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Schlaue Datenwolken

Das alles kann die Cloud

Von Corinna Budras
 - 09:22

Was man in der Cloud alles anstellen kann, lässt sich am besten an Josie Pepper sehen. Die kleine Roboterdame ist gerade testweise am Münchner Flughafen unterwegs und beantwortet die Fragen der Reisenden – so gut es eben geht. Jeder, der Pepper schon einmal gesehen hat – bei ihrem Erfinder IBM, als Assistentin an der Universität in Marburg, gar auf dem Weihnachtsmarkt in Frankfurt –, weiß, dass Pepper noch lernen muss. Sprache erkennen und Kontexte verstehen ist schwieriger, als einfach nur Wissen abzurufen. Aber es geht voran.

Pepper ist auch deshalb so interessant, weil der Roboter nichts anderes ist als das maschinengewordene Ergebnis einer schlauen Datenwolke, der sogenannten Cloud – nur eben auf Rädern und mit niedlichen schwarzen Augen. Denn alles, was Pepper kann und noch lernen wird, trägt sie nicht etwa mit sich herum, wie es früher anständige Roboter taten. Sie ist über W-Lan mit der IBM-Cloud verbunden, einem von mehr als 60 Rechenzentren des Unternehmens auf der ganzen Welt. Dort wird alles Gesprochene verarbeitet, interpretiert und mit den Daten des Flughafens verknüpft. Josie spricht mit den Reisenden auf Englisch und greift dabei nicht etwa auf fertige Satzbausteine zurück, sondern geht individuell auf die Fragen ein, verspricht IBM. In der Cloud sind alle Daten gelagert, die Pepper so braucht, ebenso Watson, die Künstliche Intelligenz von IBM, die sich auf viele Anwendungen übertragen lässt.

Mehr als nur Datenlagerung

Die Cloud ist längst nicht mehr das, was sie einmal war. Gestartet ist sie als eine Art riesige Lagerhalle für Daten aller Art, aber anders als der wolkige Name suggeriert, befindet sich die nicht etwa in luftigen Höhen, sondern in großen, teuren Rechenzentren überall auf der Welt. Besonders der Internetkonzern Amazon hat über seine Tochtergesellschaft Amazon Web Services (AWS) in den vergangenen zehn Jahren davon profitiert. AWS knöpft seinen Kunden viel Geld dafür ab, dass diese ihre Daten nicht mehr in Kellern auf eigenen Servern lagern, sondern in seine große, moderne Rechenfarmen schieben.

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Ein cooler Roboter
Jeder liebt Pepper

Doch allein die Lagerung reicht nicht mehr aus. Inzwischen wird sie mit allerhand Diensten garniert: Software, Applikationen, auch Künstliche Intelligenz können die Kunden nun buchen. Sie machen die Daten der Unternehmen noch besser, noch nützlicher. Das ist in etwa so, als könnte man in einer großen Garage nicht nur seine teure Harley Davidson unterstellen, sondern sie gleichzeitig auch noch tunen lassen. „Die Cloud erlebt derzeit eine Transformation“, so formuliert es Paul-Henri Ferrand, verantwortlich für den Vertrieb von Google Cloud. „Bis vor zwei Jahren war die Cloud nichts anderes als eine Art Lagerhaus. Jetzt wird sie smart.“

Umsatz lässt sich noch steigern

Das macht aus einem soliden Geschäftsmodell einen riesigen Markt, den inzwischen viele erobern möchten. Einer Umfrage des Branchenverbands Bitkom zufolge verwenden 65 Prozent der befragten Unternehmen Software, Speicher oder Rechenleistung aus der Wolke, weitere 18 Prozent diskutieren oder planen den Einsatz. Die Vorteile für die Unternehmen liegen auf der Hand: Sie brauchen kein eigenes Rechenzentrum mehr und müssen sich zudem nicht um Software oder den neusten Virenschutz kümmern. Auch zusätzliche Rechenleistung ist kein Problem mehr. Der Kunde kann sich Erweiterungen dazubuchen oder Kapazitäten abbauen, ganz wie er es gerade braucht. Abrechnet wird das, was auch genutzt wird. Das kann enorme Kosten sparen.

