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G-7-Gipfel

Ringen um Umweltschutz und Energieeffizienz

Von Katja Gelinsky
26.05.2022
, 19:44
Beim G-7-Ministertreffen in Berlin stehen Umweltschutz und erneuerbare Energien im Vordergrund Bild: AFP
Der Ausbau erneuerbarer Energien und Energieeffizienz sind Schlüsselthemen beim G-7-Ministertreffen in Berlin. Besonders eine breite Biodiversität gilt es zu gewährleisten. Wissenschaftler fordern mehr Artenschutz.
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Sinnbildlicher lässt sich die Krise des Artensterbens kaum ins öffentliche Blickfeld rücken: Unter dem gewaltigen Dinosaurierskelett des „Brachiosaurus brancai“ im Berliner Museum für Naturkunde schlug ein Bündnis von Naturwissenschaftlern Alarm: Die Bundesregierung müsse sich energischer für den Kampf gegen den Verlust der Artenvielfalt einsetzen. Man stehe vor der „größten und drängendsten Herausforderung der Zukunft neben der Klimakrise“, mahnen die Unterzeichner der „Berliner Erklärung“ unter Federführung der Leibniz-Naturforschungsmuseen.

Die Dinosaurier seien infolge eines Meteoriteneinschlags ausgestorben, sagte Johannes Vogel, Leiter des Museums für Naturkunde Berlin. „Dieses Mal sind wir Menschen der Meteorit, der bis zu eine Million Arten bedroht.“ Um den Verlust der Biodiversität in einer gemeinsamen internationalen Kraftanstrengung zu stoppen, seien „vorerst“ jährlich mindestens 2 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt nötig. Mit seiner G-7-Präsidentschaft trage Deutschland besondere Verantwortung, habe aber gleichzeitig auch erhebliches Potential, um die Weichen für eine Trendumkehr zum Schutz der natürlichen Vielfalt der Arten und Ökosysteme zu stellen.

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Das Thema Biodiversitätsschutz steht auch auf der Tagesordnung der Klima-, Energie- und Umweltminister der sieben führenden Industrienationen (G 7) in Berlin. Dem morbiden Charme der Dinosaurierskelette haben die Ausrichter des G-7-Treffens, Steffi Lemkes Ministerium für Umweltschutz und Robert Habecks Ministerium für Wirtschaft und Klima (beide Grüne), einen sogenannten Zukunftsort entgegengesetzt: den EUREF-Campus in Berlin, wo zur Energiewende geforscht wird. Habeck mahnte am Donnerstag, gerade in diesen Zeiten müssten die G 7 „gemeinsam Kurs halten“ und den globalen Ausbau erneuerbarer Energien, die Dekarbonisierung der Verbrauchssektoren ebenso wie die Steigerung der Energieeffizienz entschlossen vorantreiben. Lemke ergänzte: „Das wichtigste Signal, das vom G-7-Treffen ausgehen soll, ist: Wir gehen die globalen Krisen gemeinsam an.“

„Vertiefte Zusammenarbeit“

In diesem Sinne hatten Lemke und der Leiter der amerikanischen Umweltschutzbehörde (EPA) Michael Regan am Mittwoch zum Auftakt des G-7-Treffens eine Erklärung zum Ausbau der umweltpolitischen Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland unterzeichnet. „Wir streben eine vertiefte Zusammenarbeit unserer Häuser mit dem Ziel an, bei Umweltfragen von kritischer Bedeutung und gemeinsamem Interesse bilaterale, aber auch regionale und multilaterale Initiativen zu fördern, wo dies angezeigt ist“, heißt es in der Erklärung.

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Umwelt- und Artenschutz werden nicht einfacher, wenn Ernährung, Energieversorgung und Lieferketten bedroht sind. Hinzu kommt, dass der globale Ausbau erneuerbarer Energien ebenso wie die Steigerung der Energieeffizienz seit dem Angriffskrieg Russlands noch mehr zu Schlüsselthemen für die G-7-Umwelt- und Energieminister geworden sind, als das wegen der Klimakrise ohnehin schon der Fall war. Mehr als 70 Prozent aller Treibhausgasemissionen gehen auf das Konto des Energiesektors. Deshalb wollen die Minister hier einen Schwerpunkt ihrer Kooperation zur Einhaltung des Pariser Klimaabkommens setzen. Ein Baustein dafür ist ein Aktionsplan der G-7-Runde zur Lieferung von grünem Wasserstoff.

Anders als für den Klimaschutz gibt es für den Biodiversitätsschutz bislang keine dem Pariser Abkommen vergleichbare Vereinbarung. Planmäßig soll ein globales Abkommen zum Schutz der Artenvielfalt im Spätsommer oder Frühherbst auf dem UN-Biodiversitätsgipfel im chinesischen Kunming vereinbart werden. Aber die Vorverhandlungen gestalten sich äußerst schwierig. Die Bundesregierung plädiert dafür, ehrgeizige Ziele festzulegen – die dann auch eingehalten werden müssten. Aber das Hauptproblem ist die Frage der Bezahlung.

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Der globale Süden fordert, die reichen Länder müssten ihre Finanzmittel für den internationalen Natur- und Artenschutz bis 2030 um jährlich 700 Milliarden Dollar aufstocken. Eine „abwegige Forderung“, heißt es dazu hinter den Kulissen. Die Ampelparteien haben im Koalitionsvertrag versprochen, man werde das finanzielle Engagement für den globalen Biodiversitätsschutz „erheblich erhöhen“. Mancher wäre schon froh, wenn in Berlin ein ähnliches Bekenntnis der G-7-Umwelt- und Energieminister zu „substanziellen“ finanziellen Aufwendungen gelänge.

„Schecks werden jedoch nicht auf den Tisch gelegt“, hieß es im Vorfeld des Treffens. Dringender Handlungsbedarf besteht unter anderem beim Schutz der Meere. Zwar gibt es mehrere Initiativen, die Ozeane vor Verschmutzung und Raubbau zu schützen. Aber nicht zuletzt wegen der Verwerfungen mit Russland ist es schwierig, Fortschritte zu erzielen. Deswegen wollen die G-7-Umwelt- und Energieminister mit einem „Ocean Deal“ die Bedeutung der Meere für den Klimaschutz und den Schutz von Artenvielfalt und natürlichen Lebensräumen stärken.

Verbindliche Standards?

Auch das Thema nachhaltige Lieferketten ist konfliktbeladen. So gab es in den Vorbereitungstreffen unterschiedliche Ansichten darüber, ob man Unternehmen verbindliche Standards vorschreiben sollte. Bis zuletzt wurde außerdem über ein Bekenntnis zur Verkehrswende verhandelt. Durch Innovation, Bepreisung, Regulierung und finanzielle Anreize wollen die G-7-Umwelt- und Energieminister die Dekarbonisierung in den Sektoren Verkehr, Industrie und Gebäude voranbringen. Die größten Fortschritte erzielte man dabei bislang für die Zement- und Stahlindustrie. Die Minister wollen sich außerdem für die internationale Klimafinanzierung stark machen – durch Mahnungen und Appelle. Auf der Pariser Klimakonferenz 2015 wurde festgelegt, die Entwicklungsländer beim Klimaschutz durch Bereitstellung von jährlich 100 Milliarden US-Dollar zunächst bis zum Jahr 2025 zu unterstützen. Eingelöst wurde dieses Versprechen bislang aber nicht.

Quelle: F.A.Z.
Katja Gelinsky
Wirtschaftskorrespondentin in Berlin
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