Europäische Finanzinstitute

Schuldenkrise lastet auf Bankaktien

Von Markus Frühauf
02.06.2011
, 17:51
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, sieht substantielle Herausforderungen für europäische Finanzinstitute. Auch in den vergangenen zwölf Monaten haben Bankaktien deutlich schlechter abgeschnitten als der Gesamtmarkt.
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Die Aktienkurse europäischer Banken sind am Mittwoch und Donnerstag wieder deutlich unter Druck geraten. Am Dienstag hatte die Hoffnung auf ein neues Rettungspaket für Griechenland die Kurse der Bankaktien noch deutlich steigen lassen. Am Mittwoch kündigte EU-Währungskommissar Olli Rehn aber demnächst schwierige Entscheidungen zu Griechenland an. Unter anderem sollen in dem neuen Rettungsplan die Banken einer freiwilligen Laufzeitenverlängerung zustimmen. Dies belastete zusammen mit amerikanischen Konjunktursorgen Bankaktien. Der Stoxx-Banken-Index, der 51 europäische Bankentitel beinhaltet, gab seit Anfang der Woche um 2 Prozent auf 191 Punkte nach. Der den gesamten europäischen Aktienmarkt abdeckende Stoxx-600-Index gab dagegen nur um 1 Prozent auf 276 Punkte ab. Die Deutsche-Bank-Aktie verbilligte sich seit Montag um 1,5 Prozent und die Commerzbank-Aktie um 1,9 Prozent.

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Auch in den vergangenen zwölf Monaten haben Bankaktien deutlich schlechter abgeschnitten als der Gesamtmarkt: Der Stoxx-600-Index erhöhte sich um 12 Prozent, der Stoxx-Banken-Index aber nur um 0,5 Prozent. Als einen wesentlichen Grund für die schlechtere Entwicklung nannte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, am Mittwoch die staatliche Schuldenkrise. „Wenn und sobald ein Staat wegen seiner Schulden ins Gerede kommt, reagiert die Börse mit Bewertungsabschlägen für die Gläubiger, auch wenn noch keinerlei Verluste angefallen sind oder unmittelbar bevorstehen“, sagte er. Nach Ansicht von Ackermann stehen die europäischen Banken vor substantiellen Herausforderungen. Neben der Staatsschuldenkrise sind dies die Verschiebung der ökonomischen Gewichte in die Schwellenländern sowie das neue regulatorische Rahmenwerk. „Europas Banken wird, sieht man sich ihre derzeitigen Börsennotierungen an, offenbar keine besonders rosige Zukunft zugebilligt“, sagte Ackermann.

Gegenüber Portugal gibt es keine Risiken

Die 91 führenden europäischen Banken halten griechische, irische und portugiesische Staatsanleihen über 134 Milliarden Euro. Diese Zahl stammt aus den Stresstests im vergangenen Sommer, in denen die Krisenbelastbarkeit dieser 91 Institute, darunter 14 deutsche, geprüft worden war. Griechenland, Portugal und Irland sind die drei Länder, die bislang von der Eurogruppe und dem IWF mit Hilfskrediten gestützt werden mussten. Die Summe erhöht sich auf 341 Milliarden Euro, wenn die 208 Milliarden Euro an spanischen Staatsanleihen hinzu gerechnet werden. Auf einer von der Schweizer Großbank UBS Mitte Mai veranstalteten Investorenkonferenz in New York hielten einige Teilnehmer eine Umschuldung nicht nur Griechenlands, sondern auch Irlands und Portugals für unvermeidbar. Zudem wurde Spanien nicht als immun gegenüber einer Eskalation der Schuldenkrise betrachtet.

Die Deutsche Bank hält griechische Anleihen über 1,6 Milliarden Euro. Gegenüber Portugal gibt es keine Risiken. Mit 237 Millionen Euro sind die irischen Staatsanleihen vernachlässigenswert. Dies lässt sich aber nicht im Fall von Spanien (2,3 Milliarden Euro) behaupten. Die Commerzbank hat griechische Staatsanleihen über 2,9 Milliarden Euro in ihren Büchern. Portugiesische Schuldtitel summieren sich auf 900 Millionen Euro und spanische auf 3 Milliarden Euro. Die Risiken gegenüber dem irischen Staat machen für Deutschlands zweitgrößte Bank weniger als 100 Millionen Euro aus.

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Keine negativen Konsequenzen für die Bonitätsnoten zu befürchten

Insgesamt halten deutsche Banken nach den Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich griechische Staatsanleihen über 19 Milliarden Euro. Französische Banken folgen dahinter mit knapp 15 Milliarden Euro. Irische Staatsanleihen summieren sich auf 2,4 Milliarden Euro und portugiesische auf 6,1 Milliarden Euro. Spanische Staatsanleihen machen 20 Milliarden Euro aus. Nach den griechischen Instituten sind die französischen Großbanken BNP Paribas und Société Générale (SG) die größten Gläubiger des griechischen Staates: BNP ist mit 4,9 Milliarden engagiert und SG mit 4 Milliarden Euro. Dahinter folgt die belgisch-französische Dexia mit 3,7 Milliarden Euro.

In Deutschland liegt das größte Risiko beim deutschen Staat: Genauer gesagt bei der FMS Wertmanagement, in der die riskanten Vermögenswerte der Hypo Real Estate gebündelt sind und für die der deutsche Steuerzahler haftet. Die wirtschaftlichen Risiken aus den Engagements in der Euro-Peripherie betragen insgesamt fast 59 Milliarden Euro. Davon entfallen 33,4 Milliarden Euro auf Italien, 10,8 Milliarden Euro auf Griechenland, 10,3 Milliarden Euro auf Spanien sowie jeweils 2,2 Milliarden Euro auf Irland und Portugal. Zuletzt hatte die Ratingagentur Fitch für die deutschen Banken Entwarnung gegeben, sollte es zu einer Umschuldung Griechenlands kommen. Die Risiken seien so gering, dass daraus keine negativen Konsequenzen für die Bonitätsnoten zu befürchten seien.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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