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Kopiertes Betriebssystem

Apples Ideenklau

Von Hendrik Ankenbrand
 - 21:13

Steve Jobs unterteilte die Menschheit gerne in Idioten und Götter. Idioten waren Menschen wie die Manager des Wettbewerbers Google. Deren Betriebssystem Android basiere „auf einem einzigen großen Diebstahl“, schimpfte Jobs kurz vor seinem Tod im vergangenen Jahr. Und kündigte der Konkurrenz einen „Atomkrieg“ an.

Da waren seine Anwälte zur Einstimmung schon mal in den Kampf gezogen gegen den Android-Nutzer Samsung. Ein kalifornisches Gericht verurteilte die Koreaner jüngst wegen kopierten und patentgeschützten Elementen des iPhones zu einer Milliarde Dollar Schadensersatz. Samsung revanchierte sich vergangene Woche mit der Ankündigung, Apple wiederum wegen des am Mittwoch vorgestellten neuen iPhones zu verklagen - das Gerät nutze verbotenerweise Samsung-Patente auf die superschnelle Funktechnologie LTE.

„Gute Künstler kopieren, großartige Künstler stehlen“

Von Idioten sei auch nichts anderes zu erwarten, hätte Steve Jobs zu Lebzeiten vielleicht dazu gesagt, denn ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Diebstahl ist nur bei Idioten verwerflich, nicht wenn Götter stehlen - so wie Jobs selbst, der Schöpfer. „Gute Künstler kopieren, großartige Künstler stehlen“, sagte Jobs im Jahr 1994. „Und wir haben immer schamlos gute Ideen geklaut.“

Der Satz fiel in der 17 Jahre alten Silicon-Valley-Dokumentation „Triumph of the Nerds“, das Gespräch mit dem Apple-Gründer läuft gerade als „Steve Jobs: The Lost Interview“ im Kino. Die Rede war von der Idee, Computer anstatt mit langweiligen Buchstabenreihen mit einer grafischen Oberfläche zu bedienen, die einem Schreibtisch ähnelt: Dokumente und Ordner als Symbole, Fenster, die Inhalte grafisch darstellen konnten. Die Idee war genial, sie sollte die Computer und die Welt für immer verändern. Auf der Idee gründet der Mythos Apple. Doch es war nicht die Idee von Steve Jobs.

Apple stahl ein Betriebssystem - mit einem Versprechen als Köder

Die grafische Oberfläche für Computer war im Silicon Valley entwickelt worden, im Forschungszentrum der Firma Xerox, einem Kopiergerätehersteller. Das Hauptquartier von Xerox lag weit entfernt an der Ostküste Amerikas, und die Firmenbosse zeigten nicht viel Interesse an den Tüfteleien ihrer Programmierer am anderen Ende des Landes, die in den Siebziger Jahren als die genialsten Computerwissenschaftler der Welt galten.

Jobs wusste, dass die Xerox-Leute irgendeine neue bahnbrechende Entwicklung versteckt hielten, und der Apple-Chef wollte das Geheimnis lüften. Die Xerox-Programmierer wehrten sich mit Händen und Füßen gegen den Eindringling - wieso sollten sie ihre Innovation so einfach herschenken?

„Als würde ein Schleier von meinen Augen weggezogen“

Doch Jobs wusste, dass die Xerox-Bosse darauf brannten, Aktien von Apple zu kaufen, dessen bevorstehendem Börsengang die Wirtschaftswelt geradezu entgegenfieberte. Mit dem Versprechen, eine Million Dollar in Apple investieren zu dürfen, erkaufte sich Jobs eine Präsentation des neuartigen Betriebssystems - und war hingerissen. „Das müssen wir machen“, rief Jobs. „Es war, als würde ein Schleier von meinen Augen weggezogen“, erinnerte er sich später. „Ich konnte die Zukunft des Computers deutlich vor mir sehen.“

Was dann folgte, bezeichnet der Jobs-Biograph Walter Isaacson als einen „der größten Industriediebstähle aller Zeiten“: Die Apple-Ingenieure kopierten hemmungslos die Schreibtisch-Oberfläche, die sie bei Xerox so genau studieren durften. Doch weil sie die Grundidee in Details verbesserten und etwa die Ordnerfenster so programmierten, dass diese nicht wie bei Xerox nur nebeneinander stehen, sondern sich auch überlappen konnten, war die Legende geboren, dass Apple eben nicht einfach kopiert habe, wie auch Isaacson schreibt und dazu gar T.S. Eliot zitiert: „Zwischen Idee und Schöpfung fällt immer ein Schatten.“

Xerox ging gerichtlich gegen Apple vor und scheiterte

Apple, so verkünden es die Jünger des iPhone-Produzenten seit jeher landauf landab, habe erst durch die geniale Weiterentwicklung und den heiligen Ernst von Jobs bei der Umsetzung der Idee in ein Massenprodukt für den Erfolg der eigentlichen Innovation gesorgt. Die Xerox-Manager sahen das weniger romantisch. 1989, fünf Jahre nach dem Start des Apple Macintosh, gingen sie gegen den Ideenklau gerichtlich vor - und scheiterten. Die Klagefrist war abgelaufen.

Quelle: F.A.S.
Hendrik Ankenbrand
Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.
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