Jimmy Wales

„Fake News haben keine Auswirkungen auf Wikipedia“

Von Bastian Benrath, München
20.01.2020
, 17:51
Der Wikipedia-Gründer weist den Fake-News-Vorwurf zurück: Wikipedianer seien geübt darin, falsche Informationen auszusieben. Auch über Hitler müsse man auf Grundlage von Fakten schreiben.

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales hat im Gespräch mit der F.A.Z. unterstrichen, dass die Informationen in der Online-Enzyklopädie korrekt seien. „Fake News haben fast keine Auswirkungen auf Wikipedia“, sagte Wales während der Digitalkonferenz DLD in München. Das liege daran, dass Wikipedia-Autoren daran gewöhnt seien, Informationen zu überprüfen. Deshalb würden Fake News enttarnt, bevor sie es in die Enzyklopädie schafften.

„Für die virale Verbreitung von Fake News sind keine Wikipedianer verantwortlich. Es sind normale Menschen, die sich mit Medien nicht viel beschäftigen, etwas sehen, was sie aufregt oder ängstigt und das teilen, ohne darüber nachzudenken“, sagte Wales. „Und das ist ein Problem.“

Die Wikipedia habe stattdessen eher ein Problem damit, dass es weniger Journalisten gebe als früher. Die Artikel der Enzyklopädie basieren häufig auf journalistischen Quellen. Wales sagte weiter, eine der fundamentalen Eigenschaften der Wikipedia sei ihr neutraler Standpunkt. „Es ist wichtig, dass wir versuchen, auch über – zum Beispiel – Adolf Hitler auf Basis von Fakten zu schreiben“, führte er aus. „Niemand sollte ohne Grund nur negativ sein.“

Dieser faktengetriebene Ansatz sei auch ein Hilfsmittel gegen Populismus. „Ich denke, sogar sehr gegen Donald Trump eingestellte Mitglieder der Wikipedia-Gemeinschaft glauben daran, dass die effizienteste Art gegen ihn zu sein ist, schonungslos auf Fakten zu schauen.“

Wales warb für sein neuestes Projekt, ein auf Nachrichten konzentriertes soziales Netzwerk. Unter dem Namen Wikitribune Social (WT.social) sollen dort eigene Nachrichten entstehen, die von den Benutzern selbst geschrieben werden. „Die bestehenden sozialen Netzwerke sind werbefinanziert und deshalb optimiert auf viele Nutzerreaktionen, dass Nutzer viel Zeit auf der Seite verbringen und man ihnen so viel Werbung wie möglich zeigen kann“, sagte Wales. „Das funktioniert mit Lock-Inhalten, die möglichst viele Menschen aufregen und radikalisieren.“ Mit dem neuen Projekt wolle er ein Stück weit das Nachrichten-Ökosystem verändern, sagte er.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Benrath, Bastian
Bastian Benrath
Redakteur in der Wirtschaft.
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