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Ethik und Bildung

Digitalisierung als Naturereignis

Von Wolfgang Huber
 - 10:04
Häufige Frage heute: Wie gelingt es den Menschen, die Oberhand über die künstliche Intelligenz zu behalten?

Auf der diesjährigen Cebit in Hannover war auf einem Bus zu lesen: „52 Prozent glauben nicht, dass Digitalisierung den Wettbewerb verändert. 48 Prozent verändern den Wettbewerb. Digitalisierung. Einfach. Machen.“ Der suggestiven Kraft dieser einfachen Rechnung kann man sich nur schwer entziehen. Nur durch die Entschlossenheit zum Handeln überwindet man bestehende Bedenken. Es kommt nicht darauf an, Vorteile und Nachteile, Chancen und Risiken abzuwägen. Sondern jetzt muss man der Digitalisierung wie einer Naturgewalt ihren Lauf lassen.

Bei solchen Überlegungen erscheint die Digitalisierung nicht als ein Prozess, in dem technologische Innovationen gesellschaftlich gestaltet werden; sondern sie trägt eher den Charakter eines Naturereignisses, das man geschehen lassen muss. Man mag dabei das Bild eines Wasserfalls vor Augen haben: Die Geschwindigkeit des stürzenden Wassers soll verdeutlichen, wie schnell es nun vorangehen soll. Manchmal fühlt man sich bei solchen naturalistischen Vergleichen aber auch an ein Erdbeben erinnert. Die verbreitete Rede vom disruptiven Charakter der Digitalisierung weist in diese Richtung.

Wettbewerbsfähigkeit ist kein rein wirtschaftlicher Wert

Dafür, das Tempo zu erhöhen, sprechen starke Gründe der Wettbewerbsfähigkeit. Dieses Argument ist ethisch keineswegs neutral. Denn ein wichtiges ethisches Kriterium für wirtschaftliches Handeln liegt in der Zukunftsfähigkeit. Leitungsverantwortung in der Wirtschaft bewährt sich darin, dass Unternehmen erhalten und weiterentwickelt werden. Das ist ohne Wettbewerbsfähigkeit nicht möglich.

Die verbreitete Auffassung, Wettbewerbsfähigkeit sei ein rein wirtschaftlicher Wert, der ethisch ohne Bedeutung sei, trifft nicht zu; denn zum verantwortlichen wirtschaftlichen Leitungshandeln gehört es, sich am Markt zu bewähren und damit auch den Anspruchsgruppen gerecht zu werden, mit denen es ein Unternehmen zu tun hat: den Mitarbeitern, den Kunden, den wirtschaftlichen Partnern, den Anteilseignern, dem jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld. Wettbewerbsfähig wird in der globalisierten Wirtschaft nur sein, wer die mit der Digitalisierung verbundenen Wertschöpfungschancen rechtzeitig nutzt.

Neben der Zukunftsfähigkeit ist Gerechtigkeit ein elementares wirtschaftsethisches Kriterium. Im Gedanken der Sozialen Marktwirtschaft hat es ebenso deutlich Eingang in unsere Wirtschaftsordnung gefunden wie das Kriterium eines fair gestalteten Wettbewerbs. Um der Gerechtigkeit willen muss die Weltwirtschaft einer Weltbevölkerung, die innerhalb der nächsten dreißig Jahre von sieben auf neun Milliarden wachsen wird, auskömmliche Lebensmöglichkeiten bieten. Die Nutzung technologischer Innovationen ist dafür unentbehrlich; denn keiner kann beschreiben, wie dieses Ziel ohne die Nutzung moderner Technologien erreicht werden soll.

Je stärker das unumgängliche Wachstum durch Qualität und Nachhaltigkeit geprägt ist, desto besser. Dass digitale Techniken, neue Formen der Mobilität, Maßnahmen der Energieeinsparung und andere technologische Fortschritte dazu entscheidend beitragen können, ist unbezweifelbar. Der Weg zur „diconomy“ (digital economy), der auf der Cebit ausgerufen wurde, ist insofern unumkehrbar.

„Warum Deutschland immer ungleicher wird“

Doch eine der großen Fragen unserer Zeit heißt, ob die „diconomy“ sich unvermeidlich mit einer verschärften „dichotomy“ verbinden wird. Die Diagnose einer vertieften Dichotomie der Gesellschaft geht auf die Erfahrungen früherer Phasen der industriellen Entwicklung zurück. So verband sich schon die Automatisierung der dritten industriellen Revolution mit der Frage, ob aus ihr neben den Rationalisierungsgewinnern nicht auch Rationalisierungsverlierer hervorgehen würden.

Vergleichbare Diagnosen werden auch heute vorgetragen, wie das unlängst erschienene Buch von Marcel Fratzscher, dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, zeigt. Es trägt den programmatischen Titel: „Verteilungskampf. Warum Deutschland immer ungleicher wird“. In der Diskussion über dieses Buch wird eingewandt, die Spannung zwischen Arm und Reich in Deutschland habe sich abgemildert, seit die Arbeitslosigkeit zurückgegangen sei und wieder mehr Menschen Zugang zu regulären Arbeitseinkommen hätten.

Diese Entwicklung zeigt: Noch wichtiger als das Problem der Verteilungsgerechtigkeit ist das Problem der Beteiligungsgerechtigkeit. Sie hat ihre Grundlage in der Befähigung der Menschen dazu, ihre Begabungen und Möglichkeiten aktiv in den Arbeitsprozess einzubringen. Der Schlüssel zur Beteiligungsgerechtigkeit ist Bildung.

Bildung ist unentbehrlich

Angemessene Bildung ist auch eine unentbehrliche Voraussetzung für einen verantwortlichen Umgang mit der Digitalisierung. Sie lässt sich gesellschaftlich nur dann gerecht und sozialverträglich gestalten, wenn Bildung, Ausbildung und Fortbildung mit den Veränderungsprozessen Schritt halten. Ein disruptiver Übergang zu digitalisierten Arbeitsverhältnissen, die den Bildungschancen und Ausbildungsmöglichkeiten vorauseilt, wird dagegen einen erheblichen Teil an Beschäftigten wie an künftigen Mitarbeitern abhängen.

Das Leitbild eines evolutionären Übergangs zu einer stärker digitalisierten Arbeitswelt verbindet sich mit erheblichen Anforderungen an alle Stufen des Bildungssystems. Im Feld der beruflichen Ausbildung lässt sie sich gewiss in der Struktur der dualen Ausbildung leichter bewältigen als in anderen Formen. Nötig ist ein gemeinsamer Wille von Wirtschaft und Politik, wenn dieser Übergang in einer ethisch verantwortbaren Weise gestaltet werden soll.

Mit der Vorstellung einer „disruptiven“ Entwicklung wird im Vergleich dazu ein ganz anderer Weg proklamiert. Wer erreichen will, dass Industrie 4.0 nicht zu weniger Beschäftigung führt, muss den Übergang entsprechend gestalten. Für alle Akteure enthält dieses Ziel eine große, aber nicht uneinlösbare Verpflichtung. Worum es geht, lässt sich auch durch einen Hinweis auf die Flüchtlingsbewegung verdeutlichen. Auch wer nach den Spitzenzahlen des Jahres 2015 für die kommenden Jahre mit zurückgehenden Zuwanderungszahlen rechnet, sieht die Aufgabe vor sich, mehrere Millionen von Flüchtlingen und anderen Zuwanderern auf Zeit oder Dauer in die deutsche Gesellschaft zu integrieren.

In vielen öffentlichen Diskussionen stehen dabei derzeit die Problemfelder „Religion“ und „innere Sicherheit“ im Vordergrund. Aber die Problemfelder „Bildung“ und „Arbeit“ sind von mindestens ebenso großer Bedeutung. Auch im Blick auf Menschen aus anderen Kulturkreisen gilt, dass sie auf die digitalisierte Arbeitswelt vorbereitet werden müssen. Der Prozess der Digitalisierung muss nicht nur technisch forciert, sondern auch gesellschaftlich gestaltet werden.

