Finanzmärkte

Asiatische Staaten schaffen sich Währungsvorteile

11.06.2010
, 14:43
Die Kurskorrektur des Euro gegen den Dollar hat zu einer Normalisierung der Wettbewerbsverhältnisse im internationalen Handel geführt. Inzwischen bemühen sich asiatische Staaten allerdings schon wieder aktiv, ihre Währungen künstlich zu schwächen.

Schien der Kurs des Euro noch bis Ende des vergangenen Jahres nur eine Richtung gekannt zu haben, so hat sich das inzwischen verändert. Der Euro hat seit Dezember gegen den amerikanischen Dollar 20 Prozent nachgegeben auf zuletzt 1,2130 Dollar. Schwach jedoch ist er deswegen noch lange nicht.

Denn gemessen am verschiedenen Bewertungsmodellen ist er inzwischen allenfalls fair bewertet. Diese Aussage wird auch durch einen Blick auf die Entwicklung des real effektiven Wechselkurses, wie er etwa von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich berechnet wird, bestätigt. Denn nach der Kurskorrektur der vergangenen Monate befindet sich dieser Wechselkurs des Euro ungefähr auf dem Niveau der 90er-Jahre.

Euro-Korrektur führte zu einer Normalisierung der Wettbewerbsverhältnisse

Aus diesem Grund haben die Währungsbewegungen der vergangenen Monate zu einer Normalisierung zuvor verzerrter Wechselkurse und zu einer Verbesserung der Wettbewerbsbedingungen der europäischen Unternehmen im internationalen Handel geführt. Denn der Euro hatte bis Ende des vergangenen Jahres stark aufgewertet, obwohl die Eurozone im Außenhandel eine mehr oder weniger ausgeglichene Bilanz auswies.

Bild: FAZ.NET

Dagegen hatte die asiatischen Staaten mehr oder weniger starke Überschüsse im Außenhandel mit Amerika und vor allem auch Europa erzielt. Sie wurden gehalten oder gar verstärkt, da die meisten Staaten der Region gegen eine unter normalen Umständen auftretende Aufwertung der Währungen intervenierten und die resultierenden Währungsreserven unter anderem in Euro investierten. Das führte zu einem sich selbst verstärkenden Prozess. Je tiefer die asiatischen Währungen in Asien gehalten wurden - langjährige Abwertungstrends lassen sich unter anderem am effektiven Wechselkurs ablesen -, desto robuster war die Wettbewerbssituation der dortigen Unternehmen, desto größer waren die Außenhandelsüberschüsse, desto dynamischer nahmen die Währungsreserven zu und desto stärker stieg der Kurs des Euro.

Die Kurskorrektur des Euro hat diese Wettbewerbsverhältnisse vorerst korrigiert. Allerdings stoßen sie in Asien auf wenig Gegenliebe. Denn nun versuchen asiatische Unternehmen politischen Einfluss auszuüben, um sich die „alten Währungsvorteile“ wieder zu verschaffen. Aufgrund des tiefen Eurokurses seien manche Zentralbanken der Region sogar ziemlich aggressiv beim Versuch, die Währungen des eigenen Landes nicht aufwerten zu lassen, erklären Fondsmanager.

... gegen die nun asiatische Staaten schon wieder intervenieren

Die chinesische Zentralbank denke sogar darüber nach, den Währungsterminmarkt stärker als bisher zu regulieren, statt die Währung frei zu geben. Südkorea hat in den vergangenen Wochen immer wieder gegen die Aufwertung des Won interventiert, während die Zentralbank Taiwans sogar täglich im Markt sei, um die eigene Währung schwach zu halten, heißt es. Zusammen mit den angesichts der Preisentwicklung vielfach zu riefen Zinsen in der Region mache das die asiatischen Währungen für internationale Anleger wenig interessant.

Dagegen seien Währungen wie der brasilianische Real oder auch der Austral- und Neuseeland-Dollar aufgrund der Zinsvorteile und von Zinserhöhungsphantasien attraktiv, heißt es weiter. Das führte in der Konsequenz zur Wiederherstellung der massiven makroökonomischen Ungleichgewichte sowie der verzerrten Wettbewerbs- und Währungsrelationen, die schon vor der Finanzkrise zu Diskussionen geführt hatten.

Die Tatsache, dass die asiatischen Staaten solche Strategien nötig haben, zeigt, dass ihre Volkswirtschaften nicht so effizient zu sein scheinen, wie sie immer vorgeben. Denn sonst wären sie nicht so verzweifelt an schwachen Wechselkursen interessiert, um ihre Exportwirtschaften zu subventionieren. Spätestens wenn China beginnen sollte, mit Interventionen wieder den Eurokurs gegen den Dollar nach oben zu treiben, würde das Problem als politisches offensichtlich. Experten wie Michael Pettis, Wirtschaftsprofessor in Peking, rechnen genau damit.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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