Umfrage zur Pandemie

51 Prozent befürworten Beschränkung von Grundrechten

27.10.2020
, 15:41
Unter den Deutschen überwiegt die Furcht vor einer Corona-Erkrankung die Sorge vor wirtschaftlichen Problemen. Zudem sind ihnen seit dem Frühjahr einige Dinge wichtiger geworden – zumindest laut einer Umfrage.

Eine Mehrheit von 51 Prozent der Deutschen wäre zu weiteren Einschränkungen ihrer Grundrechte bereit, wenn es die Eindämmung der Pandemie erfordert. Und ganz grundsätzlich fühlt sich nur jeder sechste Bürger von der Gesamtzahl der seit März ergriffenen Corona-Einschränkungen „zu sehr beschränkt“ in seinen Grundrechten.

Das ist Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die Manfred Kirchgeorg von der Leipzig Graduate School of Management Mitte September durchgeführt hat. Er befragte dafür 2160 Bürger in Deutschland.

Die Sorge vor einer Corona-Erkrankung überwiegt demnach die Sorge vor wirtschaftlichen Problemen. Mit 39 zu 26 Prozent ist das Stimmungsbild allerdings nicht eindeutig; die übrigen 35 Prozent machen sich laut der Umfrage keine Sorgen.

Auch ist keine absolute, sondern nur eine relative Mehrheit der Befragten mit den Corona-Maßnahmen der Politik zufrieden. So beurteilen sie 46 Prozent als „genau richtig“, das ist weniger als etwa im jüngsten Politikbarometer des ZDF. 28 Prozent halten die Maßnahmen für „zu restriktiv“, 26 Prozent für „nicht ausreichend“.

Etwas klarer ist das Stimmungsbild hinsichtlich des Zeitpunkts, zu dem das öffentliche Leben bislang eingeschränkt wurde: 11 Prozent sagen „zu früh“, 37 Prozent „richtig“ – und 53 Prozent „zu spät“.

Zwischenmenschliche Beziehungen wichtiger geworden

Konkreter nach der Angemessenheit der einzelnen Maßnahmen gefragt, genießt das Homeoffice unter den befragten Bürgern den größten Rückhalt; Mehrfachnennungen waren bei dieser Frage möglich. 82 Prozent können der forcierten Verlagerung der Arbeit vom Büro in die eigenen vier Wände etwas abgewinnen. Es folgen die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, was 75 Prozent für angemessen halten, und die beispielsweise während der Einreise aus einem Risikogebiet erforderliche Quarantäne (74 Prozent).

An vierter Stelle steht die Freistellung von der Arbeit respektive bezahlter Urlaub (59 Prozent Zustimmung). Eine leichte Mehrheit von knapp mehr als 50 Prozent gibt es schließlich noch für Kurzarbeit und Hausunterricht.

Seit Beginn der Pandemie wichtiger geworden sind den Menschen, schenkt man der der Umfrage Glauben, zwischenmenschliche Beziehungen. Das sagen 35 Prozent der Befragten. Auch an Bedeutung gewonnen haben demnach das intensive Familienleben (32 Prozent), die finanzielle Sicherheit (29 Prozent) und Ruhe und Entspannung (28 Prozent).

„In den Köpfen der Bürger hat sich was getan“, meint der Leipziger Marketingprofessor Kirchgeorg. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die Menschen wieder bewusster mit ihrem Leben in diesen schwierigen Zeiten auseinandergesetzt hätten – auch wenn noch abzuwarten bleiben, inwieweit hieraus auch Verhaltensänderungen resultieren. Kirchgeorg sagt: „Anstelle durch den Alltag zu hetzen, schaffte der Lockdown notgedrungen wieder Zeit, um darüber nachzudenken, was einem im Leben wirklich wichtig ist.“

Quelle: niza.
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