Französischer Konzern Naval

U-Boot-Programm mit neuem Chef

Von Christoph Hein, Singapur
Aktualisiert am 27.11.2020
 - 09:43
Unruhiges Gewässer in Australiens Verteidigungspolitik.
Weiter herrscht Unruhe um den größten Verteidigungsauftrag in der australischen Geschichte. Nun soll ein neuer Manager vermitteln.

Der Stuhl, auf dem er in Adelaide saß, war heiß. Nun wurde er weggezogen, angeblich von der australischen Regierung: Jean-Michel Billig, Spitzenmanager der französischen Naval Group, gibt seine Verantwortung für den größten Verteidigungsauftrag in Australiens Geschichte nach nur drei Jahren ab.

Im Gespräch mit dieser Zeitung hatte Billig Australien als „extrem fordernden Auftraggeber“ bezeichnet und mit Blick auf den Bau der zwölf Unterseeboote gesagt: „Wir sind für viele Jahrzehnte hier, mindestens bis 2080 oder 2090.“

Nach Konzernangaben geht Billig auf eigenen Wunsch, nachdem die erste Phase des Projektes abgeschlossen sei. Unter ihm war das Programm aber nie zur Ruhe gekommen.

Australiens Industrie hofft

Dabei geht es nicht nur um die Eignung der Boote, um deren Bau sich auch Thyssen-Krupp beworben hatte. Vor allem geht es um die Einbindung der australischen Industrie in das Programm und enorme Kosten. So hatte die Regierung, wie nun zutage tritt, wohl nicht immer mit offenen Karten gespielt. Inzwischen soll das Gesamtprogramm 90 Milliarden australische Dollar (55,7 Milliarden Euro) kosten, obwohl lange von 50 Milliarden australischen Dollar die Rede gewesen war.

Die Opposition will jetzt den Generalrechnungsprüfer einschalten, um die Angaben untersuchen zu lassen. Das in der Öffentlichkeit ausgetragene Tauziehen um Boote und Programm belastete den Ruf von Naval zunehmend und damit die Bewerbung um künftige Großaufträge, etwa aus den Niederlanden.

Am Donnerstag eröffnete Naval ein Büro in der philippinischen Hauptstadt Manila. Für Billig schicken die Australier aber nun einen alten Fahrensmann in den Verwaltungsrat der Naval Group Australia: David Andrew Peever hatte das Australien-Geschäft des Bodenschatzriesen Rio Tinto geführt und damit an der sensiblen Nahtstelle zwischen Wirtschaft und Politik gearbeitet.

Auch Chris Jenkins, der Vorstandschef des australischen Ablegers des französischen Rüstungsunternehmens Thales, solle in den Rat nachrücken, berichtet die „Australian Financial Review“. Jenkins wird zugetraut, die hohen kulturellen Hürden zwischen Franzosen und Australiern abzuräumen. Thales hält auch einen Anteil am Staatskonzern Naval.

Die australische Industrie hofft weiter darauf, mindestens 60 Prozent des Auftragsvolumens zu ergattern. Um Teilaufträge in Höhe von 900 Millionen australischen Dollar haben sich 124 Firmen beworben. Weitere 1964 haben ihr Interesse an einer Teilnahme am Bauprogramm ausgedrückt.

Quelle: F.A.Z.
 Hein_Christoph_Autorenportraits
Christoph Hein
Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot