Wegen des Brexits

Großbritannien schließt vorläufiges Handelsabkommen mit Kanada

Aktualisiert am 22.11.2020
 - 13:13
Boris Johnson und Justin Trudeau im August 2019 beim G7-Gipfel in London
„Ein fantastisches Abkommen“ – Premierminister Bors Johnson freut sich über eine Einigung mit Kanada, die den Weg ebnet für weitere Verhandlungen. Sein Finanzminister will derweil nicht zum Sparkurs früherer Jahre zurückkehren.

Großbritannien hat ein vorläufiges Handelsabkommen mit Kanada unterzeichnet. Die am Samstag unterschriebene Abmachung ebne den Weg für künftige Verhandlungen über ein neues angepasstes Abkommen zwischen beiden Ländern, teilte die britische Regierung mit.

„Dies ist ein fantastisches Abkommen für Großbritannien, das den transatlantischen Handel mit einem unserer engsten Verbündeten sichert“, teilte der britische Premierminister Boris Johnson mit. „Britische Unternehmen exportieren alles von Elektroautos bis Sekt nach Kanada und das Abkommen von heute wird dafür sorgen, dass der Handel von Stärke zu Stärke übergeht.“

Großbritannien betreibt nach seinem Rückzug aus der EU im Januar weiter Handel mit anderen Ländern im Rahmen der Europäischen Union. Die Übergangsphase soll am 31. Dezember enden. Ohne neue bilaterale Handelsabkommen könnte der Handel mit Ländern durch Zölle und Bürokratie beeinträchtigt werden. Das vorläufige Abkommen mit Kanada ist für Großbritannien das zweite große Abkommen beim Handel nach dem Brexit. Großbritannien hatte im Oktober ein Freihandelsabkommen mit Japan unterzeichnet.

Mehrausgaben geplant

Großbritannien richtet sich dabei nicht nur in der Handelspolitik neu aus, auch in der Fiskalpolitik gibt es eine Wende: So will der britische Finanzminister Rishi Sunak ungeachtet der steigenden Staatsverschuldung infolge der Corona-Krise nicht zum rigiden Sparkurs früherer Jahre zurückkehren. Er werde „keine Sparmaßnahmen“ ankündigen, sagte Sunak am Sonntag dem Fernsehsender Sky News mit Blick auf seine für Mittwoch geplante Vorstellung der Haushaltspläne. Stattdessen werde es Mehrausgaben im öffentlichen Dienst geben – „und zwar eine ziemlich beträchtliche Erhöhung“. Die Krise hat ein 200 Milliarden Pfund großes Loch in Sunaks Finanzpläne gerissen.

Großbritannien leidet wirtschaftlich besonders stark unter der Corona-Krise. Das Bruttoinlandsprodukt dürfte 2020 mit elf Prozent in einem Rekordtempo einbrechen, sagt die Bank of England voraus. Die im November verhängten Kontaktbeschränkungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie treffen in erster Linie den Dienstleistungssektor, der in Großbritannien besonders groß ist und etwa 80 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht.

Welche Regeln gelten an Weihnachten?

Angesichts der zweiten Corona-Welle müssen sich die Briten nach den Worten Sunaks darauf einstellen, kein normales Weihnachtsfest feiern zu können. „So frustrierend es für uns alle ist, Weihnachten wird dieses Jahr nicht normal sein“, sagte er. Allerdings will Premier Boris Johnson laut einem Bericht der Zeitung „Telegraph“ zwischen dem 22. und dem 28. Dezember einige Vorschriften lockern. Details zu neuen Corona-Maßnahmen wird Johnson am Montag bekanntgeben, wie ein Regierungssprecher der Deutschen Presse-Agentur in London sagte.

In Umfragen hatten viele Briten erklärt, sie würden Pandemie-Regeln brechen, um ihre Angehörigen an Weihnachten doch noch besuchen zu können. Nach einem Bericht des Senders Sky News sollen über Weihnachten auch die Kirchen offen sein und Besuche von Pubs und Restaurants unter bestimmten Auflagen ermöglicht werden.

Bis Anfang Dezember gibt es in England noch einen Teil-Lockdown. In der Zeit gelten sehr strikte Kontaktbeschränkungen und die meisten Geschäfte sind geschlossen. Schulen und Universitäten sind hingegen geöffnet. Danach wird laut Downing Street wieder das dreistufige System gelten, in dem unterschiedlich scharfe Maßnahmen greifen. Jeder britische Landesteil entscheidet im Kampf gegen das Coronavirus über seine eigenen Maßnahmen.

Quelle: guth./AP/dpa/Reuters
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