Konjunktur

Deutsche Wirtschaft dürfte sich 2021 erholen

Von Svea Junge
14.01.2021
, 13:44
Nach dem Einbruch von 2020 stehen die Zeichen gut, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr wieder wächst. Ein zweites Konjunkturpaket soll es laut Wirtschaftsminister Altmaier nicht geben.

Die deutsche Wirtschaft hatte Glück im Unglück. Im Krisenjahr 2020 büßte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) bedingt durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, geschlossene Grenzen und Lieferkettenunterbrechungen im Vergleich zum Vorjahr 5 Prozent seiner Wirtschaftskraft ein. Das teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. In den ersten Krisenwochen hatten führende Wirtschaftsforschungsinstitute noch mit einem Minus von weit mehr als 10 Prozent gerechnet.

Dass es so nicht gekommen ist, ist in erster Linie der starken Erholung im dritten Quartal zu verdanken. Nach einem BIP-Einbruch im zweiten Quartal um 9,8 Prozent im Vergleich zum Vorquartal ging es zwischen Juni und September schon wieder um 8,5 Prozent nach oben. „Befreit von den Fesseln des Lockdowns explodierte das Wirtschaftsleben ab Mai und bescherte der deutschen Volkswirtschaft ein phänomenales Wachstum in dritten Quartal. Das allein reichte aus, einen Einbruch wie in der globalen Finanzkrise zu vermeiden", kommentierte der Ökonom Andreas Scheuerle von der Dekabank.

Diese Erfahrung mache Hoffnung, dass es auch nach dem neuerlichen Lockdown schnell wieder bergauf gehen könnte, erklärten die Statistiker bei der Vorstellung der Ergebnisse. Selbst wenn die Beschränkungen bis ins Frühjahr andauern sollten, sei angesichts der historisch hohen Sparquote von 16,3 Prozent mit einer starken, vom privaten Konsum getragenen Gegenbewegung zu rechnen, sobald die Maßnahmen gelockert würden.

China trägt zur Erholung bei

Vorerst dürfte es allerdings erst einmal einen Dämpfer für die Wirtschaft geben. Wenngleich bisher nur wenige Dezemberdaten vorliegen, erwartet das Statistische Bundesamt für das Schlussquartal 2020 eine Stagnation der Wirtschaft. „Klar ist aber, dass der Erholungsprozess der deutschen Wirtschaft infolge der zweiten Infektionswelle unterbrochen ist. Für den Auftakt des laufenden Jahres zeichnet sich sogar eine rückläufige ökonomische Aktivität ab“, sagte Stefan Kooths, Direktor des Forschungszentrums Konjunktur und Wachstum am Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW).

Anders als noch bis Mitte Dezember, trifft der Lockdown nun auch den stationären Einzelhandel. Gestützt wird die Wirtschaft derzeit vor allem von der Industrie, die ihren Aufholprozess trotz Lockdown weiter fortsetzt. Im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühjahr sind die Produktion und der Export durch Grenzschließungen nicht beeinträchtigt. Insbesondere die starke Nachfrage aus China trägt zur Erholung bei.

Für das Gesamtjahr erwarten Ökonomen weiterhin ein Plus. Wie hoch dieses ausfallen wird, darüber herrscht allerdings Uneinigkeit. Von den führenden Wirtschaftsforschungsinstituten ist das IfW am pessimistischsten. Es rechnet mit einem Zuwachs der Wirtschaftsleistung um 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das Essener RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung erwartet hingegen einen Anstieg des BIP um 4,9 Prozent.

Auch Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) rechnet in diesem Jahr mit einem Aufschwung. Er sei überzeugt, dass das „Wachstum deutlich und spürbar sein wird“, wie er am Donnerstag mitteilte. Das Wachstum werde jedoch nicht so kräftig ausfallen wie noch im Herbst erwartet. Damals hatte die Bundesregierung für 2021 ein Plus von 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr prognostiziert. Der aktuelle Lockdown könne die Erholung nicht verhindern, aber gleichwohl verzögern, sagte Altmaier.

Ein zweites Konjunkturprogramm hält der Wirtschaftsminister nicht für nötig – trotz des immer längeren Lockdown in der Corona-Krise. Die Regierung habe 2020 ein 130 Milliarden Euro schweres Paket aufgelegt, aus dem Gelder teilweise erst 2021 wirksam würden, sagte Altmaier am Donnerstag in Berlin. „Deswegen glaube ich, dass Konjunkturprogramme klassischer Art, wie wir sie im letzten Jahr gemacht haben, im Augenblick nicht das Gebot der Stunde sind.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Junge, Svea
Svea Junge
Redakteurin in der Wirtschaft.
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