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DLD-Chefin Steffi Czerny

„Uns fällt es viel leichter zu kritisieren, als selbst etwas zu tun“

Von Jessica von Blazekovic
 - 15:26
Steffy Czerny im Jahr 2019 auf der DLD-Konferenz

Das diesjährige Motto der DLD lautet „What are you adding“ – also „Was ist dein Beitrag?“. Was hat es damit auf sich?

Die digitalisierte, globalisierte Welt bietet uns große Chancen, sie stellt uns aber auch vor gewaltige Herausforderungen. Es werden derzeit viele gesellschaftliche Probleme thematisiert, aber uns fällt es viel leichter zu kritisieren, als selbst etwas zu tun. Ich bin der festen Überzeugung, dass jeder von uns die Aufgabe und Möglichkeit hat, sich aktiv einzubringen – im Geschäftsleben, durch gesellschaftliches, wissenschaftliches oder politisches Engagement, aber auch im persönlichen Leben. Mit dem diesjährigen Motto „What are you adding?“ – Betonung auf YOU– wollen wir den jetzt notwendigen internationalen Diskurs mit herausragenden Vorbildern unserer Zeit anregen. Damit die Welt eine bessere wird, sollte sich jeder nach seinem eigenen Beitrag fragen und sich aktiv einbringen. Das Motto ist also ein Aufruf zum Handeln und lässt bewusst offen, auf welchem Gebiet.

Dieses Jahr werden über 200 Vortragende aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kultur auf der DLD erwartet. Was ist ihr besonderer Beitrag?

Das Besondere an DLD ist, dass wir Menschen in Kontakt bringen, die sich gegenseitig inspirieren, selbst wenn sie im Alltag oft wenig miteinander zu verbinden scheint – Kreative und Wissenschaftler, Jung und Alt, Industrielle und Aktivisten, Politiker und Künstler. Mir ist es wichtig, kreative und sinnstiftende Dialoge anzustoßen, die über das Programm hinausgehen.

Können Sie ein paar Namen nennen?

Ich freue mich zum Beispiel auf den Computerwissenschaftler Sebastian Thrun, der von einem weltverändernden Thema zum nächsten springt. Er lehrte Künstliche Intelligenz in Stanford und wurde dann von Google-Gründer Larry Page damit beauftragt, die Forschungsabteilung Google X aufzubauen. Später gründete er mit Udacity eine Online-Akademie, die schon Millionen Studenten in Computerwissenschaften ausgebildet hat. Spannend wird auch der Vortrag von der Digitalaktivistin Joy Buolamwini vom MIT Media Lab, die Vorurteile in Algorithmen bekämpft. Auch den Facebook-Investor Roger McNamee, der inzwischen sehr kritisch über Mark Zuckerberg denkt, oder den Designer Gadi Amit, der unter anderem das Fitbit-Armband gestaltet hat und jetzt an innovativen Hausideen arbeitet, sollte man nicht verpassen. Ebenso wie den ehemaligen Schachweltmeister Garry Kasparov oder den Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, die auch als Sprecher bei DLD sein werden. Und natürlich Tristan Harris, der als das Gewissen des Silicon Valleys gilt und auf den ich mich besonders freue.

Einen großen Block der Sprecher machen Künstler aus. Welche Rolle nehmen sie in der fortschreitenden Digitalisierung unserer Welt ein?

Künstler waren schon immer ein wichtiger Bestandteil des DLD-Programms und liegen mir besonders am Herzen. Als Seismographen unserer Zeit spielen sie eine so wichtige Rolle und werden doch oft übersehen, dabei lassen sich gesellschaftliche Entwicklungen und Veränderungen früh an künstlerischem Ausdruck erkennen. Wir werden bei DLD zehn Sprecher aus dem künstlerischen Bereich auf der Bühne begrüßen, beispielsweise den Multimedia-Künstler Alex Israel gemeinsam mit dem Snapchat-Gründer Evan Spiegel. Sie werden aufzeigen, wie immersives Storytelling funktioniert – eines der wie ich glaube großen Medienthemen der Zukunft. Künstler können auch schwer verständliche Themen entmystifizieren. Denn wer weiß schon, wie eng Kunst und Mathematik miteinander verwandt sind? Bei DLD20 werden sich der Oxford-Professor Marcus du Sautoy und der mexikanische Künstler Eduardo Terrazas über den „Creativity Code“ unterhalten.

Welche Themen werden die DLD dieses Jahr besonders beschäftigen?

Ein wichtiges Thema für Burda und DLD Munich sind Demokratie und freie Rede und die Aufgabe des Journalismus, diese zu verteidigen. Wie steht es um die Zusammenarbeit in Europa? Werden wir zur Ideenfabrik für Amerika und China degradiert oder gelingt es uns, dem Klammergriff zu entgehen und eigene Visionen voranzutreiben? Wir widmen auch einen großen Themenblock der Quantentechnolgie. Stellen wir uns nur einmal vor, was passiert, wenn diese tatsächlich im Alltag zum Einsatz kommt und wie sehr sich die Welt entlang der Schnelligkeit von Quantencomputern verändern wird. Darauf müssen wir uns schon jetzt vorbereiten und um Aufklärung bemühen, damit wir die Entwicklungen in diesem Bereich aktiv mitgestalten können. Auch zum Thema Gesundheit haben wir zwei faszinierende Themen auf der DLD-Agenda: Der britische Forscher Robin Carhart-Harris wird über die medizinische Wirkung von psychedelischen Drogen sprechen bei der neuen Volkskrankheit Depression. Und der Amerikaner William Li erklärt, wie Ernährung helfen kann, Krebs zu besiegen. Darüber hinaus werden wir uns bei DLD auch mit dem neuen Aufbruch ins Weltall beschäftigen.

