Zentralbank verschärft Regeln

Wie schlecht geht es spanischen Banken wirklich?

Von Michael Psotta
27.05.2010
, 18:19
Die Sorgen über das spanische Bankensystem treiben die Finanzwelt seit Tagen um
Investoren zeigen sich zunehmend besorgt über die Lage in Spanien und ziehen Kapital ab. Sie glauben, dass die spanischen Bilanzierungsregeln verschleiern, wie stark die Banken von der Immobilienkrise betroffen sind.
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Die spanische Zentralbank Banco de España hat die Bewertungsvorschriften für Immobilienkredite überraschend verschärft. Künftig müssen Kredite, die 90 Tage lang nicht mehr bedient worden sind, innerhalb eines Jahres vollständig wertberichtigt werden. Bisher muss für derartige notleidende Kredite die notwendige Vorsorge stufenweise innerhalb von zwei bis sechs Jahren gebildet werden, je nach Art der Sicherheit und Status des Kreditnehmers (Furcht vor spanischen Bilanzlöchern). Damit ging Spanien einen Sonderweg. In Deutschland muss nach 90 Tagen, in denen ein Kredit nicht bedient wurde und der damit als notleidend gilt, sofort ausreichende Vorsorge in Absprache mit den Wirtschaftsprüfern getroffen werden. In anderen europäischen Ländern wird entsprechend verfahren.

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Auch wegen dieses spanischen Sonderweges haben sich Investoren zuletzt zunehmend irritiert gezeigt und Kapital aus Spanien abgezogen. Die Skepsis beruht auf der Vermutung, dass die bisherigen Bilanzierungsregeln die Folgen der seit zwei Jahren herrschenden Immobilienkrise nicht ausreichend abbilden, dass also die tatsächliche Lage der Banken verschleiert wird. In welchem Maß die neuen Bewertungsregeln die Ertragslage der spanischen Banken belasten wird, ist noch nicht genau abzusehen. Am Donnerstag entwickelten sich die Kurse der spanischen Privatbanken positiv, ebenso wie die der meisten europäischen Konkurrenten. Seit Jahresbeginn haben die Großbanken Santander und BBVA allerdings jeweils rund 30 Prozent ihres Börsenwertes verloren. Auch das kleinere, mit seinen niedrigen Kosten herausragende Institut Banco Popular, an dem der deutsche Allianz-Konzern mit 10 Prozent beteiligt ist, erlitt in diesem Zeitraum einen im europäischen Vergleich überdurchschnittlichen Kursrückgang von rund 20 Prozent. Vieles deutet auf ein grundsätzliches Misstrauen der Investoren hin. So hat BBVA nach Angaben des "Wall Street Journal" kürzlich vergeblich versucht, Geldmarktpapiere im Volumen von 1 Milliarde Dollar in den Vereinigten Staaten zu plazieren.

Die neuen Bewertungsrichtlinien zielen aus spanischer Sicht jedoch nicht auf die Großbanken, sondern auf die Sparkassen. Sie leiden besonders unter der heimischen Immobilienkrise, weil sie im Gegensatz zu den Privatbanken keine ausländischen Ertragsquellen besitzen, die die Geschäftslage stabilisieren könnten. Zudem werden sie überwiegend von der Regionalpolitik dominiert, so dass zahlreiche Kredite nicht ausschließlich nach ökonomischen Kriterien vergeben wurden.

Für Spanien ist die Schieflage zahlreicher Sparkassen eine große Herausforderung. Nach starker inländischer Expansion teilen sich die 45 Sparkassen den spanischen Markt mit den Privatbanken inzwischen immerhin etwa zur Hälfte. Die Institute Caja Castilla La Mancha und zuletzt Cajasur musste die Regierung schon stützen. Die Regierung und die Zentralbank, die die Bankenaufsicht innehat, drängen seit längerem auf Fusionen. Zuletzt gaben vier Sparkassen ihren Zusammenschluss bekannt, doch aus Madrider Sicht reicht dies bei weitem nicht Die Regierung strebt an, dass etwa 15 bis 20 Kassen übrigbleiben. Dem stehen bisher regionalpolitische Machtspiele entgegen, die schon mehrere Fusionen haben scheitern lassen. Mit den neuen Bewertungsregeln dürfte der Druck auf die Sparkassen nochmals zunehmen, weil im Insolvenzfall die staatliche Übernahme droht.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Psotta, Michael
Michael Psotta
Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Immobilienteil.
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