Finanzmärkte

Euro - nicht schwach, auf normalisiertem Niveau

07.06.2010
, 15:31
Viele Analysten und Kommentatoren reden angesichts der Kursverluste des Euro von einer Schwäche der Währung. Bewertungen und Formulierungen dieser Art gehen jedoch vielen leicht von der Hand, ohne von Fakten bestätigt zu werden.

Wetten gegen den Euro sind in den vergangenen Wochen und Monaten zu so etwas wie einer Einbahnstrasse geworden. Sie führten am Montag zu Kursen von bis zu 1,1876 Dollar je Euro oder auf bis zu 1,3853 Franken je Euro. Also auf eine Vierjahres- beziehungsweise gar auf eine Allzeittief.

Bis auf wenige Ausnahmen wie den venezolanischen Bolivar, den ungarischen Forint und den polnischen Zloty haben die anderen Währungen seit Dezember des vergangenen Jahres zwischen einem und 32 Prozent gegen die europäische Einheitswährung aufgewertet.

Der Euro ist nicht schwach, sondern auf einem normalisierten Niveau

Viele Analysten und Kommentatoren reden angesichts der Kursverluste des Euro von einer Schwäche. Bewertungen und Formulierungen dieser Art gehen jedoch vielen leicht von der Hand, ohne von Fakten bestätigt zu werden. Bewertungsmodelle wie die Kaufkraftparitätentheorie in verschiedenen Ausprägungen zeigen, dass der Euro keineswegs schwach ist. Die Einheitswährung ist allenfalls fair bewertet, nachdem sie zuvor zu teuer gewesen war. Europas effektiver Wechselkurs liegt nominal trotz der Einbußen der vergangenene Wochen deutlich über dem der 90er-Jahre und real ungefähr auf einem vergleichbaren Niveau.

Bild: FAZ.NET

Inzwischen hat due europäische Währung einen Teil ihrer Überbewertung abgebaut. Nicht nur gegen den amerikanischen Dollar und die daran gekoppelten Währungen in aller Welt, sondern auch gegen Währungen von Indonesien, Thailand, Malaysia, Kolumbien, Taiwan, Mexiko, Vietnam, Japan und anderen. Viele dieser Staaten hatten in den vergangenen Jahren im internationalen Handel von abwertenden oder schwach bleibenden Währungen profitieren können, weil sie für relative Wettbewerbsvorteile sorgten.

So gesehen ist der Euro nicht schwach, sondern die Kursentwicklung der vergangenen Monate stellt lediglich eine gewisse Normalisierung der zuvor zu seinen ungunsten verzerrten Verhältnissen dar. Die führen dazu, dass europäische Unternehmen künftig mit den Folgen notwendiger Sparmaßnahmen im Öffentlichen Sektor besser zurecht kommen werden, als mit einer überbewerteten Währung.

Auf diese Weise können die Anteile der in der Region ansässigen Unternehmen für Anleger zumindest nach einem Ausverkauf reizvoll werden. Allerdings ist noch offen, wann der vorbei sein wird. Denn er geht nur bedingt von den fiskal- und wirtschaftlichen Aussichten Europas aus, sondern auch von der Anpassung internationaler Wertpapier- und Vermögenspositionen. Anleger und Banken reduzieren im Rahmen des andauernden Abbaus von Risiken Auslandspositionen. Das gilt vor allem für amerikanische und Schweizer Institutionen.

Positionsbereinigungen zeigen Wirkung

Die Amerikaner sind bemüht, die Werte ihrer Auslandsvermögen zu sichern, um sie gegen die hohen Schulden im Binnenmarkt und zunehmende Abschreibungen stellen zu können. Das trägt trotz der schwachen Verfassung der amerikanischen Wirtschaft - sie lässt sich am deutlichsten am Arbeitsmarkt ablesen - zur momentanen Aufwertung des Dollars bei. Dagegen bauen die Schweizer Großbanken, die selbst nach Ansicht der Schweizer Nationalbank noch deutlich zu groß sind für das kleine Land, ihre Auslandsengagements ab oder reduzieren ihre Risiken. Aus diesem Grund wertet der Schweizer Franken so stark gegen den Euro und gegen die Währungen Osteuropas so stark auf.

Da Schulden, Währungsungleichgewichte und Risiken der Banken noch nicht bereinigt sind, können die in den vergangenen Wochen etablierten Trends noch eine Weile laufen. Alleine schon aus technischen Gründen bestätigen sie sich immer wieder selbst, bis schließlich die fundamentalen Sorgen und die Eigendynamik erschöpft sind. Dann kann es zu deutlichen Gegenbewegungen kommen, da spekulative Positionen korrigiert werden. Wann das sein wird, ist allerdings kaum zu prognostizieren.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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