Russenversteher Klaus Mangold

Mister Russland der deutschen Wirtschaft

Von Georg Meck
07.02.2016
, 13:16
„Kontakte sind mein Knowhow“, sagt Klaus Mangold. „Das ist die Basis für meine Geschäfte.“
Klaus Mangold gilt als Russenversteher - die Nähe zu Wladimir Putin zahlt sich aus. Doch als solcher will er nicht in eine Ecke gestellt werden. Im Gespräch mit der FAS räumt er mit bösen Klischees über Geschäfte in Russland auf.
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Um die deutsch-russische Freundschaft war es schon besser bestellt, ein fliegender Seehofer macht da noch keinen Sommer. Beziehung wie Nerven bleiben angespannt seit Putins Umtrieben in der Ukraine. Für Klaus Mangold bedeutet dies vor allem: viel Arbeit, und noch mehr Flüge nach Moskau, auch diese Woche. Die Bayern waren schon wieder zu Hause, als er, wie stets, in wirtschaftlicher Mission unterwegs war.

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Klaus Mangold ist der Mann für das Ost-Geschäft, insofern ein Russenversteher, „Wandel durch Handel“ und andere Evergreens der Ostpolitik ständig auf den Lippen. Niemand wandelt, handelt, wirbelt auf diesem Parkett so viel wie Mangold, ein Mann, der mit bald 73 Jahren sein aktives Managerleben eigentlich hinter sich hat: Quelle-Chef war er in den 90er Jahren, Daimler-Vorstand danach (bis zur Pensionierung mit 60). Den Osten hat er in diesen Ämtern rege bereist, später noch intensiver; als Vorsitzender des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (bis 2010) und auf eigene Rechnung. Die Grenzen sind da fließend. „Osteuropa ist für mich Herzenssache und große wirtschaftliche Perspektive zugleich“, sagt Mangold.

Tatsache ist: Der Mann, 1943 in Pforzheim geboren, hat auf seinen Ost-Kontakten ein Vermögen aufgebaut. Beziehungen sind ein wertvolles Gut, dafür lässt er sich mit seiner Firma („Mangold Consulting“) bezahlen. So läuft das in der Marktwirtschaft. „Kontakte sind mein Knowhow“, sagt Mangold selbst. „Das ist die Basis für meine Geschäfte.“ Und so ist der Mann, versehen mit dem Titel als „Honorarkonsul der Russischen Föderation für Baden-Württemberg“, als eine Art Ich-AG in der Business Class unterwegs: jede Menge Kontakte, jede Menge Mandate, dazu - als Hobby - jede Menge Wald. Unter Deutschlands Jägern ist Mangold einer der fleißigsten. 700 Hektar Wald hat er gepachtet im Münstertal im Schwarzwald, wohin er regelmäßig Promis aus Politik und Wirtschaft einlädt. Dazu kommen die 1000 Hektar, die er gekauft hat im Hegau, der Region zwischen Bodensee und Stuttgart. „Im Nebenberuf bin ich Land- und Forstwirt“, sagt Mangold.

Die großen Tiere im Manager-Zirkus kennt jedes Kind, die Ackermänner und die Zetsches. Diejenigen, die am Rande der Manege zu Einfluss kommen, bleiben in der Öffentlichkeit unerkannt: Typen wie Klaus Mangold eben; immer dabei, in alle Richtungen vernetzt. In Baden-Württemberg soll er als Wirtschaftsberater („ohne Parteibuch“) gerade dem CDU-Kandidaten Guido Wolf helfen, die Landtagswahl gegen Winfried Kretschmann zu gewinnen - den Grünen attackiert er trotzdem nicht. Das wäre womöglich abträglich fürs Geschäft. An Parteigrenzen halten sich seine Freundschaften sowieso nicht, dicke ist er zum Beispiel mit Ex-Kanzler Gerhard Schröder, dem Genossen der Bosse, die Wege der beiden kreuzen sich regelmäßig.

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Noch immer ein hohes Tempo

Mangold kontrolliert Konzerne in Amerika, Frankreich, Kasachstan, er ist Aufsichtsratsvorsitzender des feinen Bankhauses Rothschild in Frankfurt und hat auch sonst allerhand am Laufen, vorzugsweise im Osten, spektakuläre Wildschweinjagden mit Ion Tiriac, Boris Beckers Ex-Manager, in Rumänien inklusive. „Ich bin seit 40 Jahren in Osteuropa unterwegs, diese Länder und Menschen sind mir unglaublich ans Herz gewachsen“, sagt der promovierte Jurist, der von seinen Kunden als „Mister Russland der deutschen Wirtschaft“ hofiert wird.

