlich anziehen“, sagte BDEW-Chefin Kerstin Andreae. „Für das höhere CO2-Einsparziel ist ein An­teil von mindestens 70 Prozent erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bis 2030 erforderlich.“ Der ZSW-Vorstand Frithjof Staiß ergänzte, noch sei die Frage unbeantwortet, auf welche Weise der für die Klimaziele nötige Photovoltaik-Zubau verdoppelt und je­ner von Wind an Land verdreifacht werden solle.

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Den neuen Daten nach stieg die Stromerzeugung im ersten Halbjahr um 4,7 Prozent auf 292 Milliarden Kilowattstunden (kWh). Der Verbrauch wuchs um 5,2 Prozent auf 285 Milliarden kWh. Aus regenerativen Quellen stammten 122 statt wie zuvor 137 Milliarden kWh. Die Windkraft an Land war mit 48 Milliarden kWh der mit Abstand wichtigste Ökostromlieferant vor der Photovoltaik (28), der Biomasse (22), der Windkraft auf See (12) und der Wasserkraft (9). Kon­ventionelle Energieträger lieferten 170 Milliarden kWh ­ – 19,7 Prozent mehr als zuvor.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Geinitz, Christian
Christian Geinitz
Wirtschaftskorrespondent in Berlin
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