<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
KI-Fachmann Schölkopf

Der Mann, der Computern das Lernen beibringt

Von Alexander Armbruster, Tübingen
 - 13:15
Hoher Besuch am Institut von Bernhard Schölkopf in Tübingen: Gerade war EU-Kommissarin Margrethe Vestager da, um sich über KI zu informieren.

Zurückhaltend, ruhig, besonnen – der am häufigsten zitierte deutsche Informatiker steht nicht gerne im Mittelpunkt. Dabei ist seine Expertise gerade gegenwärtig gefragt: Bernhard Schölkopf gehört zu den renommiertesten Wissenschaftlern in der Künstlichen Intelligenz (KI), welche die Bundesrepublik aufzubieten hat. Er ist Direktor am Max-Planck-Institut für intelligente Systeme in Tübingen, seine Domäne ist das maschinelle Lernen, also jener Teilbereich der KI, in den etwa die spektakulären Erfolge von Computerprogrammen in der jüngeren Vergangenheit im Schach, Go oder Pokern fallen – die heute gewaltigen verfügbaren Datenmengen und immer schnelleren Rechner machen das möglich.

Schölkopf wurde für seine Forschungsleistung schon mehrfach ausgezeichnet, etwa mit dem Leibniz-Preis, dem Körber-Preis und zuletzt mit einem Forschungspreis der BBVA Foundation. Kürzlich stand der 52 Jahre alte Ausnahmeinformatiker abermals in jenem Rampenlicht, das er lieber meidet. Nur einen Tag, nachdem sie die neue Digitalagenda für Europa vorgestellt hatte, besuchte die stellvertretende EU-Kommissionspräsidentin Margrethe Vestager das Forschungslabor im „Ländle“, mit dabei der Baden-Württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

Vestager wollte von Schölkopf wissen, wie gut Europa in der KI-Forschung aufgestellt ist, und das mündet in diesen Tagen vornehmlich in die Frage: Wie konkurrenzfähig ist Europa verglichen mit den Vereinigten Staaten und China, die darum konkurrieren, in dieser Schlüsseltechnologie die Nase vorne zu haben.

„Deutschland wird von einer Physikerin regiert“

In der Grundlagenforschung, sagt Schölkopf darauf immer wieder, brauche sich Europa traditionell nicht zu verstecken. Doch tatsächlich müsse der Kontinent nun deutlich mehr tun, wenn amerikanische oder chinesische Technologie-Unternehmen oder Spitzen-Universitäten nicht weiterhin viele der klügsten KI-Köpfe abwerben sollen. Er selbst ist deshalb schon aktiv geworden und hat mit Kollegen ein Forschungsnetzwerk namens Ellis gegründet, die Abkürzung steht für European Lab for Learning and Intelligent Systems.

Schölkopf und seine Mitstreiter wollen gerade hochtalentierten Informatikern, die etwa nach ihrer Promotion eine akademische Karriere anstreben, in Europa ein wettbewerbsfähiges Umfeld bieten – mit viel Freiraum für Forschung, aber auch der Möglichkeit, mit potenten Unternehmen zusammen zu arbeiten oder selbst Unternehmer zu werden, so wie das im angelsächsischen Raum nicht selten der Fall ist. Auf mehr Unterstützung auch vom Staat hofft er dabei durchaus: „Deutschland wird von einer Physikerin regiert, und das Thema KI wird in Berlin inzwischen als zentral angesehen. Darin steckt eine Chance, und wir hoffen, dass die Entwicklung der künstlichen Intelligenz in Deutschland und Europa nun an Dynamik gewinnt. Ellis ist bereit, in der Umsetzung zu helfen.“

Schölkopf selbst, der zunächst Physik, Mathematik und Philosophie studierte in sich in Informatik promovierte, wechselte in seiner Laufbahn mehrfach den Arbeitgeber: Er verfügt über umfangreiche Erfahrungen auch in der privaten Wirtschaft, forschte beispielsweise in den Bell Laboratories in Amerika, für Microsoft, für Biowulf Technologies und für Amazon – einen Teil seiner Zeit arbeitet er nach wie vor für den Internet-Händler. Schölkopf half übrigens ebenfalls mit, Daten eines Nasa-Satelitten zu verarbeiten, wodurch 21 extrasolare Planeten entdeckt wurden, einer sogar mit einer Atmosphäre.

Zugleich mahnt Schölkopf immer wieder an, die Erwartungen in die KI zumindest in der kurzen Frist nicht zu übertreiben. „Wir sind extrem weit davon entfernt sind, dass eine Maschine intelligenter ist als ein Mensch“, sagt er und fügt hinzu: „Das Interessante an unserer Intelligenz ist, dass wir Go spielen können und dann vom Tisch aufstehen und Essen machen können, was eine Maschine nicht kann.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Armbruster, Alexander (ala.)
Alexander Armbruster
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.
Twitter
  Zur Startseite
Ähnliche ThemenEuropaMargrethe VestagerEuropäische UnionKünstliche IntelligenzMax-Planck-InstitutDeutschlandBBVAAkademie der Wissenschaften

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.