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David und Charles Koch

Romneys reichste Freunde

Von Roland Lindner
Aktualisiert am 29.07.2012
 - 08:49
„Obama ist ein Hardcore-Sozialist“: Der Milliardär David Koch, Executive Vice President und Miteigentümer von Koch Industries
Die Demokratische Partei ist ihnen ein Greuel: Die Milliardäre David und Charles Koch mischen den Wahlkampf in Amerika auf. Für Obamas Abwahl zahlen sie jeden Preis.

David Koch hat ein gespaltenes Verhältnis zur Öffentlichkeit. Der amerikanische Multimilliardär lässt sich gerne prominent mit seinem Namen würdigen, solange er als Wohltäter erscheint, der sein Geld für allgemein geschätzte Institutionen hergibt. New Yorker kennen ihn als Namensgeber für eines der Theater im Lincoln Center, wo auch die Metropolitan Opera ihre Heimat hat. Oder für den Dinosaurier-Trakt im Naturkundemuseum, an dessen Eingang „David H. Koch Dinosaur Wing“ steht. Dem Theater hat Koch 100 Millionen Dollar versprochen, dem Museum gab er 20 Millionen Dollar. Von Dinosauriern ist Koch so fasziniert, dass er vor ein paar Monaten dem Washingtoner Smithsonian Museum 35 Millionen Dollar für eine neue Ausstellungshalle rund um die Urtiere gespendet hat.

Dann gibt es aber auch die öffentlichkeitsscheuen Seiten von David Koch. Das riesige Konglomerat Koch Industries, das ihm mit seinem Bruder Charles gehört und auf das sich sein Reichtum gründet, ist in etwa so verschwiegen wie in Deutschland der Discounter Aldi.

Spitzname „Kochtopus“

Erst recht mysteriös sind die politischen Aktivitäten der Brüder. Aus ihrer Gesinnung an sich machen sie kein Geheimnis: Sie sind Anhänger eines strengen Libertarismus und wollen, dass sich der Staat weitestmöglich aus der Wirtschaft und überhaupt aus dem Leben der Menschen heraushält. Die Demokratische Partei ist ihnen ein Greuel - ebenso die Vorstellung, dass deren Präsident Barack Obama im November wiedergewählt werden könnte. Das „New York Magazine“ zitierte David Koch im vergangenen Jahr mit den Worten: „Obama ist ein Hardcore-Sozialist.“

Aber wie weit die Kochs für Obamas Abwahl gehen würden, ist nicht so recht durchschaubar. Obama und sein Team haben die Brüder ganz offen zu Feindbildern erklärt. Sie stellen die Kochs als finstere Schattenmänner hin, die mit Wahlkampfspenden auf verschlungenen Wegen versuchen, den republikanischen Kandidaten Mitt Romney ins Amt zu hieven. Sie schlagen in die gleiche Kerbe wie Kritiker, die den Brüdern den Spitznamen „Kochtopus“ gegeben haben, weil die symbiotischen Brüder ihre Tentakeln angeblich überall haben. Die Kochs haben derweil ihre eigene Propagandamaschine angeworfen. Über die Internetseite ihres Konzerns verbreiten sie eine Stellungnahme nach der anderen und spielen die Unbedarften. Sie beklagen, das Obama-Lager stelle sie zu Unrecht an den Pranger und versuche gar, sie einzuschüchtern.

Der politische Einfluss von David und Charles Koch und anderer reicher Amerikaner wird im Wahljahr 2012 in Amerika so heftig debattiert wie noch nie. Zwar ist es traditionell ein Lieblingsthema politischer Beobachter, welcher Kandidat die größten Summen einsammelt, um die Fernsehkanäle mit Werbespots zu überfluten. Neu ist diesmal im Vergleich zu 2008 aber die Sorge, dass der Wahlkampf zu einer Schlacht von einigen wenigen Reichen wird, die mit üppigen Spenden ihrem Wunschkandidaten vielleicht den entscheidenden Vorteil verschaffen könnten.

Ideal für Spender, die im Verborgenen bleiben wollen

Den Weg für die Milliardenschlacht ebneten zwei Gerichtsentscheidungen im Jahr 2010, mit denen die vorherigen Restriktionen für Wahlkampfspenden de facto ausgehebelt wurden. Es gilt zwar weiter, dass Einzelpersonen nicht mehr als 2500 Dollar je Wahlkampf direkt an einen Kandidaten spenden dürfen. Aber das kann jetzt leicht umgangen werden. Personen und auch Unternehmen können unter bestimmten Voraussetzungen unbegrenzte Summen an Organisationen geben, die Wahlkampf treiben.

