Industrie nervös wegen Grünen

Quoten und Verbote

EIN KOMMENTAR Von Julia Löhr, Berlin
07.04.2021
, 21:25
Einst sonnten sich Industrievertreter in der Gegenwart der Grünen. Doch seit die Partei an Beliebtheit gewinnt, kühlt die Liebe der Wirtschaft ab. Ihre Sorgen sind berechtigt.

Es ist noch gar nicht so lange her, da sonnten sich Industrievertreter regelrecht in der Gegenwart von Spitzenvertretern der Grünen. Auf Veranstaltungen von Wirtschaftsverbänden erhielt Annalena Baerbock mitunter mehr Applaus als FDP-Chef Christian Lindner. Etwas frischer Wind in der Politik könne nicht schaden, raunten Manager, die einst stramm konservativ unterwegs waren.

Doch je höher die Grünen in den Umfragen klettern und je konkreter ihr Wahlprogramm wird, desto mehr kühlt die Liebe wieder ab. Die Aussicht, dass die Partei in der neuen Regierung nicht nur Juniorpartner wird, sondern womöglich ins Kanzleramt einzieht, lässt die Nervosität wachsen. Die Sorgen vor einer grünen Planwirtschaft sind berechtigt. Zwar stehen im Programmentwurf wohlweislich keine Forderungen wie der Veggie Day oder ein Verbot von Einfamilienhäusern. Doch er ist durchzogen von einer moralisierenden Haltung, die mit Quoten und Verboten den Klimaschutz über alles stellen will. Die größte Gefahr für die Marktwirtschaft geht indes nicht von der Parteispitze aus, sondern von der linken Basis, der selbst dieser Entwurf noch nicht weit genug geht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Löhr, Julia
Julia Löhr
Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot