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Mayers Weltwirtschaft

Freiheit für die Anleger!

Von Thomas Mayer
 - 18:36
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Die aktuelle Debatte bietet die historische Chance, die deutsche Klimapolitik von einer kleinteiligen, teuren und ineffizienten Vorgehensweise auf ein System umzustellen, in dessen Zentrum die Bepreisung von Treibhausgasemissionen steht“, schreiben die fünf „Wirtschaftsweisen“ in ihrem jüngst veröffentlichten Aufruf zu einer neuen Klimapolitik. „Endlich!“, möchte man rufen. Denn, so schreiben sie weiter, die deutsche Klimapolitik war „bisher von unterschiedlichen kleinteiligen Zielen und Aktionsplänen sowie klimapolitisch unsystematischen Steuern und Abgaben gekennzeichnet“. Und sie war ineffektiv, denn die selbstgesteckten Ziele wurden nicht erreicht.

Mit einer Steuer auf den Ausstoß von Kohlendioxid, dem Verkauf von handelbaren Emissionszertifikaten, oder – was wohl am besten wäre – dem Verkauf von handelbaren Emissionszertifikaten zu kontinuierlich steigenden Mindest- und Höchstpreisen, könnten die Klimaziele endlich auf effektive und wirtschaftlich effiziente Weise angestrebt werden. Sollte man meinen. Aber dem ist nicht so. Aus Angst vor der Wahrheit, dass Klimaschutz teuer ist, suchen die Politiker das Heil in der Alchemie. Auf europäischer Ebene sind die Finanzalchemisten unterwegs.

Aktionsplan der EU vom März 2018

Im März 2018 erstellte die Europäische Kommission einen Aktionsplan für nachhaltige Finanzen mit dem Ziel, Kapital für die Klimapolitik zu mobilisieren. Vize-Präsident Valdis Dombrovskis erklärte, dass man den Finanzsektor benötige, um eine jährliche Finanzierungslücke von 180 Milliarden Euro zur Erreichung der Klimaziele zu schließen. Und um zu bestimmen, was denn nachhaltig ist, sollte eine „Taxonomie“ entwickelt werden, mit der Investitionen nach dem Kriterium der Nachhaltigkeit bewertet werden können. Im Juni dieses Jahres hat nun eine von der EU-Kommission beauftragte Expertengruppe eine solche Taxonomie vorgelegt. Sie soll Investoren zeigen, wie sie ihr Kapital „nachhaltig“ anlegen können, und der Etikettierung nachhaltiger Anlagestrategien dienen. Auf 414 Seiten definiert die Taxonomie en détail, welche Wirtschaftsaktivitäten als nachhaltig im Hinblick auf den Klimaschutz betrachtet werden sollen. Damit ebnet sie den Weg zur staatlichen Investitionslenkung, jetzt noch durch den erhobenen Zeigefinger, in Zukunft vermutlich durch verbindliche Regulierung. Das stellt mich vor ein Problem.

Als CFA-Charterholder und Mitglied des CFA Institute, eines globalen Berufsverbands im Finanzbereich, habe ich mich verpflichtet, die Interessen von Kunden vor meine eigenen Interessen zu stellen, Finanzanalysen mit der gebotenen Sorgfalt durchzuführen und Empfehlungen nur auf Grundlage eines unabhängigen und professionellen Urteils abzugeben. Bei der Beurteilung der Rentabilität einer Investition muss ich selbstverständlich die geltenden rechtlichen Rahmenbedingungen, die gesellschaftlichen Wertvorstellungen sowie die Fähigkeit und Integrität des Managements von Unternehmungen berücksichtigen. Steigende Kosten für die Emission von Kohlendioxid sind daher ebenso integraler Bestand jeder Investitionsrechnung wie die soziale Akzeptanz von Produkten und Geschäftspraktiken von Unternehmen. Wer wegen hoher Kosten aufgrund seines Ausstoßes von Kohlendioxid geringe Gewinne einfährt, wer gesellschaftlich geächtete Produkte herstellt oder wer im permanenten Streit mit seinen Mitarbeitern wirtschaftet, dürfte kaum in der Lage sein, Anlegern eine nachhaltige Rendite zu bieten.

Analysten und Investoren sollten selbst urteilen dürfen

Aber es ist die Aufgabe des Analysten oder Investors, Anlagemöglichkeiten in dieser Hinsicht gründlich zu prüfen. Die von einer Expertengruppe ausgearbeitete Checkliste kann dafür kein Ersatz sein, zumal die Expertengruppe diese Liste unter politischen Aspekten zusammengestellt hat. Ich würde meinen Pflichten nicht nachkommen, wenn ich meine Empfehlungen statt auf der Grundlage eigener Analyse und eines unabhängigen Urteils nach Vorgaben der Taxonomie abgeben würde.

Es ist die Aufgabe des Staates, der Wirtschaft einen Ordnungsrahmen zu geben, der gesellschaftliche Wertvorstellungen widerspiegelt. Dazu kann die Bepreisung der Emission von Kohlendioxid gehören. Unternehmen und Anleger können die Kostenbelastung in ihren Kalkulationen berücksichtigen und knappe Ressourcen so einsetzen, dass sie effizient verwendet werden. Über diese vom Staat vorgegebenen Rahmenbedingungen hinausgehende sektorale Ziele oder Grenzwerte für den Kohlendioxidausstoß sind nicht nur überflüssig, sondern kontraproduktiv. Sie führen zu ineffizientem Ressourceneinsatz und Wohlstandsverlusten. Das gilt in gleichem Maße für die in eine Taxonomie verpackte staatliche Investitionslenkung.

Thomas Mayer ist Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute und Professor an der Universität Witten/Herdecke.

Quelle: F.A.S.
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