Digitalkonferenz DLD

Mit einem Glas Sojamilch gegen den Krebs?

Von Jessica von Blazekovic, München
20.01.2020
, 07:32
William Li ist überzeugt, dass sich bestimmte Krankheiten durch Ernährung heilen oder vorbeugen lassen. Geht es zur Behandlung also bald auf den Wochenmarkt anstatt in die Apotheke?

Ein Apfel am Tag hält den Doktor fern - wer kennt dieses Sprichwort nicht. Dass die Ernährung einen großen Einfluss auf die Gesundheit des Menschen hat, ist eine Binsenweisheit. Schon der alte Hippokrates sagte lange bevor Grühnkohl-Smoothies Trend wurden: „Lass Nahrung deine Medizin sein.“

Was der amerikanische Wissenschaftler und Gründer der Angiogenesis Stiftung William Li (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen chinesischen Milliardär und NIO-Chef) allerdings auf der Bühne der Digitalkonferenz DLD in München sagte, war dann doch eine kleine Revolution: Ein Glas Sojamilch am Tag soll ausreichen, um das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, um fast 30 Prozent zu senken? Was das Ergebnis einer Studie mit 5000 Teilnehmerinnen ist, ist Li zufolge in zahlreichen anderen Untersuchungen wissenschaftlich belegt worden - und nur ein Beispiel dafür, wie der menschliche Körper auf Nahrungsmittel reagiert.

Tomaten gegen Prostata-Krebs

Li versucht, es einfach zu erklären: Sich ausbreitende Blutgefäße halten einen Tumor am Leben, versorgen ihn mit Blut, lassen ihn wachsen. In der Medizin versuche man, sagt der Wissenschaftler, die Ausbreitung der Blutgefäße mit Medikamenten zu stoppen, den Krebs sozusagen auszuhungern. Und das mit Erfolg. Li zeigt die Aufnahme eines Blutgefäßes vor und nach der Behandlung: Links ein dicht verästelter Strahlenkranz feinster Blutgefäße, rechts: nichts.

Einen ähnlichen Effekt könnten bestimmte Lebensmittel erzielen, die ganz einfach auf dem Wochenmarkt zu finden seien, sagt Li. Wieder zeigt er die Aufnahme eines Blutgefäßes vor und nach der Behandlung mit einem aus der Sojabohne extrahierten Wirkstoff: Auch hier konnte die Ausbreitung der Blutgefäße unterbunden werden.

Li ist überzeugt, dass chemische Strukturen in Nahrungsmitteln wie der Sojabohne, die dort eine Art Verteidigungsfunktion für die Pflanze einnehmen, auch die Gesundheit des Menschen schützen können. Sein Ted-Talk „Können wir mit unserem Essen Krebs aushungern?“ wurde schon über 1 Million Mal angesehen. Über seine Arbeit hat er im März vergangenen Jahres auch ein Buch veröffentlicht mit dem Titel „Eat to beat disease“.

Weil er das natürlich verkaufen möchte, zeigt er in München die Folien nur kurz, auf denen Lebensmittel aufgelistet sind, die gegen bestimmte Krankheiten wirkungsvoll sein sollen. Die Zuschauer aber haben ihre Smartphones schon gezückt und knipsen drauf los. Denn es klingt fast zu schön um wahr zu sein: Zwei Tassen dunkle heiße Schokolade oder Schwarzer Tee am Tag fördern demnach die Produktion von Stammzellen, zwei Kiwis am Tag wiederum sollen das Aufkommen des die Darmflora unterstützenden Bakteriums Laktobazillus um 35 Prozent innerhalb von 24 Stunden erhöhen. Der in Tomaten enthaltende Stoff Lycopin helfe gegen Prostata-Krebs, Granatapfel unterstütze die Immuntherapie. Wird eine Grippeimpfung mit Brokkoli-Sprossen begleitet, sei sie wirksamer.

„Die Zukunft der Lebensmitteltechnologie liegt nicht nur darin, neue Technologien zu entwickeln, sondern erst wirklich zu verstehen, was mit dem Körper passier, wenn schon bestehende Technologien kombiniert werden“, sagt Li. „Pharma und Farm“ würden indes nicht miteinander konkurrieren, sondern sich ergänzen.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Sadeler, Jessica
Jessica von Blazekovic
Redakteurin in der Wirtschaft.
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