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Großer Sprung zurück

EIN KOMMENTAR Von Hendrik Ankenbrand, Schanghai
22.12.2020
, 07:44
Berlin drängt darauf, möglichst schnell das seit Jahren verhandelte Investitionsabkommen der EU mit China zu schließen. Damit wirbt Deutschland für einen Partner, der immer diktatorischer durchgreift.

Ist ausgerechnet China, wo die Pandemie ihren Anfang nahm, am Jahresende der Sieger? Obwohl in Wuhan vor zwölf Monaten das Virus ausbrach, ist die chinesische Wirtschaft als einzige unter den großen Industrieländern nicht geschrumpft, sondern gewachsen. Während in Amerika ein neuer Lockdown droht und die Menschen in Europa Weihnachten in Isolation begehen, sind in Schanghai und Peking Büros und Restaurants gefüllt. Nur Maskenträger in Bus und Bahn erinnern daran, dass im Frühjahr das Milliardenvolk eingesperrt in den Wohnungen saß, während vor der Tür die Kader der Kommunistischen Partei alle jagten, die sich dem verordneten Stillstand nicht fügten.

Lediglich ein Dutzend neue Covid-Ansteckungsfälle gibt es in China heute pro Tag. Die Fabriken exportieren so viel wie nie zuvor. Auch in die Finanzmärkte fließt mehr ausländisches Kapital als vor der Krise. Der Eindruck, das Land habe den „Tschernobyl-Moment“ der Pandemie in einen Machtgewinn umgekehrt, wird auch gefördert vom Drängen Berlins, jetzt noch schnell das seit Jahren verhandelte Investitionsabkommen der EU mit China zu schließen. Bundeskanzlerin Angela Merkel scheint zu einer Allianz bereit – obwohl diese dem Ziel der neugewählten Regierung Amerikas entgegenläuft, Chinas Aufstieg gemeinsam mit den Europäern einzuhegen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Ankenbrand, Hendrik
Hendrik Ankenbrand
Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.
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