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Foto: dpa, Grafik: Bernd Helfert
Schneller Schlau

Einbrecher meiden die Dunkelheit

Von GUSTAV THEILEN, Grafiken: BERND HELFERT · 13.01.2020

Auch wenn die Zahlen zurückgegangen sind, werden immer noch jeden Tag durchschnittlich 270 Einbrüche begangen. Besonders gerne steigen die Diebe am Nachmittag ein.

Die Erfahrung ist für die Betroffenen häufig traumatisch. Nach einem Einbruch fühlt man sich in der eigenen Wohnung oder im eigenen Haus nicht mehr sicher. Die psychischen Folgen sind häufig viel schwerwiegender als die finanziellen. Plötzlich fürchtet man sich davor, die Wohnungstür aufzuschließen, weil man Angst hat, dass schon wieder Einbrecher da sind, denen man begegnen könnte. Oder man trifft Sicherheitsvorkehrungen, die man früher neurotisch gefunden hätte, schließt zum Beispiel das Schlafzimmer ab, wenn man schlafen geht.

Zum Glück gehen die Einbruchszahlen seit einigen Jahren deutlich zurück. Ab dem Jahr 2006 war die Zahl der Einbrüche nämlich dramatisch angestiegen, um etwa zwei Drittel innerhalb von knapp zehn Jahren bis ins Jahr 2015. Davor hatte es einen langen und recht kontinuierlichen Rückgang gegeben. Den Anstieg führten viele vor allem auf die Erweiterung der EU nach Osten in den Jahren 2004 und 2007 zurück.

Zwischen dem Jahr 2015 und 2018 ist die Zahl jedoch wieder deutlich zurückgegangen und liegt inzwischen sogar unter dem Niveau von 2006. Dennoch werden immer noch jeden Tag durchschnittlich etwa 270 Einbrüche begangen.

Ein Blick auf die Nationalität der Einbrecher zeigt, dass Menschen mit einer ausländischen deutlich überrepräsentiert sind im Vergleich zur Gesamtbevölkerung. Knapp 40 Prozent der von der Polizei ermittelten Tatverdächtigen hatte keinen deutschen Pass. Das ist ein weiterer Hinweis darauf, dass die Osterweiterung der EU tatsächlich eine der Ursachen für den Anstieg der Einbrüche war, zumal nur ein kleiner Teil der nichtdeutschen Einbrecher Zuwanderer waren. Stattdessen dürfte es sich vor allem um die Einbrüche nach Deutschland reisender Banden handeln.

Allerdings sind die Deutschen unter den ermittelten Tatverdächtigen immer noch in der Mehrheit. Die Zahlen geben aber keinen Aufschluss darüber, wie viele Einbrüche von welcher Gruppe verübt wurden und ob Deutsche eher erwischt werden, weil sie im Land wohnen und damit leichter gefunden werden können oder beispielsweise seltener bandenmäßig organisiert und damit weniger professionell sind. Das Gegenteil ist allerdings genauso denkbar.

Die meisten Einbrüche werden laut Bundeskriminalamt in der Nähe von Schnellstraßen und in Grenznähe verübt, was die Flucht ins Ausland erleichtert. Auf der Karte erkennt man eine Konzentration in den östlichen Bundesländern und ganz im Westen. Das sind Informationen, die für manche bei der Wohnortwahl durchaus eine Rolle spielen dürften, schließlich sind die Unterschiede beachtlich. In einigen Landkreisen gibt es kaum Einbrüche. So zum Beispiel in Regen und Cham, die beide in Bayern liegen, wo es im Jahr 2018 je 100.000 Einwohner nur jeweils acht und neun Fälle gab. Sorgen machen müssen sich jedoch die Menschen in Neumünster und Bremen, beide ganz im Norden, die mit 311 und 285 Fällen je 100.000 Einwohner besonders gefährdet sind. Unsicher leben auch die verbliebenen Beamten in Bonn. Die ehemalige Hauptstadt liegt mit 275 Fällen auf Rang drei. Ob sich die Menschen, die früher für die Regierung gearbeitet haben, nun nach anderen Einkommensquellen umschauen oder ob Ministerialbeamte von den Einbrechern als gute Opfer gesehen werden, ist nicht geklärt. Eindeutig ist aber, dass städtische Regionen, und darauf weist das BKA hin, gefährdeter sind: Die acht problematischsten Regionen sind allesamt kreisfreie Städte.

