Omikron-Welle

Wirtschaft leidet unter hohen Personalausfällen

Von Britta Beeger und Philip Plickert
05.04.2022
, 12:00
Im BMW-Werk in Leipzig: Auch in der Autoindustrie fallen Mitarbeiter wegen der Omikron-Welle aus.
Jedes vierte der kleineren und mittleren Unternehmen in Deutschland meldete wegen der hohen Infektionszahlen im März Probleme im Geschäftsbetrieb, zeigt eine Umfrage. Auch in Großbritannien fehlen Hunderttausende an ihren Arbeitsplätzen.
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Der deutsche Mittelstand leidet wegen der anhaltend hohen Infektionszahlen in der Omikron-Welle unter vermehrten Personalausfällen. Jedes vierte der kleineren und mittleren Unternehmen meldete deswegen im März Probleme im Geschäftsbetrieb – fast so viele wie zu Pandemiebeginn und 10 Prozentpunkte mehr als im September. Das teilte die Förderbank KfW am Dienstag auf Basis einer regelmäßigen Corona-Sonderbefragung im Rahmen ihres Mittelstandspanels mit, in die Antworten von rund 2400 Unternehmen einflossen.

Die Personalausfälle kommen zum einen dadurch zustande, dass Teile der Belegschaft selbst an Corona erkranken oder in Quarantäne müssen, zum anderen aber auch durch Schul- oder Kitaschließungen. Besonders betroffen ist der KfW-Umfrage zufolge die Industrie, in der Homeoffice nur schwer umzusetzen ist. So klagten 56 Prozent der besonders forschungs- und entwicklungsintensiven Branchen des Verarbeitenden Gewerbes – etwa der Maschinenbau, der Fahrzeugbau und die Medizintechnik – über negative Folgen der pandemiebedingten Mitarbeiterausfälle. In den übrigen Branchen des Verarbeitenden Gewerbes waren es überdurchschnittliche 38 Prozent.

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In der vergangenen Woche hatte die Krankenkasse Barmer gemeldet, dass in Deutschland noch nie so viele Menschen wegen Corona arbeitsunfähig gewesen seien wie derzeit. Das macht sich auch in den Krankenhäusern bemerkbar, die wegen Quarantäne und Isolation ihrer Ärzte und Pflegekräfte teils wieder planbare Operationen verschieben. Nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft hatten zuletzt 90 Prozent der Kliniken höhere krankheitsbedingte Personalausfälle als sonst um diese Jahreszeit üblich, was diese „in erhebliche Bedrängnis“ bringe. In Mecklenburg-Vorpommern fallen wegen der großen Zahl an Corona-Fällen bei der Deutschen Bahn in dieser Woche einzelne Züge aus.

Flugausfälle in Großbritannien

In Großbritannien hat die Welle der neuen Omikron-Subvariante BA.2 dazu geführt, dass Hunderttausende nach Positivtests an ihren Arbeitsstellen fehlen. Die Fluglinien British Airways und Easy Jet mussten mehr als 200 Flüge wegen Personalmangels absagen. In den beginnenden Osterferien herrschte an einigen Flughäfen Chaos. In Schottland blieben Züge stehen, weil die Fahrer fehlten. Das Statistikamt ONS schätzte, dass sich in der vorletzten März-Woche bis zu 4,9 Millionen Briten infiziert hatten. Seitdem könnte die Welle ihren Höhepunkt überschritten haben, zeigen die täglichen neuen Fallzahlen. Die registrierte Sieben-Tage-Inzidenz ist wieder unter 800 gesunken, im Januar lag sie bei über 2000. Während im Januar vor allem Arbeiter betroffen waren, sind es nun vermehrt auch Büroangestellte.

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In der Londoner City berichteten Banker und Anwälte über abgesagte Treffen und Konferenzen. Der Industrieverband Make UK teilte am Wochenende mit, dass die Corona-Fallzahlen in seinen Mitgliedsunternehmen nun größer als jemals zuvor gewesen seien. Ende Januar sind die allermeisten Corona-Restriktionen in Großbritannien aufgehoben worden. Die gesetzliche Pflicht, sich mit Positivtest in Quarantäne zu begeben, endete im März. Laut den jüngsten Empfehlungen der Regierung sollen Menschen mit Covid-Symptomen „versuchen, zuhause zu bleiben und Kontakt mit anderen zu vermeiden, bis sie sich wieder gut genug fühlen, um ihre normalen Aktivitäten wieder aufzunehmen“.

In Deutschland haben die Gesundheitsminister von Bund und Ländern am Montag ebenfalls beschlossen, dass Corona-Infizierte sich vom 1. Mai an nicht mehr verpflichtend in Isolation begeben müssen – die neuen Regeln sollen stattdessen auf Freiwilligkeit beruhen. Infizierten werde aber dringend empfohlen, sich für fünf Tage zu isolieren und Kontakte zu meiden, teilte Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) mit. Das gleiche gelte für Kontaktpersonen.

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Damit sollen auch massenhafte Personalausfälle bei hohen Infektionszahlen vermieden werden. Bisher dauern die Absonderungen in der Regel zehn Tage und können mit einem negativen Test nach sieben Tagen beendet werden. Das Robert-Koch-Institut meldete am Dienstag 180.397 neue Corona-Fälle in Deutschland. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz sank unter 1400.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Beeger, Britta
Britta Beeger
Redakteurin in der Wirtschaft und zuständig für „Die Lounge“.
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Philip Plickert
Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.
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