Deutsche Wirtschaft

So belastet die Pandemie jetzt die Konjunktur

Von Niklas Záboji
Aktualisiert am 24.11.2020
 - 11:43
Das Wirtschaftsklima hat sich eingetrübt.
Die Entscheider in den Unternehmen haben an Zuversicht verloren. Doch es gibt einen Lichtblick.

Der Lockdown und die anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen setzen der deutschen Wirtschaft zu. Wie die Volkswirte des Münchner Ifo-Instituts am Dienstag mitteilten, hat sich das Geschäftsklima im November weiter eingetrübt. Der Index, der auf der monatlichen Befragung von rund 9000 Unternehmen aller Branchen beruht und als wichtigster Stimmungsindikator für die deutsche Konjunktur gilt, sank auf 90,7 Punkte. Im Oktober hatte er noch bei 92,5 Punkten gelegen.

Von einem Absturz wie im Frühjahr ist das Geschäftsklima damit noch weit entfernt: Von Februar bis April war der Ifo-Index um mehr als 20 Zähler nach unten gerauscht bis auf 75,4 Punkte. Anschließend war es allerdings fünf Monate in Folge aufwärts gegangen. Der Stimmungsdämpfer im November ist der zweite Rückgang des Geschäftsklimas in Folge. Selbiges gilt für das am Montag veröffentlichte Geschäftsklimabarometer des Londoner Markit-Instituts.

Vor allem die Erwartungshaltung der Unternehmen hat sich verschlechtert. In diesem Unterindex gab es einen Rückgang von 94,7 auf 91,5 Punkte. Erheblich mehr Unternehmen blicken demnach pessimistisch auf die kommenden sechs Monate, allen voran Dienstleister, die wegen des Lockdowns kein Geschäft betreiben dürfen. Die Indikatoren im Bereich Hotels und Gastgewerbe sind regelrecht abgestürzt.

Die Wirtschaftsleistung dürfte schrumpfen

Doch mit der Industrie gibt es auch einen Lichtblick. Mit Blick auf die künftige Geschäftsentwicklung hat sie zwar ebenfalls an Zuversicht eingebüßt. Die Lage beurteilten die Industrieunternehmen aber nach wie vor gut und besser als im Vormonat. Ihre Auftragseingänge stiegen im November. Vor allem im Konsumgüterbereich läuft es laut Ifo-Institut sehr gut. Als Hauptgrund gilt die starke Nachfrage aus Asien.

Der Lockdown werde die Erholung natürlich deutlich ausbremsen, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser der F.A.Z. Eine seriöse Abschätzung sei in harten Zahlen allerdings noch nicht möglich. Klar sei: Werden die Corona-Eindämmungsmaßnahmen bis Weihnachten verlängert, dürfte die deutsche Wirtschaftsleistung im Schlussquartal schrumpfen. Derzeit sei zwischen leichtem Minus, Stagnation und leichtem Plus noch alles möglich.

Ökonomen wie der Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sind hingegen überzeugt, dass Wachstum derzeit kaum mehr möglich ist. Dass die Industrie von der zweiten Infektionswelle bislang verschont geblieben ist, verhindere nicht, dass die Wirtschaftsleistung im Schlussquartal sowohl in Deutschland als auch im Euroraum schrumpfen werde. „Auch im ersten Quartal nächsten Jahres bleibt die wirtschaftliche Lage schwierig, da es wegen der niedrigen Temperaturen zu einer dritten Corona-Welle kommen könnte“, sagte Krämer.

Impfstoffe ebnen den Weg für Erholung

Auch die Volkswirte der DZ Bank teilten mit, für das Winterhalbjahr insgesamt von einer leichten Rezession in Deutschland auszugehen. Der zu erwartende Rücksetzer im vierten Quartal werde bei weitem nicht an den epochalen Einbruch des zweiten Quartals heranreichen, aber die kräftigte Erholung des dritten Quartals finde zum Jahresende leider keine Fortsetzung, ergänzt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank Gruppe; die deutsche Wirtschaft war im mit 8,5 Prozent noch stärker gewachsen als bislang bekannt, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit.

Man müsse die Situation nüchtern betrachten, sagt Ökonom Gitzel: „Solange kein Infektionsschutz breiter Bevölkerungsgruppen besteht, schwingt das Virus den Taktstock.“ Die gute Nachricht ist aus seiner Sicht, dass zumindest für den weiteren Jahresverlauf 2021 mit einer nachhaltigen Konjunkturerholung zu rechnen sei. Die Verteilung eines Impfstoffes ebne den Weg hierzu.

Wenn auch abgeschwächt, hatten die fünf größten deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Oktobergutachten noch eine anhaltende Erholung im Winter in Aussicht gestellt – und für 2020 insgesamt eine Abnahme der Wirtschaftsleistung von 5,4 Prozent prognostiziert. Ein Lockdown wie derzeit hatte man da aber nicht einkalkuliert, erklärt Ifo-Ökonom Wollmershäuser. Der Sachverständigenrat war im November von einem Minus von 5,1 Prozent ausgegangen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Zaboji, Niklas
Niklas Záboji
Redakteur in der Wirtschaft.
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