Nach Sieg der Demokraten

Dax steigt erstmals über Rekordmarke von 14.000 Punkten

Von Antonia Mannweiler
07.01.2021
, 19:06
Die demokratische Übernahme des Senats in den Vereinigten Staaten treibt die Börsen an. Der Markt rechnet mit neuen Konjunkturhilfen, aber auch mit Regulierungen. Zugleich steigt auch der Bitcoin in neue Höhen.

Die dramatischen Ereignisse rund um das Kapitol in Washington vom Mittwoch haben zumindest an den Börsen keine großen Spuren hinterlassen. Im Gegenteil, aus Sicht der Anleger überwog die Tatsache, dass der künftige Präsident Joe Biden mit einer klareren Mehrheit regieren kann. Das befeuerte auch den Aufwärtstrend des deutschen Leitindex Dax, der ein neues Rekordhoch von 14.000 Punkten erreichte.

Zum Handelschluss stand der Dax auf 13.968 Punkten, ein Tagesgewinn von 0,6 Prozent und der höchste Wert auf Schlusskursbasis. Der Bitcoin setzt seinen Höhenflug ebenfalls fort und stieg auf mehr als 39.000 Dollar. Erst vor knapp einer Woche hatte die Digitalwährung den Wert von 20.000 Dollar übersprungen.

Inmitten des Chaos, das Anhänger des noch amtierenden Präsidenten Donald Trump anrichteten, ging fast unter, dass sich die Demokraten in den Stichwahlen um die Senatsposten in Georgia durchsetzen konnten. Damit kontrollieren sie nun mit 50 Sitzen und Kamala Harris als Vizepräsidentin und Zünglein an der Waage beide Kammern im Kongress. Auch wenn nun von einer „blauen Welle“ die Rede ist, für die Umsetzung vieler Gesetze braucht es immer noch eine Mehrheit von 60 Stimmen im Senat. Ganz so einfach wird es für Biden also nicht.

Markt rechnet mit neuen Konjunkturhilfen

Wichtig für viele Börsianer ist das Ergebnis vor allem bezüglich der Auswirkungen auf die Fiskalpolitik und Unternehmensteuern. Der Markt rechnet nun damit, dass bald neue Konjunkturhilfen fließen. Analysten von Goldman Sachs gehen dabei von einem Paket in Höhe von 600 Milliarden Dollar aus. Davon profitieren dürften vor allem zyklische Werte. Der amerikanische Standardwerteindex Dow Jones, in dem Unternehmen aus dem industriellen Sektor stark vertreten sind, stieg am Mittwoch um mehr als 2 Prozent, ebenso wie der MSCI USA Infrastructure Index. Zum Handelsauftakt am Donnerstag eröffnete der Dow Jones mit einem Plus von 0,9 Prozent.

Paradoxerweise sei die gute Nachricht für die amerikanische Wirtschaft eine schlechte für die relative Performance von amerikanischen Aktien, kommentiert Paul O’Connor von Janus Henderson Investors die Auswirkungen der Stichwahl auf die Märkte. Als Grund dafür sieht er die Aussicht auf höhere Unternehmensteuern, höhere Anleiherenditen und Bedenken gegenüber regulatorischen Eingriffen. Diese lasten aus seiner Sicht am stärksten auf den Medien-, Technologie- und Kommunikationsriesen. Also genau die Unternehmen und Branchen, die in den vergangenen Jahren die amerikanischen Indizes dominierten und nach oben zogen. Ob aber der Effekt einer expansiveren Fiskalpolitik dominiere, die den Aktienmärkten gefalle, oder höhere Unternehmensteuern, die ihnen missfalle, sei noch unklar, findet Matthias Hoppe vom Vermögensverwalter Franklin Templeton.

Tech-Größen verlieren, Waffenhersteller gewinnen

Der technologielastige Nasdaq 100 verlor am Mittwoch zeitweise mehr als 1,4 Prozent. Die Titel der Tech-Größen von Apple, Facebook und Amzon.com bis Microsoft gaben als direkte Reaktion mehr als 2,5 Prozent nach. Zum Handelsbeginn am Donnerstag konnte der Nasdaq diese Verluste aber fast wieder ausgleichen.

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Auch die Kurse von amerikanischen Anbietern von Handwaffen reagierten auf die Senatswahl in Georgia. Die Aktien eines der größten Schusswaffenherstellers in Nordamerika, Smith&Wesson, verteuerten sich um mehr als 18 Prozent. Auch die Titel von Sturm Ruger&Co. legten am Mittwoch als direkte Reaktion auf die Ergebnisse um mehr als 12 Prozent zu. Am Donnerstag gaben die Titel jedoch einen Teil ihrer Gewinne wieder ab. Marktteilnehmer spekulieren darauf, dass sich viele Amerikaner demnächst im größeren Umfang mit Waffen eindecken. Unter einem demokratischen Präsidenten Biden wird damit gerechnet, dass sich die Waffengesetze in Amerika verschärfen könnten.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Mannweiler, Antonia
Antonia Mannweiler
Redakteurin in der Wirtschaft.
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