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Nervig und nützlich

Wenn der Rauchmelder piept

Von Carsten Knop
 - 14:06
Typischer Fall: Ein handelsüblicher Rauchmelder unter der Decke

Alle 30 Sekunden dieses höhnische Piepsen. „Rauch aber vermeldete der Rauchmelder definitiv nicht. Denn zum einen war nichts Brand-ähnliches zu riechen und zu sehen. Und zum anderen hörte sich das Alarmsignal anders an. Das wusste ich seit den zu scharf angebratenen Würstchen wenige Monate zuvor. Eine kurze Google-Suche legte nahe, dass die Batterien leer seien. Auf andere Fragen fand sich jedoch keine Antwort: Wer hat nachts um 4 Uhr Rauchmelderbatterien zur Hand? Wie wechselt man die? Wann hört dieses schrille Piepsen wieder auf? Und welcher Sadist hat sich ausgedacht, dass ein Intervall von 30 Sekunden perfekt wäre?“, schreibt die genervte Kollegin.

In dieser Zeitspanne frage man sich nämlich alles Mögliche: Ob das wohl der letzte Ton gewesen sei? Ob man nun wieder ins Bett könne? Oder, ob das die ganze Nacht so weitergehe? Bis dann die Batterien komplett leer seien. Und man am nächsten Tag wie in einer Edgar-Allan-Poe-Geschichte als irres Häufchen zusammengekauert in einer Ecke gefunden werde. Mit verzerrtem Gesicht, das schrille Geräusch wiederholend, an die Decke deutend.

Doch: „Nach rund zehn Minuten war der Spuk vorbei. Und da man nun sowieso nicht mehr einschlafen konnte, durchstöberte man noch ein paar Foren der vom Rauchmelder-Sadismus-Gequälten. Eine dort zirkulierende Verschwörungstheorie besagt, dass die Dinger ihre Warnsymphonie mit Vorliebe nachts zwischen 3 und 4 Uhr beginnen.“

Nur Wasserdampf von der Dusche

Es gibt eine Menge Rauchmelder-Geschichten: „Bei uns ist schon zweimal eines der Dinger angesprungen, beide Male, weil Wasserdampf vom Duschen in den Flur gezogen war. Der Alarm ist ohrenbetäubend, so dass es einem fast körperlich wehtut. Ganz zu schweigen von dem Stress, eine Leiter herbeizukramen und mit einem Besenstiel darauf steigen zu müssen, um dem Melder wieder zu deaktivieren. Das Ganze nur mit einem Handtuch bekleidet und triefend nass, weil man ja gerade aus der Dusche kommt …“

Solche und ähnliche Erlebnisse mit ihren Rauchmeldern haben viele. Schon eine kleine Umfrage zeigt, dass die runden, weißen Geräte an der Zimmerdecke zum ständigen Gesprächsthema in Familien geworden sind, bis hin zu den Kleinsten: „Dass mein Sohn derzeit ungefähr 30 Mal am Tag „Mauchmelder kaputt“ sagt. An dem ‚R‘ arbeite ich mit ihm noch. Und am Batterieauswechseln auch noch …“ Aber es gibt auch Stimmen, die das Thema so ernst nehmen, wie es wohl ist: „Also, ich ärgere mich immer darüber, dass der Mann, der unter uns wohnt, aus seinem Rauchmelder die Batterien genommen hat, schon zwei Mal betrunken eingeschlafen ist und fast unsere Bude abgefackelt hätte.“

In fast allen Bundesländern sind die Geräte deshalb längst Pflicht. In Hessen zum Beispiel gilt seit Dezember 2014 die Rauchmelderpflicht für Neubauten, genehmigungspflichtige Umbauten sowie Bestandsbauten. Sie müssen in Schlaf- und Kinderzimmern sowie Fluren, die als Rettungswege dienen, montiert sein. In Paragraph 13, Absatz fünf, der Hessischen Bauordnung heißt es zudem: „Die Sicherstellung der Betriebsbereitschaft obliegt den unmittelbaren Besitzerinnen und Besitzern, es sei denn, die Eigentümerinnen oder die Eigentümer haben diese Verpflichtung übernommen.“

Rauchmelder können Leben retten

Rauchmelder können in der Tat Leben retten. Gerade in der Nacht kann es sein, dass man zu spät bemerkt, dass sich ein Feuer in den eigenen vier Wänden ausbreitet. In den vergangenen 20 Jahren ist laut Statistischem Bundesamt die Zahl der Toten durch Rauch, Feuer und Flammen deutlich gesunken. Dazu könnte die Rauchmelderpflicht ihren Teil beigetragen haben. Doch warum nur bereiten die Geräte so viel Verdruss? „Ein Kollege von mir hat während einer sechswöchigen Italienreise in meiner Elternzeit auf unsere Wohnung aufgepasst: Briefkasten geleert, Blumen gegossen und nach dem Rechten geschaut. Als sich der Urlaub dem Ende neigte, haben wir miteinander telefoniert, ob alles soweit in Ordnung war. Er meinte, ja, alles gut, nur war da dieses komische Ding, das die ganze Zeit gepiepst hat. Das hab ich abmontiert, sagte der Kollege, und die Batterie herausgenommen. Wir rätselten während der Rückreise, was das gewesen sein könnte. Als wir nach Hause kamen, wussten wir es: Auf meinem Schreibtisch lag der zerlegte Rauchmelder.“

„Robert, wir müssen endlich Rauchmelder installieren.“ „Hm.“ „Robert!“ „Aber die sind so hässlich.“ „Es gibt auch welche, die sehen ganz gut aus.” Aber die sind so groß.“ „Es geht um unsere Sicherheit!“ „Es gibt auch welche, die kommunizieren mit dem Smartphone. Sehen auch gut aus.“ „Hast Du gesehen, was Die kosten, Robert!“ „Hm“ „Vorschlag: Ich bestelle und Du montierst. Geht ganz einfach mit Magneten.“ „Na gut.“ „Robert, die Rauchmelder sind heute angekommen!“

Keine Warnung vor Kohlenmonoxid

Ein Kollege spendet Trost: „Wenn die Dinger erstmal hängen, hält sich der Nervfaktor zugegebenermaßen halbwegs in Grenzen.“ Allerdings: “Einmal im Jahr kommen Leute zur (teuren) Überprüfung vorbei, das gilt auch für die Rauchmelder in Büros. Mir ist einer mal mit falschem Alarm losgegangen, weil ich im Kamin ziemlich stark geheizt habe, aber das lässt sich per Knopfdruck schnell ausschalten, sobald man die Leiter gefunden hat. Tatsächlich gab es in dem Mietshaus aber auch mal einen echten Fall, wo der Rauchmelder zum Glück die Nachbarn alarmiert hat, die dann noch rechtzeitig die Feuerwehr gerufen haben. Manche Experten sagen aber, dass die Rauchmelder sogar zur Nachlässigkeit verführen können, nach dem Motto: Ich lasse den Adventskranz brennen und lege mich ins Bett, falls etwas passiert, wird mich der Rauchmelder schon rechtzeitig alarmieren.“

Vor dem tödlichen Kohlenmonoxid warnen diese Geräte übrigens nicht. Dafür braucht man extra Geräte, die weit unten in der Nähe des Bodens angebracht werden müssen, aber nicht verpflichtend sind. Ökonomisch problematisch ist es zudem, dass für Mietshäuser der Eigentümer beziehungsweise die Hausverwaltung die Geräte anschafft und die Bewohner für die Kosten der Wartung (nicht der Anschaffung) zahlen. Die Anbieter ‚verschenken‘ daher die Geräte gern zu Minipreisen - und schlagen die Kosten auf die Wartung drauf, damit die Preisempfindlichkeit der Eigentümer sinkt.

Teure Überprüfungen

Apropos Überprüfung: „Einmal im Jahr kommt dieser Mensch, der die Rauchmelder checkt. Der braucht dafür drei Minuten, um mit einem besenstielähnlichen Gestänge alle Melder zu testen. Dafür muss man sich aber trotzdem den halben Tag freinehmen, weil der natürlich in der ganzen Nachbarschaft unterwegs ist und nicht genau timen kann, wann er bei dir klingelt.“ Feuerwehren haben auch schon davor gewarnt, dass sich Verbrecher fälschlich als Kontrolleure ausgewiesen haben: Sie seien mit einem roten Kleinbus und Blaulicht unterwegs gewesen. Als Rauchmelder-Kontrolleure getarnte Trickbetrüger schleichen sie sich so in fremde Wohnungen ein. Wichtig zu wissen: Die Feuerwehr und auch Mitarbeiter anderer Behörden haben keinen Auftrag, die Einhaltung der Rauchmelderpflicht zu kontrollieren. Im Zweifelsfall sollten die Bewohner die Polizei rufen.

Sind „Smart Home“-Feuermelder die Lösung? Smart Home bedeutet, dass die Rauchmelder beispielsweise mit dem Smartphone verknüpft sind und an dieses bei Feuer eine Warnung schicken. So erfährt man vom Brand auch, wenn man selbst nicht zuhause ist. Der Rauchmelder eignet sich vor allem für Haushalte, in denen sowieso schon Smart Home Elemente eingesetzt werden. „Bei uns bekam dann immer die ganze Familie einen Alarm, wenn der Teenager-Sohn in der Küche gekocht hat.“ Immerhin, auch das ist ja manchmal gut zu wissen.

Unter Mitarbeit von Marco Dettweiler, Johanna Dürrholz, Robert Wenkemann, Maria Wiesner, Mark Fehr, Felix Hooß, Jan Ehrhardt und Martin Benninghoff.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Knop, Carsten
Carsten Knop
Chefredakteur digitale Produkte.
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