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Portugal

Privatisierungen in Vorbereitung

Von Gerald Braunberger
 - 19:42

Portugal dürfte trotz der schwachen Verfassung der Aktienmärkte an den geplanten Verkäufen von Staatsbeteiligungen festhalten. Das ist aus Investmentbanken zu hören. Die Regierung strebt bis Ende 2013 den Verkauf einer Reihe von Unternehmensteilen oder auch kompletten Unternehmen an. Der Erlös aus diesen Verkäufen wird auf rund 8 Milliarden Euro geschätzt, ist aber von der künftigen Entwicklung der Unternehmen und der Börsenkurse abhängig.

Für mehrere Unternehmen existiert Interesse bei potentiellen ausländischen Bietern. Die Regierung in Lissabon sucht mithilfe von Investmentbanken aber auch aktiv nach Interessenten. So hat Premierminister Pedro Passos Coelho kürzlich öffentlich die Deutsche Lufthansa aufgefordert, einen Erwerb der Fluggesellschaft TAP Portugal zu prüfen. Bisher hat schon die Holdinggesellschaft IAG, unter deren Dach sich British Airways und Iberia befinden, Interesse gezeigt. TAP ist ein Nischenanbieter und wirtschaftlich nicht sehr potent, aber stark im Flugverkehr zwischen Portugal und Brasilien positioniert. Auch nach Afrika unterhält die Gesellschaft einige Verbindungen.

Noch für das laufende Jahr sind Verkäufe von Beteiligungen an dem international tätigen Versorger EDP und an dem kleineren Versorger REN geplant, die zusammen zwischen 2,5 und 3 Milliarden Euro erlösen könnten. Die beiden Unternehmen sind an der Börse notiert. Energias de Portugal (EDP) ist auch außerhalb seines Heimatmarkts tätig und kommt auf einen Börsenwert von 8,8 Milliarden Euro und ist damit hinter dem Öl- und Gasunternehmen GALP Energia das zweitgrößte portugiesische Unternehmen. Die Aktie der EDP hat sich in den vergangenen Monaten im Vergleich zum PSI-Index für den portugiesischen Markt gut entwickelt. Die zum Verkauf stehende Beteiligung des Staates ist aktuell etwas mehr als 2 Milliarden Euro wert. REN (Redes Energéticas) ist mit einem Börsenwert von gut einer Milliarde Euro deutlich kleiner. Während die EDP angesichts ihrer Größe und ihrer internationalen Ausrichtung das Interesse auch großer ausländischer Versorger auf sich ziehen könnte, dürfte REN am ehesten für einen Bieter in Frage kommen, der einen Fuß in den nicht allzu großen portugiesischen Markt bekommen möchte.

Interesse aus Angola und Brasilien

Die Aktionäre der EDP haben auf der Hauptversammlung vor wenigen Wochen das maximale Stimmrecht eines einzelnen Aktionärs von 5 auf 20 Prozent heraufgesetzt. Außerdem wird sich der Staat nicht nur von seinem Anteil von 20 Prozent trennen, sondern auch auf eine „Goldene Aktie“ verzichten, die ihm Mitspracherechte in strategischen Fragen gäbe. Nach den bisherigen Planungen sollen auch im kommenden Jahr und im Jahr 2013 ein paar Beteiligungen verkauft werden. Es finden sich darunter Gesellschaften, für die Interessenten zu finden sein sollten wie etwa das Finanzunternehmen CGD (Caixa Geral de Depositos) oder den Flughafenbetreiber Ana-Aeroportos. Ähnliches gilt für einen kleinen Versorger wie Aguas de Portugal (AdP). Post- und Bahnunternehmen sind dagegen häufig nicht leicht zu verkaufen.

Wie aus Banken zu hören ist, spielt auch die Herkunft der Bieter eine Rolle. So ist unter anderem angeblich Interesse aus Angola und Brasilien vorhanden – zwei frühere Kolonien, die schon lange selbständig sind, aber nach wie enge Beziehungen zum ehemaligen Mutterland unterhalten. Es scheint aber, dass brasilianisches Kapital in Lissabon willkommener ist als angolanisches. Das südwestafrikanische Land verfügt über Geld aus der Ölförderung und ist über eine staatliche Beteiligungsgesellschaft unter anderem mit 11,6 Prozent an der großen Filialbank Banco Comercial Portugus beteiligt.

Investmentbanker empfehlen zudem, die Rolle des Staatsfonds von Qatar in Südeuropa im Auge zu behalten. Der Fonds hat kürzlich einen Anteil von 2 Prozent am portugiesischen Versorger EDP übernommen und wird sich in Griechenland an dem aus der Fusion der Alphabnak und der EFG Eurobank entstehenden Institut beteiligen. Vor allem aber gilt Qatar als einer der wichtigsten Finanziers der libyschen Widerstandsbewegung. Unter dem früheren Staatschef Muammar al-Gaddafi hatte Libyen viel Geld in Italien investiert – in Staatsanleihen ebenso wie in Unternehmen. Es werde interessant sein zu sehen, ob Italien künftig auch Geld aus Qatar erhalten werde, heißt es am Finanzplatz Frankfurt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Braunberger, Gerald
Gerald Braunberger
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