In den vergangenen Jahren hat sich also eine Menge getan, aber die Entwicklung lässt noch Luft nach oben: Prognosen zufolge lässt sich der Umsatz im Cloud Computing in Deutschland von 8,8 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf mehr als 31,5 Milliarden Euro im Jahr 2020 steigern.

Außerdem ist das Geschäft im Fluss, schließlich kann man mit seinen Daten auch umziehen und das Angebot nutzen, das die meisten Vorteile verspricht. Derzeit gibt es vor allem vier Unternehmen, die um den Markt kämpfen. Neben dem Marktführer Amazon mit einem Marktanteil von 34 Prozent auch Microsoft (11 Prozent), IBM (8 Prozent) und Google (5 Prozent).

Google startet ins Cloud-Geschäft

Besonders viel Ehrgeiz legen dabei Google und IBM an dem Tag, schließlich haben sie neben den Rechnerfarmen auch noch viel Knowhow zu bieten. Der Computerhersteller IBM hat im vergangenen Jahr 17 Milliarden Dollar (13,8 Milliarden Euro) Umsatz mit dem Cloud-Geschäft gemacht und dabei ein Wachstum von 24 Prozent verzeichnet. Inzwischen macht das Geschäft 21 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Vor allem die intelligente Watson-Technologie soll das Angebot attraktiver machen: Unternehmen, die ihre Daten in der IBM-Cloud speichern, können zum Beispiel auch die Spracherkennung für ihre Dienste nutzen, so wie es Josie Pepper gerade am Münchner Flughafen vormacht.

Noch überschwänglicher treibt Google sein Marketing voran. Gerade war der Cloud-Vertriebschef Ferrand auf Werbetour in Deutschland, um potentiellen Kunden die neue Mischung von Lagerhalle und intelligentem Tuning schmackhaft zu machen. Dabei ist Google erstaunlich spät dran mit seiner Cloud. Lange Zeit hat der Internetkonzern das Feld anderen überlassen, aber nun rüstet auch er auf. Im vergangenen Jahr hat er sein Cloud-Geschäft in Deutschland offiziell eröffnet – nicht etwa zu spät, sondern gerade rechtzeitig, so sieht man das bei Google. Denn jetzt sei die Technologie so weit, um mit all den smarten Anwendungen den Markt neu aufzuteilen. Und niemand sitze auf einem größeren Schatz von Daten und kenne sich besser aus mit deren Analyse als Google, schwärmt Ferrand.

Der Konzern forscht schon seit Jahren an der Künstlichen Intelligenz, genauer am „maschinellen Lernen“, und nutzt die Technologie in allen seinen Google-Diensten. Sie sortiert Fotos nach Gesichtern und Ereignissen und filtert im E-Mail-Dienst Gmail die Spam-Mails. Davon profitieren auch die Kunden, sagt Ferrand. Airbus zum Beispiel nutze Googles Künstliche Intelligenz, um seine Satellitenbilder systematisch zu analysieren. Auch mit der Cloud selbst habe man schon lange Erfahrungen gesammelt. „Googles Dienste basieren komplett auf der Cloud“, sagt Ferrand. „Wir tun seit zwanzig Jahren nichts anders.“

Datenschutz für die Kunden

Dabei ist Cloud-Computing ein delikates Geschäft. In Zeiten von massiven Hackerattacken müssen den Kunden lückenlose Sicherheitspakete geboten werden. Nicht nur von innen, auch von außen werden diese Rechenzentren deshalb inzwischen wie Hochsicherheitstrakte geschützt. Auch der Datenschutz wird immer wichtiger, zumal Ende Mai die europäische Datenschutzgrundverordnung in Kraft tritt. Google weiß, dass es als amerikanisches Unternehmen da gewisse Vorbehalte bei deutschen Kunden überwinden muss, die um ihre Daten fürchten. Ferrand versichert deshalb, dass man bestens auf die neuen Regeln vorbereitet sei und sie vollständig umsetzen werde.

Wettbewerber IBM spielt dagegen gleich die regionale Karte und verspricht seinen Kunden, die Daten nur in Deutschland zu speichern, wenn sie dies denn ausdrücklich wünschten. Schließlich ist Vertrauen in diesem Geschäft alles – sonst landen die Daten womöglich doch irgendwann wieder im Keller.

Quelle: F.A.Z.
Corinna Budras
Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.
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