Hohe Treibhausgaskonzentration

„Wir müssen unsere gesamte Lebensweise überdenken“

25.10.2021
, 12:42
Die Sonne scheint durch den Dampf des Heizwerk Theresienstraße in München.
In der Atmosphäre hat die Treibhausgaskonzentration einen neuen Höchststand erreicht. Die Weltorganisation für Meteorologie warnt davor, dass dadurch die Pariser Klimaziele deutlich verfehlt werden.
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Die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre hat im Jahr 2020 neue Höchstwerte erreicht. Der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr sei sogar noch höher ausgefallen, als die durchschnittliche Zunahme in den vergangenen zehn Jahren, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) wenige Tage vor Beginn der UN-Klimakonferenz COP26 in Schottland. Die Erreichung der Klimaschutzziele des Pariser Abkommens sei angesichts dieser Entwicklung erheblich gefährdet.

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Die Corona-Krise hat dem Bericht zufolge keinen bedeutenden Emissionsrückgang zur Folge. Der Wirtschaftsabschwung durch die Pandemie habe vorübergehend die Neuemissionen reduziert, aber „keine erkennbaren Auswirkungen“ auf die Menge und die Zunahme der Treibhausgase in der Atmosphäre gehabt.

Lediglich die neuen CO2-Emissionen seien zurückgegangen, um 5,6 Prozent im Coronajahr 2020. „Solange es Emissionen gibt, steigt die globale Temperatur weiter an“, teilt die Organisation mit. Das produzierte CO2 kann Jahrhunderte in der Atmosphäre bleiben. Es entsteht etwa durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas, die Zementproduktion und andere Industrieprozesse sowie im Zuge von Waldzerstörung.

„Bei der derzeitigen Geschwindigkeit des Anstiegs der Treibhausgaskonzentrationen wird der Temperaturanstieg am Ende des Jahrhunderts deutlich über den im Pariser Abkommen festgelegten Zielen von 1,5 bis 2 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau liegen“, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Taalas. „Wir sind noch weit vom Ziel entfernt.“

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Industrie, Energie und Verkehr überdenken

„Viele Länder setzen sich jetzt Ziele für die Kohlenstoffneutralität, und es ist zu hoffen, dass die Verpflichtungen auf der COP26 drastisch zunehmen werden“, sagte Taalas mit Blick auf die am Sonntag beginnende Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow. „Wir müssen die Industrie, den Energiesektor, den Verkehr und unsere gesamte Lebensweise neu überdenken.“

Bei der COP26 wird über eine Verschärfung der bisherigen internationalen Klimaschutzpläne verhandelt. Mehr als 190 Staaten hatten sich 2015 im Pariser Abkommen darauf geeinigt, sich für eine Begrenzung der Klimaerwärmung um 1,5 Grad und maximal um zwei Grad einzusetzen. Die bisher angekündigten Maßnahmen dafür reichen nach UN-Angaben jedoch nicht aus.

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Die Konferenz in Glasgow gilt nun als entscheidend für die Festlegung internationaler Emissionsziele zur Verlangsamung der Erderwärmung. „Die notwendigen Umstellungen sind wirtschaftlich erschwinglich und technisch machbar“, sagte Taalas. „Wir haben keine Zeit zu verlieren.“.

Mehr Emissionen durch fossile Brennstoffe

Das wichtigste durch menschliche Aktivität freigesetzte Treibhausgas ist CO2. Es entsteht vor allem durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe sowie bei der Herstellung von Beton.

Daneben heizt auch der Ausstoß von Methan und Distickstoffmonoxid (Lachgas) die Oberflächentemperatur merklich an. Die Methan-Emissionen gehen zu 60 Prozent auf menschliche Aktivität und besonders auf die Landwirtschaft zurück. Lachgas wird etwa bei der Verwendung von Kunstdünger freigesetzt.

Der neue Höchstwert des Treibhausgases lag bei 413,2 ppm (Teilchen pro Million Teilchen). Das entspricht 149 Prozent des vorindustriellen Niveaus. Im Jahr davor waren es 410,7 ppm. Diesen Wert passte die WMO nach neuen Analysen von ursprünglich 410,5 ppm an. Die WMO datiert den Beginn der Industrialisierung für diese Berechnungen auf 1750. Die Marke von 400 ppm war erst 2015 durchbrochen worden. CO2 ist nach Angaben der WMO für etwa 66 Prozent des Erwärmungseffekts verantwortlich. Alle Treibhausgase zusammen haben schon zu einer durchschnittlichen weltweiten Erwärmung von 1,1 Grad geführt, in Deutschland beträgt sie 1,6 Grad. Um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müsste die Welt etwa 2050 bis 2070 klimaneutral werden.

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Die WMO hat auch schon CO2-Messungen aus diesem Jahr, die nichts Gutes verheißen: an der Station Mauna Loa auf Hawaii in den USA lag die Konzentration im Juli dieses Jahres bei 416,96 ppm, nach 414,62 ppm im vergangenen Jahr. Die WMO bildet für das Jahresniveau immer einen Mittelwert aus den Messungen mehrerer Stationen.

Das vergangene Mal, dass die Erde solche CO2-Konzentrationen erlebte wie heute, sei drei bis fünf Millionen Jahre her. Damals sei die Temperatur zwei bis drei Grad höher gewesen und der Meeresspiegel 10 bis 20 Meter höher. Auf den Zustand vor so langer Zeit können Forscher durch Eisbohrungen in uralte Luftblasen und Analysen von Fossilien schließen.

Die WMO verweist darauf, dass jetzt schon Ökosysteme, die früher CO2 aufgenommen haben, zu Quellen zusätzlicher CO2-Emissionen geworden sind. Das sei der Fall in Teilen Amazoniens. Auslöser sind große Waldbrände und die Rodung von Wäldern.

Quelle: AFP/dpa/FAZ.NET
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