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Konjunktur

Amerikanische Krise erreicht Deutschland

 - 14:50
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Die Turbulenzen an den Finanzmärkten haben den Konjunkturoptimismus von Anlegern und Analysten stark getrübt. Der Index der ZEW-Konjunkturerwartungen sank im August überraschend deutlich: von 10,4 im Juli auf minus 6,9 Punkte. Dies teilte das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) am Dienstag mit. Analysten hatten mit einem Rückgang auf minus 1,0 Punkte gerechnet. Der Index für die aktuelle Lage gab von 88,2 Punkten im Juli auf 80,2 Punkte nach.

Die 300 befragten Experten befürchten dem ZEW zufolge, dass die Krise am amerikanischen Immobilienmarkt auf die deutsche Wirtschaft durchschlägt. ZEW-Präsident Wolfgang Franz sieht dagegen nur begrenzte Folgen. „Mögliche Rückwirkungen auf die deutsche Konjunktur werden sich nach derzeitigen Kenntnissen in engen Grenzen halten“, sagte Franz. „Die Krise ist in erster Linie ein Problem der Vereinigten Staaten.“ Eventuelle Kreditengpässe fielen in ein Umfeld sehr guter Unternehmensbilanzen. Allerdings die Konjunkturerwartungen nun deutlich unter ihrem historischen Mittelwert von 32,6 Punkten. Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone verminderten sich im August ebenfalls. Der Euro-Indikator sank um 13,3 Punkte gegenüber dem Vormonat auf minus 6,1 Punkten.

Steinbrück beschwichtigt

Die Krise am Finanzmarkt wird nach Ansicht von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) den Aufschwung in Deutschland nicht bremsen. „Erkennbar gibt es derzeit und auf absehbare Zeit nach Aussage aller Experten keine Übersprungeffekte auf die Realwirtschaft“, sagte Steinbrück am Dienstag in Berlin. Dies sei sehr wichtig, „damit Konjunktur, Wachstum und Beschäftigung nicht in Mitleidenschaft gezogen werden“.

Steinbrück bemühte sich erneut um eine weitere Beruhigung der von der amerikanischen Immobilienkrise verunsicherten Finanzmärkte. „Ich glaube, dass die Beteiligten die Situation im Griff haben.“ Die vom amerikanischen Hypothekenmarkt „herübergeschwappte Krise“ könne gut gemanagt und bewältigt werden. Er habe keine Indizien für eine Schieflage anderer Banken, sagte Steinbrück weiter.

Folgen der amerikanischen Krise

Eventuelle Kreditengpässe würde in Deutschland in ein Umfeld sehr guter Unternehmensbilanzen fallen, meinte das ZEW. Allerdings könnten die Exporte von einer schwächeren Kaufkraft der amerikanischen Konsumenten beeinträchtigt werden. „Die Eintrübung des Konsumklimas auf Grund der
Kursverluste wird in Deutschland hingegen vermutlich gering ausfallen“, sagte Franz. Die Krise am amerikanischen Hypothekenmarkt hat in den vergangenen Wochen heftige Kurseinbrüche an den Börsen ausgelöst. Weltweit hatten Zentralbanken den Geschäftsbanken vorübergehend Kredite von Hunderten Milliarden Euro eingeräumt, um einen starken Anstieg der kurzfristigen Zinsen zu verhindern.

In Erwartung des ZEW-Index sind die Kurse am deutschen Aktienmarkt am Dienstagvormittag überwiegend gefallen. Nach Bekanntgabe des neuen Werts lag der Deutsche Aktienindex Dax um 0,5 Prozent im Minus bei 7369 Punkten.

Beschäftigung in Deutschland steigt schnell

Der aktuelle Aufschwung in Deutschland sorgt schneller für mehr Beschäftigung als in früheren Phasen, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit. In diesem Jahr habe es einen besonders kräftigen Zuwachs auf dem Arbeitsmarkt gegeben. „Der Zuwachs wird vor allem von der guten Konjunktur getragen - aber auch die Arbeitsmarktreformen der vergangenen Jahre wirken“, sagte eine Statistikerin.

Im zweiten Quartal hatten nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 39,6 Millionen Erwerbstätige ihren Arbeitsort in Deutschland, das waren 1,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im
ersten Quartal hatte der Anstieg auch wegen des ungewöhnlich milden Winters 1,9 Prozent betragen.

Stärkerer Zuwachs als in den drei Jahren zuvor

Im Vergleich zu den ersten drei Monaten stieg die Erwerbstätigkeit im zweiten Quartal um 1,2 Prozent. Dieser Anstieg sei höher ausgefallen als im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre, berichteten die Statistiker und sprachen von einer „beachtlichen“ Entwicklung. Der Zuwachs werde sowohl vom Aufbau voll sozialversicherungspflichtiger als auch geringfügig entlohnter Beschäftigung getragen. Saisonbereinigt betrug das Plus gegenüber dem Vorquartal 0,3 Prozent. Neben der guten Konjunktur habe sich auch die vergleichsweise geringe Arbeitslosigkeit in dem milden Winter positiv ausgewirkt.

Die Deutsche Bundesbank schreibt in ihrem aktuellen Monatsbericht, dass es beim Arbeitsvolumen eine „vorteilhaftere Entwicklung“ als in früheren Zyklen gebe. Grund dafür seien die Reformen, aber auch die Lohnzurückhaltung der vergangenen Jahre. Die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt wird nach Ansicht der Ökonomen in diesem Jahr den privaten Konsum - der unter der Mehrwertsteuererhöhung zum Jahresbeginn gelitten hatte - anspringen lassen. Deshalb sehen die Experten gute Aussichten für die Konjunktur und erwarten ein Wirtschaftswachstum von rund 2,6 Prozent.

Von den Branchen profitierte der Bau im zweiten Quartal am stärksten von den vielen Aufträgen und der milden Witterung mit einem Zuwachs der Erwerbstätigen von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresergebnis. Im Dienstleistungsbereich stieg die Erwerbstätigkeit um 1,9 Prozent, in der Land- und Forstwirtschaft um 1,0 Prozent.

Quelle: Reuters / dpa / FAZ.NET
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