Konjunkturzahlen

Japans Wirtschaft wächst zum ersten Mal seit Oktober 2019

Von Patrick Welter, Tokio
Aktualisiert am 16.11.2020
 - 04:37
Geschäftigkeit in Tokio: Japans Wirtschaft wächst wieder.
Japan hat die Rezession hinter sich gelassen und wuchs im dritten Quartal um 5 Prozent. Die dritte Welle der Covid-Infektionen im Land belastet die Hoffnungen auf eine weitere Erholung.

Die japanische Wirtschaft wuchs im dritten Quartal des Jahres um 5 Prozent gegenüber dem Vorquartal und hat damit die schwerste Rezession in der Nachkriegszeit vorerst überwunden. Nach den vorläufigen Angaben des Kabinettsbüros stützte die wirtschaftliche Erholung im Zeitraum von Juli bis September sich weitgehend auf den wieder wachsenden Export und den privaten Konsum. Volkswirte erwarten, dass die Wirtschaft im aktuellen Jahresschlussquartal weiter wachsen wird. Im Unterschied zu den meisten anderen großen Industriestaaten war Japan schon im Oktober 2019 vor Covid in die Rezession gestürzt, nachdem die Regierung die Verbrauchsteuer von 8 auf 10 Prozentpunkte angehoben hatte.

Die erwartete weitere Erholung steht unter dem Vorzeichen und Risiko einer dritten Infektionswelle mit dem Coronavirus, die Japan in den vergangenen Tagen erreicht hat. Auf der nördlichen Hauptinsel Hokkaido, wo der Winter schon Einzug gehalten hat, erreicht die Zahl der Neuinfektionen Rekordwerte. Auch in den Ballungsräumen Tokio und Osaka steigen die Infektionszahlen rasant. Die Regierung hat bislang keine restriktiven Gegenmaßnahmen ergriffen, empfiehlt aber erhöhte Sorgfalt. Subventionen zur Förderung des inländischen Tourismus werden weiter gezahlt. Nach Umfragen planen aber viele Japaner, den üblichen Familienbesuch zur Jahreswende ausfallen zu lassen. Mit rund 118000 diagnostizierten Infektionen und der vergleichsweise geringen Zahl von zuletzt 1885 Covid-Toten steht Japan dennoch weit besser da als andere große Industriestaaten im Westen.

Obwohl Japans Wirtschaft zuletzt wieder wuchs, zeigen die Risiken der Pandemie für die Wirtschaft sich deutlich. Die privaten Investitionen schrumpften im dritten Quartal um 3,4 Prozent und damit den zweiten Monat nacheinander. Das Minus spiegelt die Unsicherheit in den Unternehmen wider.

Wichtigster Antriebsmotor der Konjunktur war im Zeitraum von Juli bis September der wieder aufblühende Export. Die Ausfuhr von Gütern und Dienstleistungen legte um 7 Prozent zu, nachdem sie im ersten Halbjahr als Folge der Anti-Corona-Restriktionen in drastisch geschrumpft war.

Das Wachstum im dritten Quartal wurde belastet durch die zweite Welle an Covid-Infektionen, die Japan im Juli und August traf. Diese zweite Welle überwand Japan mit nur minimalen Beschränkungen des öffentlichen Lebens. Der private Konsum erwies sich als Zugkraft und wuchs um 4,7 Prozent. Dabei halfen auch Subventionen der Regierung. Der Staatskonsum wuchs um 2,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal und belegt so die Bemühungen der Regierung, schuldenfinanziert die Wirtschaft mit zusätzlichen Ausgaben anzukurbeln.

Die Regierung hat die Konjunktur bislang mit zwei Nachtragshaushalt unterstützt. Der neue Ministerpräsident Yoshihide Suga plant ein weiteres Ausgabenpaket, das in diesen Wochen vorbereitet wird. Analysten wie Masamichi Adachi von der Investmentbank UBS erwarten, dass Regierung und Parlament bis zum Ende des Fiskaljahres im März 2021 weitere Ausgaben von mehr als 15 Billionen Yen (120 Milliarden Euro) oder 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts genehmigen werden.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Welter, Patrick
Patrick Welter
Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
FacebookTwitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot