Digitalkonferenz DLD

Kasparow: „Wir werden nicht überflüssig“

20.01.2020
, 14:56
Der frühere Schachweltmeister ist Technik-Optimist. Das gilt auch für die Künstliche Intelligenz - deren Kompetenz gerade er als einer der ersten erlebte.

Heute spricht jeder über Künstliche Intelligenz, weitreichende Vorhersagen machen die Runde, Spekulationen darüber, wie viele Arbeitsplätze sich verändern, verschwinden, dazukommen. Garry Kasparow gehört zu den Optimisten. „Maschinen werden Menschen nicht ersetzen, sondern sie ergänzen“, sagt er auf der Digitalkonferenz DLD in München. Gerade Kasparow hat sozusagen am eigenen Leib erfahren, welche Fortschritt die Leistungsfähigkeit von Computern macht - schon vor Jahrzehnten.

In den neunziger Jahren verlor der langjährige Schachweltmeister ein spektakuläres Match gegen den Computer Deep Blue. Wenn er davon spricht, ist ihm immer noch leicht anzumerken, dass er sich darüber ärgert. Andererseits macht er einmal mehr klar, worum es auch gegenwärtig immer noch geht: Darum, dass Computerprogramme in speziellen Bereichen eine ähnliche oder höhere Kompetenz erreichen wie das menschliche Gehirn - Schach ist so ein Bereich, ein Spiel, das bestimmte Eigenschaften hat, klare und bekannte Regeln etwa und ein begrenztes Spielfeld.

Kasparow erinnerte daran, dass seit der Erfindung der Computer das Ziel der Profession darin bestand, im Grunde zum menschlichen Denkvermögen aufzuschließen. „Der Skalp eines Schachweltmeisters war der heilige Gral der IT“, schmunzelte er.

Mittlerweile geht es natürlich um viel mehr als Spielerei. Nach Schach besiegten anderen Programme die weltbesten Spieler im traditionsreichen und ungleich komplizierten Brettspiel Go, unlängst auch in bestimmten Varianten von Poker. Zudem haben Durchbrüche gerade im sogenannten maschinellen Lernen dazu geführt, dass Tech-Konzerne mittels dieser Technologie heutzutage wirklich deutlich mehr Geld verdienen. Alphabet (Google), Amazon, Microsoft und Facebook heuern auch weiterhin KI-Talente rund um den Globus an.

Kasparow erklärt wiederum in München, dass auch diese Schlüsseltechnologie schlussendlich mehr Wohlstand bringen wird. „Ja, bestimmte Arbeit wird von Computern übernommen, aber immer noch bleibt genug Raum für Menschen, gerade wenn es um Kreativität geht.“ Er, Kasparow, spreche zudem anstelle von Künstlicher Intelligenz lieber von „Erweiternder Intelligenz“ („Augmented Intelligence“). Ohnehin befand Kasparow: „Technologie ruiniert uns nicht, Technologie ist ein Grund, aus dem wir so ein gutes Leben und Zeit haben, uns über Technologie zu beschweren.“

Möglicherweise werden künftig weniger Menschen beispielsweise in der Finanzindustrie arbeiten, sagte Kasparow voraus, dafür könnten sie sich andere Aufgaben erschließen, etwa die Exploration des Weltraums oder der Tiefsee. „Wir werden nicht überflüssig“, sagte Kasparow mit Blick auf die Künstliche Intelligenz: „Tatsächlich werden wir promoviert“.

Quelle: ala.
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