Elektromobilität

Elektroautos auf dem Vormarsch

Von Carsten Germis und Martin Gropp
Aktualisiert am 27.11.2020
 - 18:11
Plattform für Elektromobilität: Roboter arbeiten im VW-Werk in Zwickau an einer Unterbodengruppe.
Während der amerikanische Konzern Ford sein europäisches Elektroauto in Köln bauen könnte, will Volkswagen ein bestimmtes E-Modell früher produzieren.

Wenn der amerikanische Autokonzern Ford in gut zwei Jahren ein Elektroauto in Europa auf den Markt bringt, wird darin auf jeden Fall viel Expertise aus dem Ford-Standort Köln stecken. Im „John-Andrews-Entwicklungszentrum“ im Kölner Stadtteil Merkenich sollen Techniker und Ingenieure das Auto gestalten und entwickeln – so viel steht fest. Nun aber verdichten sich die Hinweise, dass Ford dieses E-Auto auch in Köln produzieren könnte.

Mehreren Medienberichten zufolge will der Konzern dafür eine Milliarde Euro in sein Werk im Stadtteil Niehl investieren. Das Unternehmen wollte das am Freitag nicht kommentieren. Doch wären die Vorteile nicht von der Hand zu weisen, Entwicklung und Produktion auch in räumlicher Nähe anzusiedeln.

Zumal Ford mit dem europäischen Auto so richtig in die Ära der reinen Elektromobilität startet und es mit Unterstützung an den Start bringen wird. Schließlich wird das Fahrzeug auf der Elektro-Produktionsplattform MEB des Volkswagen-Konzerns entstehen, so haben es beide Unternehmen in einem umfangreichen Kooperationsvertrag vereinbart.

Produktpalette wird schneller erweitert

Die MEB-Plattform wird aber nicht nur bei Ford zu einem weiteren Einsatz kommen. Nach dem ID.3 und dem ID.4, den ersten rein elektrischen Modellen der Marke VW, wird Volkswagen nun seine eigene, auf der Plattform basierende Produktpalette schneller erweitern als ursprünglich geplant, wie Unternehmenskreise am Freitag bestätigten. Die weiter verschärften Klimavorgaben der EU, mit denen die Politik den Elektroantrieb gegen Verbrennungsmotoren durchsetzen will, führen dazu, dass Volkswagen die Entwicklung eines schon länger geplanten kleinen Elektroautos beschleunigen will.

Der Wagen mit dem Projektnamen „Small BEV“ (Battery Electric Vehicle) soll unterhalb des im September angelaufenen kompakten ID.3 angesiedelt und für 20.000 bis 25.000 Euro zu haben sein, wie aus Planungen der Marke VW hervorgeht. An dem Modell arbeite eine Projektgruppe in Wolfsburg derzeit mit Hochdruck, ist in Wolfsburg zu hören. Wie das Fahrzeug von der Größe eines Polo aussehen wird und wann es auf den Markt kommt, steht aber weiter nicht fest. Auch der Produktionsstandort sei noch nicht entschieden, heißt es bei Volkswagen. In alten Planungen war die VW-Fabrik im niedersächsischen Emden dafür ins Gespräch gebracht worden.

Der rein batteriegetriebene Kleinwagen soll die Elektromobilität für größere Bevölkerungsschichten öffnen und so für weiteren Schub bei den Absatzzahlen sorgen. Zwar verkauft sich der ID.3, den VW im September auf den europäischen Markt brachte, nach Angaben des Unternehmens gut – doch Volkswagen und andere Autohersteller brauchen dringend einen spürbar steigenden Absatz von Elektroautos, um die sich im Zuge des sogenannten „Green Deal“ der EU abzeichnende spürbare Verschärfung der Klimavorhaben einhalten zu können, Strafzahlungen zu vermeiden und die Autoindustrie in Europa mit ihren Arbeitsplätzen sichern zu können.

Weitere Fahrzeuge sind in Planung

Als nächster Schritt nach dem ID.3 wird das Angebot an Elektromodellen bei der Marke VW aber vorerst nach oben weiter ausgebaut. Nach dem Elektro-SUV ID.4, der wie der kompakte ID.3 im VW-Werk im sächsischen Zwickau gebaut wird und Ende des Jahres auf den Markt kommen soll, folgt mit dem ID.5 eine elektrische Mischung aus SUV und Limousine. Der ID.4 ist für Volkswagen das „Weltauto“, mit dem sich das Unternehmen auch in China und in den Vereinigten Staaten als Hersteller von Elektroautos durchsetzen will. In beiden Automärkten machen SUV den Großteil der Verkäufe aus.

Der vollelektrische Bulli-Nachfolger ID-Buzz soll von 2022 an in Hannover vom Band rollen. 2023 folgt der größere ID.6 (Aero B), der als Kombi und Limousine mit einer Reichweite von bis zu 700 Kilometern geplant ist. Das VW-Werk in der niedersächsischen Landeshauptstadt hatte in diesem Monat während der jüngsten Planungsrunde des Unternehmens zudem den Zuschlag für drei große vollelektrische SUV erhalten, die dort für die Marken Audi, Porsche und Bentley produziert werden sollen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Germis, Carsten (cag.)
Carsten Germis
Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
Martin Gropp - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Martin Gropp
Redakteur in der Wirtschaft.
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