Für die Wohnortwahl ist aber möglicherweise auch relevant, wie hoch die Chancen sind, dass der Einbruch aufgeklärt wird. Für wen das ein Kriterium ist, dem sei der Landkreis Straubing-Bogen empfohlen. Von den 26 Einbrüchen – der Landkreis hat ziemlich genau 100.000 Einwohner – klärte die Polizei mit 18 Fällen 69,2 Prozent auf, Spitzenwert in Deutschland. Auf den Plätzen zwei und drei folgen mit Deggendorf (65 Prozent) und Freyung-Grafenau (60 Prozent) zwei weitere Landkreise aus Bayern. Die Rosenheim-Cops und der Bulle von Tölz wären stolz auf die Kollegen. Auch eine Reality-TV-Show über Deutschlands „Super-Cops“ in Straubing-Bogen wäre eine feine Idee, oder sie geben ihren Kollegen in den weniger erfolgreichen Landkreisen Nachhilfe. Anfangen könnten sie um die Ecke in Weiden in der Oberpfalz, also ebenfalls in Bayern, oder sie fahren in die Nähe von Mannheim nach Frankenthal in Rheinland-Pfalz. Dort hatten die Polizisten im Jahr 2018 offenbar eine gewaltige Pechsträhne. Sie klärten nicht einen Fall auf.

Die Hauptsaison der Einbrüche hat das Land soeben überstanden. Im Dezember verschaffen sich besonders viele Kriminelle Zugang. Dass sie es auf Weihnachtsgeschenke abgesehen haben oder vor Jahresende noch gewisse Quoten zu erfüllen haben wie an gewöhnlicheren Arbeitsplätzen, dürfte eher unwahrscheinlich sein. Einen Einfluss hat dagegen, dass es schneller dunkel wird und die Menschen im Weihnachtsstress und viel unterwegs sind. Eine unliebsame Weihnachtsgeschichte gibt es zudem in vielen Pfarrhäusern. Dort, so die Überlieferung unter Pfarrern, wird bevorzugt während der Weihnachtsgottesdienste eingebrochen. Sofern es keine gegen die Religion rebellierenden Teenager im Haushalt gibt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass die Wohnung für anderthalb Stunden leer ist. Und natürlich sind auch die gottgefälligen Nachbarn in dieser Zeit in der Kirche.

Das Gerücht aber, dass die Einbrecher besonders die Urlaubszeit nutzen, stimmt dagegen nicht. In der Urlaubssaison im Juli und August gibt es im Gegenteil sogar besonders wenig Einbrüche.

Auch die Angst, nachts von Einbrechern überrascht zu werden, ist eher unberechtigt. Denn nur etwa jeder neunte Einbruch wird zwischen Mitternacht und 6 Uhr verübt. Besonders gern steigen die Kriminellen dagegen am Nachmittag in fremde Wohnungen ein. Viertel mit vielen Wohnungen sind dann nahezu verwaist, weil die meisten Bürger tagsüber einer Erwerbstätigkeit nachgehen.

Wer sich nun vor den Einbrechern schützen möchte, der sollte sich informieren, welche Schwachstellen sich die Kriminellen besonders gern zunutze machen. Das unterscheidet sich je nach Wohnsituation. Wer in einem Mehrfamilienhaus lebt, müsste vor allem über zusätzliche Sicherungen für die Eingangstür nachdenken. In mehr als der Hälfte aller Fälle steigen die Verbrecher dort ein. Doch auch durch tiefe Fenstertüren und zur Not sogar gewöhnliche Fenster wird häufig eingestiegen.

Dass Fenster jedoch seltener genutzt werden, liegt wohl vor allem daran, dass sie schwerer zu erreichen sind. Denn in Einfamilienhäusern verschaffen sich die Einbrecher in mehr als 80 Prozent der Fälle über Fenstertüren oder normale Fenster zutritt. Durch die Haustür – wie es sich ja eigentlich gehört – betreten sie Einfamilienhäuser dagegen nicht so gern, nur in jedem zehnten Fall, um genau zu sein.

Haben es die Einbrecher dann einmal in die Wohnung oder das Haus geschafft, interessieren sie sich vor allem für Schmuck, Uhren, Bargeld und Technik. Bei fast zwei von drei Einbrüchen fehlt danach Schmuck oder die Armbanduhr und in knapp der Hälfte der Fälle vermissen die Betroffenen danach Bargeld, berichten die Versicherer. Allerdings kann es natürlich sein, dass die Leidtragenden Bargeld besonders oft angeben, weil es sich nur schwer kontrollieren lässt, ob es vorher schon vorhanden war oder nicht.

Zudem haben es die Einbrecher auf Technik abgesehen. In jeweils etwa drei von zehn Fällen entwenden sie kleine technische Geräte wie Handys oder größere wie Computer oder Laptops. Fernseher und Konsolen sind dagegen nur nach jedem sechsten Einbruch weg, vielleicht auch wegen des schwierigeren Transports. Einbrecher sind ja schließlich keine Möbelpacker.

Und doch verhalten sie sich bemerkenswert ordentlich. Nach zwei von fünf Einbrüchen sieht die Wohnung ähnlich aus wie zuvor, berichten die Betroffenen, nur dass eben einige Sachen fehlen. Ansonsten neigen die Kriminellen dazu, die Sachen zu durchwühlen. Richtig verwüstet ist die Wohnung danach aber nur selten. Doch wie es nach einem Einbruch aussieht, ist für viele Betroffene wohl gar nicht so wichtig, wenn das Gefühl von Sicherheit erstmal verloren gegangen ist.


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Quelle: F.A.Z.

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