Technische Fertigkeiten reichen nicht aus

Der damit verbundene Bildungsprozess erschöpft sich nicht darin, Menschen im Sinn des Verfügungswissens für das digitale Zeitalter fit zu machen, ihnen also die in diesem Zusammenhang nötigen technischen Fertigkeiten zu vermitteln. Nötig ist vielmehr auch die Fähigkeit, sich in der digitalisierten Welt zu orientieren, also über das Orientierungswissen zu verfügen, das im Blick auf diese Welt nötig ist. Dafür brauchen wir ein Bildungswesen, für das Ethik so wichtig ist wie Informatik und das auf diese Weise die Fähigkeit, technisch mit digitalisierten Instrumenten umzugehen, in die Balance bringt mit der Fähigkeit, sich in unserer komplex gewordenen Welt zurechtzufinden.

Damit verbindet sich eine Reihe grundlegender Fragen. Eine dieser Fragen geht dahin, ob wir uns auf eine Zukunft einrichten, ja, sie sogar fordern und fördern müssen, in der möglichst alle „Digital Natives“ sind, also „digitale Eingeborene“. Das sind Menschen, die in der digitalen Welt mehr oder weniger von Geburt an zu Hause sind. Wäre es nicht erwägenswert, die Aufmerksamkeit für Migranten, die derzeit eine so große gesellschaftliche Bedeutung hat, auch im Zusammenhang der Digitalisierung fruchtbar zu machen?

Wie wäre es, die jetzt Heranwachsenden als „Digital Immigrants“ zu verstehen, also als Menschen, die zuerst in die analoge Welt hineinwachsen, diese mit ihren Sinnen ertasten und erblicken, hören und schmecken, um sich erst danach der digitalen und virtuellen Welt zuzuwenden? Auch den jetzt heranwachsenden Generationen möchte man wünschen, dass sie zuerst lernen, mit anderen Menschen zusammenzuleben, und erst in einem zweiten Schritt beginnen, mit Hilfe digitaler Instrumente zu kommunizieren.

„Autonome“ Autos brauchen eine Ordnung

Die Firma Google berichtet von einem kritischen Unfall, in den eines ihrer selbststeuernden Autos verwickelt war. Dieses Auto schätzte die Verkehrssituation ebenso falsch ein wie der Fahrer, der einen nachfolgenden Lastwagen steuerte. Ein Zusammenstoß war die Folge. Mensch und Maschine waren nicht gut koordiniert. Wechselseitig wurde Vertrauen enttäuscht.

Die selbststeuernden Automobile werden auch als autonome Autos bezeichnet. Als autonom wurde ursprünglich eine politische Einheit bezeichnet, die sich ihre Gesetze selbst gibt. Später übertrug man diesen Begriff auf den einzelnen Menschen und deutete die Freiheit der Person als Autonomie, als „Selbstgesetzgebung“. Im einen wie im andern Fall weiß man, dass solche Selbstgesetzgebung nur im Rahmen eines „für alle geltenden Gesetzes“ funktionieren kann: Die souveränen Staaten brauchen ein allgemeines Völkerrecht, die autonomen Einzelnen brauchen eine sie verbindende Rechtsordnung. „Autonome“ Autos brauchen eine Ordnung, die dazu beiträgt, dass die Möglichkeit digitaler Steuerung die Sicherheit verlässlich erhöht, die Zahl der Verkehrsopfer vermindert und Mobilität fördert.

Wer bestimmt über diese Ordnung, die Technik oder die Menschen? Eine alte wirtschaftsethische Frage wiederholt sich auf einer neuen Stufe der technischen Entwicklung. Die Frage heißt: Ist der Mensch für die Wirtschaft oder die Wirtschaft für den Menschen da? Oder auch: Ist die Technik für den Menschen da oder der Mensch für die Technik? Der Leitgedanke einer „Technik für den Menschen“ steht im Zeitalter der Digitalisierung vor einer großen Bewährungsprobe.

Euphoriker und Apokalyptiker

Dramatische Veränderungen werden in aller Regel aus drei Perspektiven betrachtet. Die erste Perspektive vertreten die Euphoriker. Sie sind davon überzeugt, dass jede Veränderung zu Besserem führt; ihr technologischer Optimismus kann so weit gehen, dass sie mit dem Eintreten einer „Singularität“ rechnen, in der Maschinen sich selbst perfektionieren und zu einer dem Menschen überlegenen Intelligenz entwickeln.

