Streit um Schutz von Wäldern

Den Agrarministern geht der Klimaschutz zu weit

16.11.2021
, 08:26
Die geschäftsführende deutsche Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU)
Ein wichtiger Teil der europäischen Unternehmen gehört zur Holzindustrie. Beim Klimaschutz stoßen sich ihre Interessen mit den Plänen zum Schutz der Wälder. Streit auf EU-Ebene ist programmiert – und die deutsche Ministerin voll dabei.
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Den Agrarministern der Europäischen Union legt die Waldstrategie der EU-Kommission zu viel Fokus auf Klimaschutz. Sie forderten in einer gemeinsamen Position, ein „Gleichgewicht“ zwischen ökologischen und wirtschaftlichen Aspekten herzustellen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) kritisierte nach einem Treffen der EU-Minister in Brüssel eine „einseitige Betrachtung“ der Klima- und Umweltziele.

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Mit „wirtschaftlichen Aspekten“ ist vor allem die Holzindustrie gemeint. Sie soll beim Schutz und der Bewirtschaftung von Wäldern mehr berücksichtigt werden. Bei dem Treffen in Brüssel am Montag verabschiedeten die Minister eine gemeinsame Waldstrategie, mit der Wälder zu den Klimazielen der EU beitragen sollen. „Es geht um eine gute Balance zwischen Biodiversität, Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit, um die Eigenversorgung der EU mit Holz zu sichern“, sagte Klöckner.

Kommission war vorgeprescht

Die Minister begrüßten zwar den von der EU-Kommission im Juli vorgestellten Plan zum Schutz und zur Bewirtschaftung der Wälder. Dieser sieht unter anderem das Pflanzen von drei Milliarden Bäumen vor. Außerdem schlug die Behörde vor, den Mitgliedstaaten verbindliche Ziele zu setzen, um Wälder widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu gestalten. Auch ein Entschädigungssystem für Waldbesitzer, die bestimmte Gebiete unberührt lassen, ist geplant.

Bei der Umsetzung in konkrete Maßnahmen fordern die EU-Agrarminister aber, „die Vielfalt der Wälder und Waldbewirtschaftungsmethoden in den verschiedenen Mitgliedstaaten und Regionen“ zu respektieren. Die Behörde hatte die Waldstrategie entwickelt, ohne sich mit den Mitgliedstaaten zu beraten. Die Bewirtschaftung von Wäldern fällt jedoch in die Zuständigkeit der einzelnen Länder und nicht in die der EU.

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Wie geht es dem Wald?

Dies hatte auch Klöckner kritisiert: Die Mitgliedstaaten glaubten „nicht, dass zentralistische Vorgaben am Ende das Fachwissen, die Wissenschaft, aber auch die Praxis vor Ort ersetzen können“, sagte sie vor dem Ministertreffen. Der Europäische Verband der Waldbesitzer (CEPF) begrüßte die Schlussfolgerung der EU-Minister.

Quelle: bth./dpa/AFP
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