Start der Hannover Messe

Industrie ist wieder optimistisch – wegen Amerika und China

Von Stephan Finsterbusch, Frankfurt
12.04.2021
, 11:12
Acht Prozent mehr als im Vorjahr – der Industrieverband BDI erwartet einen rasanten Anstieg der Produktion und setzt auf Exporte. Von der Politik fordert der Verband mehr Tempo, ob beim Impfen oder in der Verwaltung.

Die deutsche Industrie blickt mit viel Optimismus auf die kommenden Monate. „Für die Industrieproduktion erwarten wir ein kräftiges Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr“, sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Siegfried Russwurm, am Montag auf der Hannover Messe. Wegen der Corona-Pandemie und des damit einhergehenden Lockdowns weiter Teile des öffentlichen und privaten Lebens rechnet der BDI nun mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 3 Prozent für dieses Jahr.

Die Voraussetzungen dafür sind demnach, dass sich die allgemeine Lage bessert, die coronabedingten Einschränkungen bis zum Herbst weitestgehend zurückgefahren sind und das verarbeitende Gewerbe von keinen weiteren Auflagen durch die Politik betroffen sein wird. „Der Außenhandel wird zum zentralen Wachstumshebel – vor allem mit den Konjunktur-Lokomotiven Vereinigte Staaten und China“, erklärte Russwurm. Nordamerika und Asien brächten die Weltwirtschaft wieder auf Trab.

Erfolge an der Impffront

„Trotz großer Unsicherheit, die mit der Pandemie noch einige Zeit bestehen bleibt, erweist unsere Industrie sich als außerordentlich robust“, erläuterte der BDI-Präsident. Entscheidend sei, dass es in Deutschland beim Impfen mithilfe von Haus- und Betriebsärzten endlich mehr Tempo gebe. „Das Gebot der Stunde muss lauten: Impfen, impfen, impfen“, sagte Russwurm. Statt Priorisierungs-Bürokratie müsse Pragmatismus walten, damit es bis zu den Sommermonaten die erforderlichen Erfolge an der Impffront gebe.

„Mehr denn je brauchen wir angesichts von Corona einen Investitionsschub für die kommenden zehn Jahre, um den Strukturwandel neu zu gestalten und zielgerichtet nachhaltige Schlüsseltechnologien sowie intensive Forschung zu unterstützen“, verlangte Russwurm. „In diesem Superwahljahr darf das Krisenmanagement nicht den Blick auf die Zeit nach der Pandemie verstellen.“ Die Devise müsse lauten: Zukunft gestalten, statt den Standort zu verwalten.

Statt sich im bürokratischen Details zu verlieren, brauche Deutschland einen klugen Ordnungsrahmen. Der umfasse das Management des digitalen Wandels, den Klimaschutz und eine moderne Infrastruktur. An Strategien dafür mangele es hierzulande nicht, aber an deren Umsetzung. Deutschland brauche dringend mehr Innovation, sagte Russwurm. Der Staat sei gefordert, durch eine entschlossene Digitaloffensive für die öffentliche Verwaltung Impulse zu setzen und damit den Standort zu stärken.

Die Bundesregierung hat in dieser Legislaturperiode eine Daten-, eine Blockchain- und eine KI-Strategie vorgelegt und das Entwicklungsprogramm für Quantentechnologie angeschoben. Derzeit ist die Entwicklung einer Nationalen Cybersicherheits-Strategie in Arbeit.

Quelle: FAZ.NET
Stephan Finsterbusch  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Stephan Finsterbusch
Redakteur in der Wirtschaft.
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