Ifo-Präsident Fuest

„Anzeichen für eine Rezession sind derzeit nicht sichtbar“

Von Svea Junge
23.05.2022
, 11:31
Porsche-Mitarbeiter arbeiten während einer Showproduktion zur Eröffnung der Produktion des Modells Taycan im Stuttgarter Werk.
Das wichtige Konjunkturbarometer ist im Mai um 1,1 Punkte auf 93 Zähler gestiegen. Doch der Krieg in der Ukraine und die Lockdowns in China lassen die Unternehmen weiter skeptisch in die Zukunft blicken.
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Im dritten Monat nach Beginn der russischen Invasion der Ukraine hat sich die Stimmung in den deutschen Chefetagen verbessert. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Instituts stieg im Vergleich zum Vormonat um 1,1 Punkte auf 93 Zähler, wie das Institut am Montag mitteilte. Es ist der zweite Anstieg in Folge. Im März war das Barometer, das auf der monatlichen Befragung von rund 9000 Unternehmen beruht und als wichtigster Frühindikator für die deutsche Konjunktur gilt, noch von 98,5 Punkten auf 90,8 Zähler abgestürzt. Grund dafür war ein historischer Einbruch der Erwartungen, der sogar den Rückgang bei Ausbruch der Corona-Krise im März 2020 übertraf.

Auch im Mai blieben die Unternehmen mit Blick auf die kommenden sechs Monate skeptisch. Ihre Erwartungen veränderten sich kaum. Mit ihren aktuellen Geschäften waren die Unternehmen hingegen merklich zufriedener als im Vormonat. Die Lagekomponente des Index stieg von 97,3 Punkten auf 99,5 Zähler.

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„Die deutsche Wirtschaft erweist sich trotz Inflationssorgen, Materialengpässen und Krieg in der Ukraine als robust. Anzeichen für eine Rezession sind derzeit nicht sichtbar“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Die Stimmung verbesserte sich über alle Branchen hinweg. Der Anstieg des Index ging jedoch maßgeblich auf eine deutlich bessere Beurteilung der aktuellen Geschäftslage im Dienstleistungssektor zurück, der stark von der Lockerung der Corona-Beschränkungen profitiert. Der Teilindikator stieg so stark wie zuletzt im Juni 2021. Zwar entspannte sich auch die Stimmung in der Industrie leicht. „Die Firmen sind aber weiterhin spürbar skeptisch mit Blick auf die kommenden Monate“, sagte Fuest. Zudem habe die Nachfrage einen deutlichen Dämpfer erhalten und die Auftragseingänge schwächten sich ab.

Ökonomen sehen weiter Risiken

Ökonomen bleiben trotz des Anstiegs des Barometers eher pessimistisch. „Die Null-Corona-Politik in China sowie kriegsbedingte Lieferprobleme dürften den Nachschub für die deutsche Industrie aus dem Ausland weiter stocken lassen“, sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Die Konjunkturrisiken blieben nach unten gerichtet. Laut einer Umfrage des Ifo-Instituts klagten im April zuletzt 75 Prozent der Firmen über Engpässe und Probleme bei der Beschaffung von Vorprodukten und Rohstoffen – und die Aufträge stapeln sich. Im März 2022 betrug die Auftragsreichweite 8 Monate und erreichte damit einen neuen Höchststand seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2015, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Die Reichweite gibt an, wie viele Monate die Betriebe bei gleichbleibendem Umsatz ohne neue Bestellungen produzieren könnten, um die vorhandenen Aufträge abzuarbeiten.

Alexander Krüger, Chefvolkswirt de Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe, erwartet, dass der „massive Materialmangel“ die Produktion „noch lange an die Kette legen“ werde. „Indexanstieg hin oder her: Die Laune von Unternehmen bleibt schlecht“, kommentierte er. Für den Post-Corona-Konsumboom sehe es wegen des starken Inflationsanstieg und Angebotsengpässen ebenfalls schlecht aus. Diese Gefahr sieht auch Deka-Bank-Ökonom Andreas Scheuerle. „Noch läuft die Konjunktur dank der Nachholeffekte nach dem Ende der Corona-Restriktionen“, sagte er. Das überlagere aktuell Probleme an anderen Stellen. „Doch diese Hilfe ebbt mit der Zeit ab und die Einkommen der Konsumenten erodieren in Folge der Inflation immer weiter, so Scheuerle.

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Mit einer schnellen Aufholbewegung wie ab dem Frühsommer 2020 rechnet KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib angesichts der Belastungen für die Kaufkraft und den Lieferengpässen nicht. „Für den Rest des Jahres erwarte ich deshalb nur moderat positive Quartalswachstumsraten, auch stagflationäre Tendenzen sind durchaus möglich“, sagte sie.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Junge, Svea
Svea Junge
Redakteurin in der Wirtschaft.
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