Ifo-Geschäftsklima

Die deutsche Wirtschaft stabilisiert sich

Von Niklas Záboji
Aktualisiert am 25.11.2019
 - 11:08
Mitarbeiter der Salzgitter AG am Hochofen
Monatelang ging es für die deutsche Wirtschaft abwärts. Seit September verbessert sich die Stimmung – doch von einer Trendwende will noch niemand sprechen.

Die deutsche Wirtschaft scheint sich wieder zu erholen. Nachdem sich die Stimmung in den Unternehmen monatelang eingetrübt hatte, zeigen neben den Industrieaufträgen und Exporten seit September auch Geschäftsklimaumfragen wieder zaghaft nach oben. Der wichtigste Stimmungsindikator – der Ifo-Geschäftsklima-Index – legte im November um 0,3 Punkte zu auf 95,0 Zähler, wie das Münchener Institut am Montag bekanntgab. Das Barometer basiert auf einer monatlichen Befragung von 9000 deutschen Unternehmen aller Branchen.

„Die deutsche Konjunktur zeigt sich widerstandsfähig“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Sowohl die momentane Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate wurden besser beurteilt. Nach dem minimalen Zuwachs der Wirtschaftsleistung im dritten Quartal um 0,1 Prozent sei für das vierte Quartal mit einem Wachstum der deutschen Wirtschaft um 0,2 Prozent zu rechnen, sagte Fuest. Auch andere Ökonomen teilten mit, aufgrund der verbesserten Stimmungslage ihre Wachstumsprognosen für das Schlussquartal anzupassen.

Die Talsohle ist noch keine Trendwende

Ein wesentlicher Grund dafür, dass der Ifo-Index den nunmehr dritten Monat in Folge nicht mehr gesunken ist, dürfte im Ausland liegen. Die Lage im lahmenden Welthandel hat sich zuletzt leicht entspannt. Nicht nur die in Aussicht gestellte erste Teileinigung im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit, sondern auch die zuletzt spürbar gesunkene Wahrscheinlichkeit eines harten Brexit habe für einige Lichtblicke gesorgt, meint KfW-Ökonom Klaus Borger.

Tatsächlich waren am vergangenen Freitag sowohl aus Peking als auch Washington positivere Töne gekommen. Gleichwohl bleibe die deutsche Wirtschaft verwundbar und anfällig für schlechte Nachrichten, solange die Industrie nicht auf einen Wachstumspfad zurückgefunden hat, sagt Borger. Zumal der weitere Verlauf des Handelsstreits nach wie vor völlig offen ist.

Die Talsohle zu erreichen bedeutet noch keine Trendwende, betonte deshalb Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Bank in Deutschland. Auch die Fachleute der Commerzbank sprachen allenfalls von einer Stabilisierung des Geschäftsklimas. Immerhin stärke die verbesserte Stimmung aber die Hoffnung, „dass der deutschen Wirtschaft eine ausgewachsene Rezession erspart bleibt“, sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Anders als für große Teile der Binnenwirtschaft, insbesondere den konsumnahen Dienstleistungssektor, gilt das für die exportorientierte deutsche Industrie allerdings nur bedingt.

Weil sie sowohl unter dem schwächelnden Welthandel als auch strukturellen Veränderungen leidet, hatten Industrievertreter Anzeichen einer Trendwende zuletzt vehement dementiert. Seit dem dritten Quartal 2018 stecke man in einer Rezession, hob der Branchenverband BDI vorige Woche mit Nachdruck hervor. Die Metall- und Elektro-Industrie verwies zuletzt auf die nach wie vor rückläufigen Produktionszahlen. „Keine Trendwende im Chemiegeschäft“, hieß es Anfang November auch vom Verband der chemischen Industrie. Vor allem im Inland gebe es wenig Grund zu Optimismus und verringere sich die Nachfrage nach Chemieprodukten abermals wegen der anhaltend schwierigen Geschäftslage in der gesamten Industrie.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Zaboji, Niklas
Niklas Záboji
Redakteur in der Wirtschaft.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot