Kinderpornographie im Netz

Briten drohen Internetriesen mit Sanktionen

Von Marcus Theurer, London
04.09.2018
, 09:50
Viele sind aufgerufen, gegen Verbrechen im Internet vorzugehen.
Innenminister Sajid Javid wirft Konzernen wie Facebook und Apple vor, zu wenig gegen den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen zu unternehmen.

Die britische Regierung erhöht den Druck auf die großen Internetkonzerne, mehr gegen digitale Kinderpornographie zu unternehmen. „Ich bitte nicht nur um Veränderungen, ich verlange sie“, sagte Innenminister Sajid Javid in einer Rede in London.

Explizit nannte er die amerikanischen Unternehmen Apple, Facebook, Google und Microsoft. Diese hätten „beeindruckende Fortschritte“ gemacht im Kampf gegen die Verbreitung terroristischer Inhalte im Netz.

„Jetzt will ich dasselbe Engagement von diesen Unternehmen und anderen im Bereich der sexuellen Ausbeutung von Kindern sehen“, sagte der Politiker. „Diese Bedrohung hat sich sehr viel schneller entwickelt als die Branche darauf reagiert hat“, kritisierte Javid.

„Null Toleranz“

Es ist das zweite Mal binnen weniger Tage, dass ein britisches Regierungsmitglied die Internetriesen attackiert: In der vergangenen Woche hat bereits Außenminister Jeremy Hunt Google vorgeworfen, mit dem Thema Kinderpornographie zu lax umzugehen – zugleich aber erwäge der Konzern aus kommerziellen Gründen Zensurforderungen in China nachzukommen. Google sei nicht bereit, mit den Behörden in Großbritannien und anderen Ländern „zu kooperieren“, beklagte der Außenminister.

Der Innenminister drohte den Unternehmen nun mit gesetzlichen Maßnahmen, wenn sie nicht freiwillig mehr gegen den sexuellen Missbrauch Minderjähriger im Netz unternähmen. „Wenn die Internetriesen nicht mehr Maßnahmen ergreifen um diese Art von Inhalten von ihren Plattformen zu entfernen, dann werde ich nicht zögern, zu handeln“, sagte er. Der Politiker ließ offen, welche Sanktionen den Konzernen drohen könnten, kündigte jedoch einen Regierungsentwurf dazu an.

Facebook, Google und Microsoft reagierten auf die Vorwürfe, indem sie betonten, sie nähmen das Problem ernst. Von Facebook, dem mitgliederstärksten sozialen Netzwerk der Welt, hieß es, man arbeite schon heute eng mit Fachleuten, der Polizei und anderen Unternehmen zusammen, um den digitalen Kindesmissbrauch zu bekämpfen.

Google unterstrich, es gebe bei diesem Thema „Null Toleranz“. Der Konzern hat praktisch zeitgleich mit der Rede des britischen Innenministers eine Software vorgestellt, die mittels künstlicher Intelligenz helfen soll, Kinderpornographie im Netz besser aufzuspüren.

Quelle: FAZ.NET
Marcus Theurer - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Marcus Theurer
Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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