Das ermöglichte zum einen den Aufstieg der „Super Pacs“ - politischer Aktionskomitees, die formell unabhängig von Kandidaten sein müssen, aber in der Praxis oft als deren verlängerter Arm agieren. Kasinomagnat Sheldon Adelson aus Las Vegas, laut „Forbes“-Liste wie die Koch-Brüder einer der zehn reichsten Amerikaner, ist wohl der bekannteste Gönner solcher Super Pacs. Adelson und seine Familie gaben erst mehr als 20 Millionen an das Super Pac, das Newt Gingrich nahesteht, jetzt überschütten sie das Romney-Pac „Restore our future“ mit Geld.

Dann gibt es aber noch eine zweite, viel anonymere Art von Gruppen, die von den Kochs favorisiert wird: sogenannte „soziale Wohlfahrtsorganisationen“ nach dem amerikanischen Steuerrecht, deren Hauptzweck eine nicht konkret definierte Förderung des „Allgemeinwohls“ sein muss, die aber auch politisch aktiv sein dürfen. Solche Organisationen haben gegenüber den Super Pacs einen besonderen Charme: Sie müssen nicht veröffentlichen, wo ihr Geld herkommt, sind also ideal für Spender, die im Verborgenen bleiben wollen. Bei den Kongresswahlen 2010 haben diese Gruppen mehr Geld für politische Aktivitäten ausgegeben als die Super Pacs, ergab eine Studie des auf Wahlkampffinanzierung spezialisierten Center for Responsive Politics.

Auch Obama hat inzwischen ein Super Pac im Rücken

Die Koch-Brüder unterstützen angeblich ein ganzes Netzwerk solcher Gruppen, wobei ihre genauen Verbindungen mangels Offenlegungspflicht nicht verbürgt sind. Als ihr Hauptvehikel gilt die Organisation „Americans for Prosperity“, die als ihre Mission die „wirtschaftspolitische Aufklärung der Bürger“ angibt und die sich als Verfechterin von Steuersenkungen und weniger Staatsausgaben beschreibt. Americans for Prosperity hat schon im Wahlkampf für die „Midterm Elections“ zum Repräsentantenhaus 2010 kräftig mitgemischt und den Erfolg der Republikaner nach Meinung vieler Beobachter maßgeblich gesteigert. Jetzt macht die Gruppe mit neuen Anti-Obama-Werbespots mobil: mal gegen seine Energiepolitik, mal gegen die von ihm angestoßene Gesundheitsreform.

Nach Recherchen der vielbeachteten Washingtoner Publikation „Politico“ wollen die Koch-Brüder mit ihrem Netzwerk 400 Millionen Dollar ausgeben, um Obama loszuwerden. Insgesamt wollen den Republikanern nahestehende „Wohlfahrtsgruppen“ und Super Pacs eine Milliarde Dollar in den Kampf gegen Obama pumpen. Dazu sollen 800 Millionen Dollar von der Partei selbst und Romneys Kampagne kommen. Die kombinierten 1,8 Milliarden Dollar würden die 2008 investierten Summen bei weitem in den Schatten stellen: Obama hatte damals rund 750 Millionen Dollar zur Verfügung, sein unterlegener Rivale John McCain nur 350 Millionen Dollar.

Auch Obama, der lange über Super Pacs schimpfte, hat inzwischen eine solche Organisation im Rücken („Priorities USA Action“) und eine zugehörige Wohlfahrtsgruppe. Deren Budgets verblassen aber neben den Pro-Romney-Gruppen. Der viel stärkere Geldstrom in diesem Jahr sorgt dafür, dass Amerikaner mit mehr Wahlwerbung bombardiert werden als je zuvor: „Wir haben erst Juli, aber es werden schon so viele Werbespots geschaltet wie sonst im September oder Oktober“, sagt Bob Biersack vom Center for Responsive Politics.

David Koch stand schon einmal im politischen Rampenlicht

An Geld für ihre politischen Missionen mangelt es Charles und David Koch nicht. „Forbes“ beziffert das Vermögen der Brüder auf jeweils 25 Milliarden Dollar. Zusammengerechnet sind sie danach reicher als der Investor Warren Buffett. Jeder der Brüder hält 42 Prozent der Anteile an Koch Industries. Sie haben das Unternehmen von ihrem Vater Fred nach dessen Tod 1967 geerbt, aber erst unter ihrer Ägide wurde es zu einem gigantischen Imperium, mit Geschäften wie Ölraffinerien, Pipelines, Anlagenbau, Kohle, Düngemittel, Kunststoffe, Teppiche, Papier und sogar Ranches für Hobbyjäger.

Charles ist Vorstandsvorsitzender am Koch-Stammsitz in Wichita (Kansas), David führt von New York aus eine große Konzernsparte. Von ihrem Vater, der zur Zeit Josef Stalins einige Jahre in der Sowjetunion war, haben Charles und David auch ihre Abneigung gegen staatliche Einmischung und den unbedingten Glauben an die freie Marktwirtschaft geerbt.

David Koch stand schon einmal direkt im politischen Rampenlicht: 1980 trat er für die Außenseiterpartei der Libertären als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten an. Damals plädierte er zum Beispiel für die Abschaffung von Sozialversicherung, staatlichen Schulen und Behörden wie der Bundespolizei FBI. Die Partei bekam ein Prozent der Stimmen.

Nicht alles ist Stoff für Verschwörungstheoretiker

Ansonsten wirken die Koch-Brüder eher im Hintergrund. Charles half bei der Gründung der Denkfabrik Cato Institute, David rief Americans for Prosperity mit ins Leben. Berüchtigt sind die Kochs außerdem als Ausrichter geheimnisumwitterter Treffen mit reichen konservativen Gesinnungsgenossen. Dort wird amerikanischen Medienberichten zufolge Geld für Organisationen aus dem Koch-Netzwerk eingesammelt.

Kritiker sehen Institutionen wie Americans for Prosperity als Instrumente für die Agenda der Koch-Brüder und ihres Unternehmens, etwa wenn sie Kampagnen gegen Energieregulierung betreiben. Americans for Prosperity spielt den Einfluss der Koch-Brüder herunter und beschreibt sich als Massenbewegung von 1,8 Millionen Aktivisten.

Nicht alles, was die Kochs tun, ist Stoff für Verschwörungstheoretiker. So griff David Koch vor ein paar Wochen auf eher konventionelle Weise in den Wahlkampf ein: mit einer Spendenparty bei sich zu Hause, so wie das reiche Amerikaner regelmäßig tun. Mitt Romney erschien dazu in Kochs Anwesen im Nobel-Badeort Southampton nahe New York. Die Veranstaltung zog auch ein paar hundert Demonstranten an. Auf einem Transparent stand: „Mitt Romney has a Koch problem“ - was sich bei der Aussprache des Namens („coke“) anhört, als habe der Kandidat ein Drogenproblem. Romney nahm es gelassen. Er sagte, er sehe Koch nicht als Problem, sondern als Aktivposten.

Die Menschen

Charles und David Koch sind Mehrheitseigentümer des Mischkonzerns Koch Industries und zählen laut „Forbes“ zu den zehn reichsten Amerikanern. Charles, 76 Jahre, ist Vorstandsvorsitzender, David, 72 Jahre, ist Executive Vice President. Zwei andere Koch-Brüder, William und Frederick, wurden in den achtziger Jahren aus dem Unternehmen herausgekauft. Zwischen den Fraktionen der Brüder gab es langjährige Rechtsstreitigkeiten. David Koch war 1991 unter den Überlebenden eines Flugzeugunglücks, bei dem 34 Menschen starben. Er ist Vater von drei Kindern und lebt mit seiner Frau Julia im Appartementhaus „740 Park Avenue“, einer der elitärsten Adressen in New York. Charles ist verheiratet und hat zwei Kinder, er lebt in Wichita, dem Sitz des Konzerns.

Das Unternehmen

Koch Industries ist das zweitgrößte amerikanische Familienunternehmen hinter dem Agrokonzern Cargill. Gegründet von Fred Koch im Jahr 1940, wird das Unternehmen heute von seinen Söhnen Charles und David Koch geführt. Vorstandschef Charles sagte einmal, „nur über meine Leiche“ würde Koch Industries an die Börse gehen. Der Konzern, dessen Aktivitäten von Ölraffinerien bis zu Papierbechern reichen, hat 67.000 Mitarbeiter und einen Umsatz von rund 110 Milliarden Dollar. Weitere Geschäftszahlen werden nicht genannt, stattdessen gibt es auf der Internetseite eine laufend aktualisierte Statistik über die offenbar als ungerecht empfundene „Koch-Fixierung“ der „New York Times“: 79 Artikel der Zeitung hätten in diesem Jahr Bezug auf Koch genommen.

Quelle: F.A.S.
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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