Die neue EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wird auf der DLD über die Digitalisierung in Europa sprechen. Was erwarten Sie von ihrer Amtszeit?

Frau von der Leyen hat in ihrer Antrittsrede vier Themen genannt, die sie in den Fokus stellen möchte: Europa zwischen Amerika und Asien, Ökologie, Geschlechtergerechtigkeit und Digitalisierung. Sie hat verstanden, was wichtig ist und ich hoffe sehr, dass sie die hier notwendigen Veränderungen durchsetzen kann.

Stichpunkt Parität: Wie ist es damit auf der DLD bestellt?

Uns war es immer schon wichtig, eine Ausgewogenheit zwischen Männern und Frauen auf der DLD-Bühne herzustellen. Wir gehen in diesem Jahr sogar ganz explizit in einem Panel der Frage nach, wie es um die Geschlechtergleichheit in Zeiten der Digitalisierung steht. Eine andere Diskussionsrunde beschäftigt sich mit der Frage, ob Frauen anders investieren als Männer. Grundsätzlich birgt die Digitalisierung für uns Frauen Chancen und Risiken gleichermaßen – ich sehe aber immer mehr die Chancen als die Risiken. Durch flexibles Arbeiten von zu Hause können Frauen heutzutage zum Beispiel viel besser Familie und Beruf vereinbaren als früher. Risiken sehe ich beispielsweise im Bereich Femtech bzw. Fitness- und Verhütungs-Apps: Mit den dort gesammelten Daten wird derzeit noch viel Schindluder getrieben.

Das Jahr 2019 war das Klimajahr. Überall auf der Welt gingen Millionen vor allem junge Menschen auf die Straße, Greta Thunberg wurde zur Symbolfigur im Kampf gegen den Klimawandel. Spielt das auch auf der DLD eine Rolle?

Der Klimawandel und nachhaltiger Konsum sind ganz entscheidende Themen unserer Zeit, deshalb nehmen sie eine wichtige Rolle bei der DLD ein. Wir geben zum Beispiel in einem mehr als einstündigen Block zehn spannenden Innovatoren im Bereich Nachhaltigkeit die Möglichkeit, ihre Visionen für eine bessere Zukunft vorzustellen. Darüber hinaus widmen wir uns in einem Vortrag dem Thema nachhaltige Investments. Immer mehr Banken und Investoren suchen nach ökologischen Alternativen und es gibt bereits viele Start-up-Initiativen in diesem Bereich. Ich hoffe sehr, dass die Fridays-For-Future-Bewegung wirklich etwas in Gang setzen kann, wir offener den Herausforderungen unserer Zeit begegnen und konkrete Lösungen erarbeiten, als nur Kritik zu äußern.

Viele Messen und Konferenzen in Deutschland sind gescheitert oder kämpfen um ihr Überleben, etwa die Cebit oder die Internationale Automobilausstellung. Wie steht es um die DLD?

Anders als viele andere Konferenzen ist die DLD nicht nur eine Veranstaltung, sondern ein internationales, interdisziplinäres Netzwerk. Viele Sprecher kommen immer wieder zu uns – nicht nur, um einen Vortrag abzuliefern, sondern um sich zu vernetzen, ihr Netzwerk zu pflegen und auszubauen. Was an der Coffeebar und auf den verschiedenen Abendevents passiert ist mindestens genauso wichtig wie das Geschehen auf der Bühne. So sind auf der DLD auch schon viele Investitionen entstanden und Partnerschaften geschlossen worden. Deshalb fordere ich meine Mitarbeiter auch dazu auf, zu jedem Namen ein Gesicht zu kennen, damit sie aktiv dazu beitragen können, die Teilnehmer untereinander zu vernetzen. Ich selbst renne während der DLD-Konferenz von Person zu Person, von Panel zu Panel. Andere machen eine Neujahrs-Diät, ich mache DLD.

Ein Ticket für die DLD kostet über 3000 Euro. Schließt das nicht weniger zahlungskräftige Gruppen der Gesellschaft davon aus, Teil des Netzwerkes zu werden?

Wir vermarkten die DLD nicht an ein breites Publikum, sondern richten uns gezielt an eine ausgewählte Gruppe von Entscheidern und Innovatoren, die Unternehmen und Themen voranbringen wollen. Nicht alle Teilnehmer bezahlen den vollen Preis, es gibt auch ein Kontingent kostenloser Tickets für Wissenschaftler, Studenten, Start-ups und andere spannende Organisationen. Ich finde es aber normal, dass Unternehmer und Investoren, die auf der DLD auch neue Kunden ansprechen und Geschäfte abschließen können, einen entsprechenden Preis für ihre Teilnahme zahlen.

DLD steht für Digital Life Design. Die Konferenz wird seit dem Jahr 2005 von Hubert Burda Media organisiert und findet dieses Jahr vom 18. bis 20. Januar zum 16. Mal in München statt. Darüber hinaus gibt es weitere Events in anderen Städten, zum Beispiel Singapur und Tel Aviv.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Sadeler, Jessica
Jessica von Blazekovic
Redakteurin in der Wirtschaft.
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