Die entgegengesetzte Perspektive vertreten die Apokalyptiker; sie verweisen auf die mit neuen Technologien verbundenen Gefahren, denen sie im schlimmsten Fall katastrophale Auswirkungen unterstellen. Dabei bemerken sie meistens nicht, dass sie den Fortschrittsoptimismus einfach umkehren und das Bessere in die Vergangenheit verlegen. Pragmatiker dagegen gehen davon aus, dass der Übergang vom Schlechteren zum Besseren und die Vermeidung unerwünschter Nebenfolgen bewusste Abwägungen und eine Auswahl aus sich bietenden Optionen erfordert. Sie setzen auf die mit neuen technologischen Entwicklungen verbundenen Chancen, die sie nutzen wollen, wobei eventuelle negative Auswirkungen nach Möglichkeit vermieden, gegebenenfalls aber auch in Kauf genommen werden müssen.

Chancen und Risiken abwägen

Die pragmatische Position wird – auch auf Grund der bisherigen Technikgeschichte – mit besonders viel Zustimmung rechnen können. Doch sie bringt auch die größten Schwierigkeiten mit sich. Euphoriker und Apokalyptiker eint eine Haltung des Alles oder Nichts. Ihre Energie speist sich aus der Leidenschaft, etwas ganz oder gar nicht zu wollen. Die pragmatische Position ist demgegenüber durch Abwägung geprägt. Abzuwägen sind Chancen und Risiken, zu bedenken sind die nicht beabsichtigten Nebenfolgen.

Die pragmatische Position muss Einschätzungen einbeziehen, für die es keine letzte Gewissheit gibt. Im Blick auf die Umweltfolgen technologischer Innovationen hat man sich auf das „precautionary principle“ verständigt; es verpflichtet dazu, solche Folgen auch dann in die Entscheidung einzubeziehen, wenn sie nicht mit Sicherheit vorausgesagt werden können. Gilt dasselbe auch für die sozialen Folgen technologischer Innovationen? Muss man auch hier mögliche Folgen einbeziehen und negative Auswirkungen durch vorausschauendes Handeln vermeiden?

Jedes vorausschauende Bedenken möglicher Folgen braucht Zeit. Im Blick auf die Digitalisierung heißt der Einwand jedoch, wir hätten gerade in Deutschland schon zu viel Zeit verloren. Wir seien in Europa insgesamt und insbesondere in Deutschland zu langsam. Die Antwort auf diese Befürchtung besteht in dem Versuch, noch schneller anzutreiben und auf mögliche Probleme noch weniger Rücksicht zu nehmen. Von politischer Seite werden beträchtliche Geldsummen genannt, mit denen die Prozesse der Digitalisierung, der Breitbandverkabelung, der Big Data und des Internets der Dinge vorangetrieben werden sollen.

Mit Technik die eigenen Fehler ausgleichen

Der entscheidende Maßstab für diese Entwicklung muss nach meiner Überzeugung sein, dass Menschen sich für das verantwortlich wissen, was technische Instrumente in ihrem Auftrag tun. Sie können die Instrumente unter Umständen nutzen, um eigene Fehler auszugleichen. So wäre man im Nachhinein froh, wenn der Autopilot der German-Wings-Maschine, der am 24. März 2015 so eingestellt wurde, dass alle Insassen in den Tod geflogen wurden, diesen Dienst hätte verweigern können. Man würde es im Nachhinein auch begrüßen, wenn die Software in Autos nicht so programmiert werden könnte, dass sie zwischen Fahrbetrieb und Testbetrieb unterscheidet und für den Test unzutreffende Werte bietet.

Doch auch wenn – durch bewusste menschliche Entscheidung – solche Sicherungen eingebaut würden, muss es dabei bleiben, dass es sich um eine verantwortliche Entscheidung verantwortlicher Menschen handelt. Der Begriff der Autonomie gehört auf die Seite des Menschen, nicht auf die Seite der Technik. Um der Klarheit willen sollte man auf den Begriff des autonomen Autos verzichten und autonome Waffen global ächten.

