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Künstliche Intelligenz

„Selbst Finnland ist bereits erheblich weiter“

Von Alexander Armbruster
 - 09:49

Kurz bevor Angela Merkel am Dienstag zum Spitzentreffen für Künstliche Intelligenz (KI) ins Kanzleramt lädt, mahnen Fachleute an, dass Deutschland in diesem Bereich wesentlich mehr tun müsse. „Es ist höchste Zeit, dass die Bundesregierung endlich eine KI-Strategie vorlegt“, sagt Stefan Heumann, Vorstand der Denkfabrik „Stiftung Neue Verantwortung“ (SNV) in Berlin: „Andere Länder wie Frankreich, China oder selbst Finnland sind bereits erheblich weiter.“ Der Bundesregierung wirft er vor, zu langsam zu sein. „Es ist auch zu befürchten, dass sie sich auf einzelne Forschungsförderungen beschränkt und wenig Konkretes in die Wege leitet.“

Mit anderen Fachleuten, darunter dem Direktor des Max-Planck-Instituts für Innovation und Wettbewerb in München, Dietmar Harhoff, hat Heumann ein KI-Konzept für Deutschland erdacht, das der F.A.Z. vorab vorliegt. „Künstliche Intelligenz ist die Schlüsseltechnologie der Digitalisierung“, heißt es darin. Nur mit Hilfe der dahinterstehenden Methoden ließen sich die wachsenden Datenmengen analysieren, verarbeiten und produktiv nutzen, mahnen die Forscher.

Größere Energieeffizienz, bessere medizinische Versorgung und Logistik, Verwaltung und Sicherheitsbehörden nennen sie als Beispiele für Bereiche, die durch den Einsatz immer kompetenterer Computerprogramme deutlich verbessert werden könnten. Zugleich warnen Heumann und seine Mitautoren davor, die großen Hoffnungen in diese Technologie als Hype abzutun.

Peking hat bereits vorgelegt

Große Tech-Konzerne wie Alphabet (Google), Facebook, Amazon oder ihre chinesischen Wettbewerber Alibaba, Baidu und Tencent geben viel Geld aus für neue Rechenleistung und konkurrieren rund um den Globus um Spitzenleute. Die Führung in Peking hat für Schlagzeilen gesorgt, als sie im vergangenen Sommer eine nationale KI-Strategie vorgestellt hat, die aus dem Reich der Mitte bis zum Jahr 2030 die führende KI-Nation des Planeten machen soll.

„Wir wollen der Debatte dringend benötigte Impulse geben, wie wir in Deutschland ein starkes und international wettbewerbsfähiges KI-Ökosystem aufbauen und fördern können“, sagt SNV-Experte Heumann. Wo Deutschland international steht, hat jüngst der Unternehmer und Wagniskapitalgeber Fabian Westerheide ermittelt, indem er mit Mitarbeitern der Unternehmensberatung Roland Berger Tausende KI-Unternehmen untersuchte und zu dem Befund kam, dass 40 Prozent der relevanten KI-Unternehmen in den Vereinigten Staaten beheimatet sind, jeweils 11 Prozent in China und Israel und merklich abgeschlagen erst Großbritannien und anschließend Deutschland und Frankreich folgen.

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Künstliche Intelligenz
Wo muss investiert werden?

Industrie auch in der Pflicht

„Wir sitzen zwischen zwei Riesen, die daran arbeiten mit großem Einsatz“, sagte Westerheide. „In einem starken KI-Ökosystem spielen gerade Start-ups als Brücke zwischen universitärer Forschung und kommerzieller Anwendung eine zentrale Rolle und müssen gezielt gefördert werden“, mahnt Rasmus Rothe, der das Softwareunternehmen Merantix in Berlin gegründet hat.

„Hier ist nicht nur die Politik gefordert, mehr für Forschung auszugeben. Auch die deutsche Industrie muss hier mehr Kompetenzen aufbauen und in KI investieren“, fordert Gabriel Matuschka, Partner der Wagniskapitalgesellschaft „Fly Ventures“.

Brain Drain in die Vereinigten Staaten

Neben der Verknüpfung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sorgt Fachleute auch, dass Europa im akademischen Bereich den Anschluss verlieren könnte. Führende Forscher, die sich mit dem angesagten maschinellen Lernen beschäftigen, riefen dazu auf, einen Forschungsverbund zu gründen („Ellis“), der eine komplette Wissenschaftskarriere auf höchstem Niveau ermöglichen soll.

„Genauso wie die Entwicklung robuster und leistungsfähiger Motoren entscheidend für die Autoindustrie war, wird der Fortschritt des maschinellen Lernens entscheidend für die KI-Industrie sein“, sagt Matthias Bethge, Neurowissenschaftler an der Universität Tübingen, der F.A.Z.

Doch es ist schwer, gute Leute zu halten. „Der Brain Drain findet statt: Die Leute gehen in die Vereinigten Staaten, weil sie dort riesige Gehälter bekommen und eine tolle Umgebung für Wissenschaftler“, sagt Gerhard Lakemeyer, Präsident der europäischen KI-Forschervereinigung EurAI. Er schlägt ein „CERN für KI“ vor analog zum gleichnamigen Spitzenlabor für Kernphysiker in Genf, an dem gut 20 europäische Staaten beteiligt sind.

Quelle: F.A.Z.
Alexander Armbruster
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.
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