Den Ex-Geheimdienstagenten und aufstrebenden Politiker Wladimir Putin hat Mangold bereits im Jahr 1993 kennengelernt. Der heutige Präsident war damals Wirtschaftsbürgermeister in St. Petersburg, Mangold Chef des Versandhauses Quelle. Aus dem anvisierten Geschäft wurde nichts („Wir haben lieber in Moskau investiert“), was ihm nicht geschadet hat: Die Verbindung zu Putin hielt, sie trägt ihn bis heute. „Ich habe gute Kontakte zu wichtigen russischen Regierungsstellen“, tönt Mangold, der noch immer ein hohes Tempo geht, auch an unerwarteten Stellen auftaucht, etwa im weltgrößten Tourismuskonzern, der TUI in Hannover. Als Aufsichtsratsvorsitzender hat er dort ein eigenartiges Gebilde geschaffen: einen Konzern mit Sitz in Deutschland, aber in London an der Börse notiert. Nachdem so weit alles geregelt ist, wollte Mangold sich am Dienstag auf der Hauptversammlung, verabschieden. Da kamen ihm angelsächsische Großinvestoren dazwischen, die wollten nicht zulassen, dass Peter Long, im Moment den Ko-Vorstandschef, direkt auf den Vorsitz im Aufsichtsrat wechselt - ohne die vorgeschriebenen zwei Jahre Abkühlzeit. Nun hängt Mangold noch eine Runde dran. „Mir macht die Arbeit Spaß“, sagt der Mann, der „noch nie Gefahr lief, seine Fähigkeiten zu unterschätzen“, wie Gegner spotten.

Deutsch-Russische Freundschaft: Klaus Mangold zwischen Wladimir Putin und Gerhard Schröder auf der Hannover Messe 2005.
Deutsch-Russische Freundschaft: Klaus Mangold zwischen Wladimir Putin und Gerhard Schröder auf der Hannover Messe 2005. Bild: ddp Images

Zwei Tage die Woche beansprucht ihn die TUI im Moment, 413.000 Euro immerhin hat er dafür voriges Jahr verdient. Es gab einiges zu tun, um den Reisekonzern, der als Wertvernichter berüchtigt war, auf Kurs zu bringen. Das Verhältnis zu den Aktionären musste entkrampft werden. Vor allem wollten die mal wieder eine Dividende sehen. Das ist geschafft, auch dank Mangold. Geholt hat der für den Neuanfang einen frischen Kopf, Ex-Vodafone-Mobilfunker Friedrich Joussen, den er in den höchsten Tönen lobt. Mangold selbst war damals nach Hannover gerufen worden, weil sie jemanden gesucht haben mit Russland-Erfahrung: Das ist, wie gesagt, seine Spezialität.

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Die TUI hat seit Jahren einen russischen Großaktionär namens Alexej Mordaschow, der jetzt, auf Anraten von Mangold, erstmals persönlich für den Aufsichtsrat kandidiert. Der Stahlunternehmer, selbstredend milliardenschwer, hat in Deutschland studiert, spricht gut Deutsch. Neben Herman Gref, dem Chef der Sberbank, sei er unter den Russen der Manager mit der höchsten Affinität zu Deutschland. Das sagt Mangold, der sich seit Jahrzehnten in Kreisen von Leuten bewegt, die hierzulande unter dem Label „Oligarchen“ laufen, ein Wort, das er gar nicht mag. Da kommt er richtiggehend in Fahrt: „Wann genau ist ein Unternehmer ein Oligarch? Warum sind nur Russen Oligarchen?“

Russland leidet unter dem niedrigen Ölpreis

Wahrlich, reiche Leute gibt es auch anderswo, nur hat es der Milliardär mit russischem Pass im Westen imagemäßig besonders schwer, erst recht, wenn niemand nachvollziehen kann, woher genau der Reichtum stammt. Wer sich mit solchen Leuten einlässt, muss mit dem Vorwurf leben, Ruf gegen Rubel einzutauschen. Das findet Klaus Mangold erst recht ungerecht: „Viele tolle Unternehmer in Russland gehen auf Distanz zum Staat, wollen frei sein von Abhängigkeiten.“