Die Alternative zu einer Haltung, der zufolge die Autonomie vom Menschen auf die Technik übergeht, besteht darin, der Technik die Funktion der intelligenten Assistenz zuzuweisen. Die verstärkte Einführung der Robotik in Produktion und Dienstleistung – auch außerhalb der Automobilindustrie – lässt sich so gestalten. Dass bestimmte Arbeitsvollzüge von Robotern präziser, schneller, ausdauernder durchgeführt werden können als von Menschen, braucht die Herrschaft der Menschen über diese Vollzüge nicht in Frage zu stellen.

Die Herrschaft über die künstliche Intelligenz behalten

Die in der neueren Debatte um sich greifende Debatte darüber, was geschieht, wenn die künstliche Intelligenz „schlauer wird als der Mensch“, sollte nicht als Anknüpfungspunkt für apokalyptische Szenerien dienen, wie sie etwa von Stephen Hawking gemalt werden. Plausibler ist es, mit dem estnischen Physiker Jaan Tallinn die Frage zu stellen, wie Menschen auch auf künftigen Entwicklungsstufen der künstlichen Intelligenz die Herrschaft über sie behalten und sie im Sinn einer „intelligenten Assistenz“ nutzen können. Die Unterbrechbarkeit ist eines der Kriterien, die er in diesem Zusammenhang in die Debatte einbringt. Das Kriterium ist auch aus der Alltagserfahrung vertraut. Nur wer selbst darüber verfügt, wann er technische Instrumente benutzt und wann nicht, behält die Herrschaft über sie.

Die Herrschaft des Menschen über seine Werkzeuge schließt die Verantwortung für die Zwecke ein, zu denen sie eingesetzt werden. Daran kann und darf sich auch unter den Bedingungen von Industrie 4.0 nichts ändern. Die Vorgänge um manipulierte Abgaswerte im VW-Konzern haben das beispielhaft gezeigt. Menschen können Computer darauf programmieren, dass sie ihre Umwelt täuschen. Es muss nur jemand auf die Idee gekommen sein, es ihnen beizubringen. Von da an ist das Lügen automatisiert. Es wird auf den Computer delegiert und erscheint nicht mehr als Handlung dessen, der dazu den Auftrag gegeben hat. Verantwortung dafür entsteht erst wieder, wenn die Irreführung aufgedeckt und gefragt wird, wer den Auftrag dazu gegeben hat.

In solchen Vorgängen zeigt sich eine neue Variante der Entkoppelung von Freiheit und Verantwortung, die sich schon als ethisches Kernproblem der Finanzmarktkrise von 2008 erwiesen hat. Auch für den mit Industrie 4.0 verbundenen Entwicklungsschub wird es entscheidend sein, dass die Handlungsfreiheit der Einzelnen mit der Verantwortung für die Handlungsfolgen verbunden bleibt.

Nicht nur klare rechtliche Regelungen und Verhaltenskodizes sind erforderlich, um einen verantwortlichen Umgang mit der Digitalisierung sicherzustellen; erforderlich ist auch eine klare innere Haltung zu den neuen Herausforderungen. Auch in der digitalisierten Welt ist persönliche Verantwortungsbereitschaft durch nichts zu ersetzen.

Der Autor Wolfgang Huber gehört zu den moralischen Instanzen des Landes. Selbst für das Amt des Bundespräsidenten war der 73 Jahre alte Theologe, Sozialethiker, Bischof und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche schon im Gespräch. Wenn es darum geht, die Grenzen des Verantwortbaren zu bestimmen, gerade auch zwischen Wirtschaft und Gesellschaft, wird Huber konsultiert. Er genießt den Respekt der Unternehmer, weil er nicht zu den vielen Kirchenvertretern gehört, die ihnen und dem Wettbewerb grundsätzlich misstrauen, aber die Früchte der Marktwirtschaft dann doch gerne von der Kanzel herab verteilen. hig.
Quelle: F.A.Z.
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