FAZ plus ArtikelAntibiotika-Resistenzen

Muss Waldi sterben?

Von Hendrik Kafsack
03.09.2021
, 16:46
Ein junger Mischlingshund spielt am Ufer der Elbe.
Das EU-Parlament könnte lebensrettende Medikamente für Haustiere verbieten, warnen Tierärzte. Dabei geht es um etwas ganz anderes.
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Können diese Hundeaugen lügen? „Mein Leben ist in Ge­fahr!“, warnt das Plakat des Bundesverbands Praktizierender Tierärzte (bpt) mit dem traurig dreinschauenden Tier. „Bitte unterschreiben, damit auch in Zu­kunft alles für meine Gesundheit getan werden kann.“ Eine halbe Million Un­terschriften will der Verband bis zum 8. September sammeln und damit ein „starkes politisches Zeichen“ setzen. „ALLE Tierärzte/innen ALLER Spezies müssen aktiv werden, damit Heimtierhalter, Pferdehalter und Landwirte an­gesprochen werden“, heißt es auf der Internetseite. Sonst könne das Europaparlament im September beschließen, dass bewährte Antibiotika nicht mehr zur Behandlungen von Tieren genutzt werden dürften.

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Ganz akkurat ist das – wie oft in Kam­pagnen – nicht. Tatsächlich geht es in der Abstimmung am 13. September auch nicht primär um Haustiere: Die EU-Abgeordneten müssen entscheiden, ob sie einen Vorschlag der Europäischen Kommission zur Umsetzung der EU-Tierarzneimittel-Verordnung annehmen – und die soll vor allem sicherstellen, dass es auch künftig ausreichend Reserveantibiotika für Menschen gibt. Weil immer mehr Bakterien resistent gegen gängige Antibiotika sind, müssen Ärzte verstärkt auf solche Antibiotika als „al­lerletztes“ Mittel zurückgreifen. Oft hilft aber auch das nicht mehr. „33.000 Menschen sterben in der EU im Jahr, weil keines der verfügbaren Antibiotika mehr hilft“, sagt der Abgeordnete der Grünen, Martin Häusling. Fachleute sprechen von einer schleichenden Pandemie. Neue Antibiotikagruppen werden kaum entwickelt. „Seit zehn, fünfzehn Jahren kommt nichts nach“, warnt der Präsident des „Ständigen Ausschusses der Europäischen Ärzte“, Frank Ulrich Montgomery.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hendrik Kafsack
Hendrik Kafsack
Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.
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