Digitalkonferenz DLD

Europa könnte führend für Quantentechnologie werden

Von Bastian Benrath, München
19.01.2020
, 08:12
Quantentechnologie eröffnet faszinierende neue Möglichkeiten. Fachleute sind durchaus optimistisch – auch für Europa.

Europa? In Digitalfragen abgemeldet. Die Geschäfte? Machen Amerikaner und Chinesen. Neue Technologien? Entstehen nicht bei uns. So ungefähr könnte man die verbreitete Meinung zusammenfassen, wenn es um digitale Innovationen geht. Doch folgt man einem mit führenden Fachleuten besetzen Panel auf der Digitalkonferenz DLD, gibt es eigentlich das Potential, in einer bahnbrechenden neuen Technologie führend zu werden.

Quantencomputer sind in der Lage, bestimmte Rechnungen in einem Bruchteil der Zeit zu lösen, die ein herkömmlicher Computer braucht. Fachleute von Google stellten im Herbst des vergangenen Jahres einen Quantenrechner vor, der Rechnungen lösen könnte, die auf einem normalen überhaupt nicht möglich wären. Zum Beispiel für Optimierungsprobleme sind Quantencomputer gut – etwa für intelligente Verkehrsplanung eröffnet das faszinierende Möglichkeiten.

Das gilt zum Beispiel auch für den Luftverkehr. Deshalb ist Airbus sehr an der Technologie interessiert. Grazia Vittadini, Chefingenieurin des europäischen Flugzeug-Champions erinnerte auf der Digitalkonferenz DLD in München an das klassische Problem des Handlungsreisenden: Wenn er nacheinander 15 Städte besuchen will, gibt es mehr als 40 Milliarden verschiedene Routen, die er wählen könnte. „Wir erreichen einfach das Maximum an Transistoren, die wir auf einen Chip schweißen können“, sagte Vittadini: „Um unsere Bedürfnisse an Rechenleistung zu befriedigen, brauchen wir Quantencomputer.“

Angesichts von Prognosen, dass der Luftverkehr in Zukunft weiter stark zunehmen werde, sei Rechenleistung auch für die Konstruktion neuer Flugzeugtypen entscheidend: „Wir wollen die ersten sein, die ein Flugzeug ohne Emissionen abheben lassen“, sagte die Chefingenieurin des kürzlich zum größten Flugzeugherstellers der Welt aufgestiegenen Konzerns.

Die deutsche Physikerin Heike Riel, eine der führenden Quantenforscherinnen von IBM, erinnerte daran, dass ein Jahr bevor Google seinen 53-Qubit-Rechner vorgestellt habe, der beste Quantencomputer gerade mal 10 Qubits gehabt habe. In den achtziger Jahren, als die physikalischen Grundlagen der Technologie gelegt wurden, „war das so weit weg“, sagte sie. Nun schreite die Entwicklung rasend schnell voran.

„Europa kann führend werden“

„Es ist faszinierend, die Technologie wird alles verändern“, sagte auch Helmut Leopold, Leiter des Leiter des Center for Digital Safety & Security am Austrian Institute of Technology (AIT), einem der größten Forschungszentren Österreichs. Doch er betonte auch vor allem eins, mit Blick auf Europa: „Wir müssen Zutrauen in unsere Länder aufbauen.“ Europa brauche viel Kooperation in der Entwicklung der Quantentechnologie, doch die Kenntnisse seien da. „Ich denke, wir sollten viel mehr Vertrauen in unsere Fähigkeiten haben“, sagte Leopold.

Insbesondere müsse Europa Ökosysteme aufbauen, in denen alle relevanten Stakeholder, etwa aus Universitäten und Industrie, Start-ups und öffentlicher Hand zusammenarbeiten, sagte Gabi Dreo, leitende Direktorin des Forschungsinstituts CODE an der Universität der Bundeswehr München und Moderatorin der Diskussion, später der F.A.Z. Das bezieht sich sowohl auf Cybersicherheit als auch auf Quantentechnologie. „Europa hat immens viel in die Forschung im Bereich der Quantentechnologien investiert, nun muss es auch die Produkte und Dienste entwickeln“, sagte sie. „Europa hat die Möglichkeit, Technologieführer im Bereich der Quantentechnologie zu werden. Nun heißt es, die Chance zu ergreifen.“

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Benrath, Bastian
Bastian Benrath
Redakteur in der Wirtschaft.
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