Autozulieferer Segula

Stellenabbau-Plan von Opel-Partner vor dem Schlichter

Von Thorsten Winter
19.02.2021
, 15:30
Vor gut einem Jahr hat Opel-Partner Segula in Rüsselsheim noch 150 Mitarbeiter eingestellt, nun will das Unternehmen 200 loswerden. Das geht nicht so einfach. Viele wollen zu Opel zurück.

Ob bei Continental oder Opel: Geschäftsleitungen und Betriebsräte in Südhessen tragen ihre Streitigkeiten zunehmend vor einem Schlichter aus. Der Opel-Partner Segula bildet da keine Ausnahme: Im Ringen um den von dem Autozulieferer geplanten Abbau von dem Vernehmen nach 200 Stellen in Rüsselsheim haben Management und Arbeitnehmervertreter bisher keine Übereinkunft treffen können. Sie steuern nun die Einigungsstelle an, der zumeist ein arbeitsrechtlich versierter Experte vorsteht.

Wissen war nie wertvoller

Sichern Sie sich mit F+ 30 Tage lang kostenfreien Zugriff zu allen Artikeln auf FAZ.NET.

JETZT F+ LESEN

Eine Sprecherin von Segula bestätigte diese Information aus der IG Metall. Sobald es ein Ergebnis gebe, werde die deutsche Tochter des gleichnamigen französischen Familienkonzern es mitteilen. Wann das sein könnte, steht dahin. Derzeit zählt die Firma in Rüsselsheim 835 Beschäftigte. So einfach kann Segula die fraglichen Mitarbeiter nicht loswerden, denn sie genießen einen Kündigungsschutz bis Ende Juni 2023.

Nach Angaben der Sprecherin hat das Unternehmen im vergangenen Jahr weniger Umsatz gemacht als geplant. Segula erhalte aber regelmäßig Anfragen und sei zuversichtlich, größere Aufträge in diesem Jahr zu gewinnen. „Allerdings müssen wir dazu unsere Kompetenzen den sich weiter ändernden Marktanforderungen anpassen“, erläuterte Segula. Das könnte etwa mit der Elektromobilität zusammenhängen.

Mit Abbau-Ankündigung überrascht

Segula-Geschäftsführer Martin Lange hatte im August mit der Nachricht vom geplanten Stellenabbau die Öffentlichkeit wie die Belegschaft überrascht. Denn ein gutes halbes Jahr zuvor hatte das Unternehmen noch 150 Mitarbeiter eingestellt und zusätzliches Personal gesucht. Doch ließ er mitten Sommer unvermittelt wissen, zu wenig Arbeit für 300 Beschäftigte zu haben. Die Botschaft übermittelte er per Video. Seinerzeit hatte Lange unter anderem in Rüsselsheim schon seit einem Vierteljahr Kurzarbeit veranlasst angesichts des Nachfrageeinbruchs in Folge der ersten Welle der Corona-Pandemie. In Rüsselsheim betreibt Segula einen Teil des Entwicklungszentrums von Opel und hat etwa 750 frühere Mitarbeiter des Autobauers übernommen.

Die Gewerkschaft will vor dem Schlichter nicht nur die Zahl der wegfallenden Stellen drücken. Wie es heißt, strebt sie zudem eine Transfergesellschaft an. In einer solchen Einrichtung werden Beschäftigte weiterqualifiziert. Das sei notwendig, um gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben.

„Segula muss weitere Kunden gewinnen“

Gewerkschafter meinen mit Blick auf die Neueinstellungen vor gut einem Jahr, das deutsche Segula-Management sei zu optimistisch gewesen, vor allem mit Blick auf die Aufträge von Unternehmen aus der Autobranche neben Opel. Auf die Bestellungen der Marke mit dem Blitz könnte der Zulieferer zählen. Doch die reichten nicht aus, um die Belegschaft gut beschäftigen zu können. Segula müsse mehr Kunden und Aufträge gewinnen.

Die Sprecherin von Segula ließ dazu wissen, die Pandemie habe es erschwert, mit möglichen Kunden ins Gespräch zu kommen. Seit dem Start im September 2019 in Rüsselsheim habe das Unternehmen aber rund 80 neue Kunden aus der Automobilindustrie erschließen können. Und: „Wir haben heute bestehende Aufträge mit allen großen deutschen Herstellern.“

Derweil warten laut Gewerkschaft etwa 30 Segula-Mitarbeiter auf ihren Kammertermin beim Arbeitsgericht Darmstadt. Sie klagen auf ihre Wiedereinstellung bei Opel. Der Gütetermin bei Gericht verlief demnach ergebnislos.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot