Schlechter Mobilfunk

Regierung im Funkloch

Von Ralph Bollmann, Berlin
22.01.2022
, 19:56
Kein Anschluss in der Bahn
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Niemand erfasst, wie es ums Surfen im Zug und auf Autobahnen wirklich steht. Das Digitalministerium verweist auf die „Funkloch-App“, mit der private Nutzer etwaige Lücken melden können.
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Die Bundesregierung ist über den Stand des Mobilfunkausbaus entlang der Autobahnen und ICE-Strecken offenbar nicht im Bilde. „Die Überprüfung der Versorgungsauflage entlang der Hauptverkehrswege durch die Bundesnetzagentur hat ergeben, dass diese vollständig mit LTE versorgt sind“, schreibt das Digitalministerium des Ressortchefs Volker Wissing (FDP) in seiner Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, die der F.A.S. vorliegt.

LTE umschreibt hier den 4G-Standard im Mobilfunk, der schnelles Surfen und störungsfreies Telefonieren ermöglichen soll. Die Netzbetreiber hatten sich dazu eigentlich verpflichtet, freilich weiß jeder Autofahrer und Bahnreisende um die bestehenden Lücken im Netz. Zugleich räumte das Ministerium ein, den Stand der Netzabdeckung noch gar nicht flächendeckend überprüft zu haben. „Insgesamt wurden bislang im Rahmen der Über­prüfung der Versorgungsauflagen auf ca. 2550 km Messungen entlang der Autobahnen vorgenommen“, schreibt das Ministerium.

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Das ist nicht einmal ein Fünftel des deutschen Autobahnnetzes, das insgesamt 13.200 Kilometer umfasst. Technisch möglich sei mit den vorhandenen Personal- und Sachmitteln aber die Überprüfung von bis zu 5000 Straßenkilometern pro Woche, heißt es weiter. Die Überprüfung erfolge gleichwohl nur „in ausgewählten Referenzregionen mit unterschiedlichen Siedlungsstrukturen, deren Auswahl ein hinreichend repräsentatives Bild ergibt“.

Kritik: Neue Regierung „noch nicht in der Realität angekommen“

Vollständig erfasst wird die Mobilfunkabdeckung demnach nicht, stattdessen verweist das Ministerium auf die vor gut drei Jahren in Betrieb genommen „Funkloch-App“, mit der private Nutzer etwaige Lücken beim Surfen und Telefonieren melden können.

Bei der Opposition stößt das auf Kritik. „Beim Mobilfunkausbau scheint die neue Bundesregierung noch im Nebel zu funken“, sagte die stellvertretende Vorsitzende der Unionsfraktion im Bundestag Nadine Schön. „Die Menschen erleben weiterhin auf ICE-Strecken und auf der Autobahn Verbindungsabbrüche.“ Spätestens bei der Vergabe weiterer Mobilfunkfrequenzen müsse die neue Bundesregierung auf die richtigen Versorgungsauflagen setzen und den Ausbau in der Fläche zügig voranbringen. Der digitalpolitische Sprecher der Fraktion, Reinhard Brandl, kritisierte, die neue Regierung sei „noch nicht in der Realität angekommen“. Zudem dürften auch die Städte nicht vergessen werden. „So könnte eine durchgängige Mobilfunkversorgung in U-Bahnen beziehungsweise unterirdischen S-Bahnen die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs attraktiver machen“, äußerte Brandl.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Bollmann, Ralph
Ralph Bollmann
Korrespondent für Wirtschaftspolitik und stellvertretender Leiter Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.
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