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In China sei der staatliche Einfluss auf die Wirtschaft jedenfalls viel größer, so schimpft er weiter, die kulturellen, historisch gewachsenen Bindungen zu Deutschland dafür viel geringer als in Russland. „Wer dort aber Geschäfte macht, wird nicht als Chinesenversteher in die Ecke gestellt.“ Noch so eine Ungerechtigkeit. Wie all die bösen Klischees, die im Westen über Russland kursieren. Beispiel Alkohol: Wodka-Gelage unter Managern seien überholt, Geschichte, sagt Mangold: „Ich habe in den letzten fünf Jahren nicht einen Wodka getrunken bei einem Geschäftsessen in Russland.“ Wenn schon, dann wählt man heute einen guten Rotwein. „Auch in Russland gibt es einen Trend zu gesunder Ernährung.“ Oder die Russen-Mafia, noch so ein verzerrtes Bild, wenn man Mangold glauben mag. Er habe ewig keine Mafia mehr gesehen: „Das Thema stellt sich längst nicht mehr.“ Wenn, dann war die Mafia Anfang der 90er Jahre ein Problem. „In den wilden Jahren nach der Wende.“

Heute hat das Land andere Sorgen: Russland leidet am niedrigen Ölpreis, an der Abwertung des Rubels, an den vergleichsweise hohen Zinsen. Und an den Sanktionen des Westens. „An denen noch am wenigsten“, urteilt Mangold. „Die sind nicht so giftig wie der Absturz der Ölpreise.“ Mit 50 oder 60 Dollar für das Barrel hätten die Russen ein Auskommen, der momentane Wert um die 30 Dollar bringe sie in die Bredouille: „Der russische Haushalt lebt zu 50 Prozent von Öl und Gas, 75 Prozent der Exporteinnahmen kommen von Öl und Gas.“

Russland als ein Teil Europas

Die russische Regierung muss an Reformen nachlegen, rät Mangold, um die Industrie zu modernisieren. Und ohne den Westen sei die Technologielücke nicht zu schließen. Er verlangt daher, „zur Normalität mit Russland zurückzukehren“. Wandel durch Handel halt, wie immer. Beide Seiten müssten Schritte aufeinander zugehen, sagt Mangold. Für die Russen heißt dies: das Abkommen Minsk II einhalten, sinnvolle Wahlen in der Ukraine und angemessene Beziehungen zur Türkei. Vom Westen verlangt er „wenigstens eine Lockerung der Sanktionen, etwa im Finanzbereich.“

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Die Kanzlerin hat da anderes vor, Mangold verdient sich einmal mehr das Etikett als Russenversteher. Der Begriff, meist abwertend gebraucht, hat es inzwischen bis ins Angelsächsische geschafft, sogar der „Economist“ sorgt sich wegen der deutschen Russland-Sympathisanten um die klare Linie des Westens.

Mangold lässt sich davon nicht irritieren: Er hat nun mal Verständnis für die Russen, „viel Verständnis“, wie er betont. Für ihn sind und bleiben die Russen Teil Europas („geographisch bis zum Ural, mental als Ganzes“), und auf ihn als Fürsprecher ist Verlass: „Wir dürfen nicht überziehen, den Russen vorzuschreiben, was sie tun und lassen sollen. Das Land braucht nicht den Zeigefinger der Deutschen.“ Und überhaupt, so wie er die Russen versteht, so gut verstehe er auch die Franzosen: „Nur nennt mich keiner Franzosenversteher.“

Der Mensch

Klaus Mangold wird am 6.Juni 1943 in Pforzheim geboren. Nach dem Abitur studiert er Jura und Volkswirtschaft. Rhone-Poulenc, Quelle, Daimler sind seine Stationen als Manager. 2000 bis 2010 führt er den Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft. Mangold ist verheiratet, hat zwei erwachsene Söhne und ist ein passionierter Jäger.

Die Geschäfte

Klaus Mangold hat diverse Mandate in Aufsichtsräten, unter anderem in der TUI und Conti in Hannover, beim Bankhaus Rothschild in Frankfurt, bei Ernst & Young in Amerika, aber auch in Österreich, Frankreich und Kasachstan. Seine eigene Firma, „Mangold Consulting“, bahnt Kontakte in Osteuropa an. Außerdem hat er einen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb im Hegau samt 1000 Hektar Jagdrevier.

Quelle: F.A.S.
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