Wegen Autopilot

Vater von verunglücktem Chinesen verklagt Tesla

21.09.2016
, 12:09
Im Januar ist ein Chinese in seinem Tesla tödlich verunglückt. Jetzt verklagt sein Vater den amerikanischen Autobauer. Es geht um das Autopilotsystem von Tesla.

Nach dem tödlichen Unfall mit einem Tesla in China verklagt der Vater des Unfallopfers den amerikanischen Autobauer. Die Hinterbliebenen von Gao Yaning seien überzeugt, dass bei der tödlichen Fahrt im Januar der Autopilot des Tesla Model S eingeschaltet gewesen sei, sagte die Anwältin der Familie, Cui Qiuna, der Nachrichtenagentur AFP. Das Unternehmen habe die Fähigkeiten des Systems übertrieben dargestellt.

Gao Yanings Vater Gao Jubin fordert laut der Anwältin, dass Tesla seine Werbung für das Autopilotsystem ändert. Der Begriff „automatisches Fahren“ solle nicht mehr verwendet werden. Außerdem will der Vater demnach eine öffentliche Entschuldigung des Unternehmens wegen irreführender Werbung erreichen und 10.000 Yuan (1340 Euro) Schmerzensgeld haben.

„Tesla hat Herrn Gao für ein Gespräch über Aussöhnungsmöglichkeiten kontaktiert, aber bisher keine konkrete Lösung vorgelegt“, sagte Anwältin Cui. Die Werbung für das Autopilotsystem sei inzwischen verändert worden, der Begriff „automatisches Fahren“ werde aber von manchen Mitarbeitern und in Broschüren weiterhin verwendet.

Nicht der einzige tödliche Unfall

Tesla wollte sich am Mittwoch zu dem Fall nicht äußern. Der 23-jährige Gao Yaning war im Januar gestorben, nachdem sein Tesla Model S auf einer Autobahn in der Provinz Hebei in ein Fahrzeug der Straßenreinigung gekracht war.

Inzwischen steht das Autopilotsystem von Tesla wegen eines anderen Unfalls in der Kritik. Im Mai war ein Mann gestorben, als sein Model S im amerikanischen Bundesstaat Florida mit einem Lastwagen kollidierte. Der Autopilot war eingeschaltet und die Bremsfunktion wurde nicht ausgelöst. Tesla äußerte später die Vermutung, dass die Fahrzeugsensoren den weißen Lkw nicht vom taghellen Himmel unterscheiden konnten.

Wie soll das Auto bei einem Unfall reagieren?

Die Autopilotfunktionen erlauben es Tesla-Autos, selbstständig die Spur zu wechseln, zu beschleunigen und zu bremsen. Der Fahrer kann allerdings die Kontrolle stets übernehmen. Anfang vergangener Woche stellte Tesla ein Update vor, das dafür sorgen soll, dass das Autopilotsystem Hindernisse besser erkennen kann.

Erklärvideo
Wie funktionieren selbstfahrende Autos?
© afp, afp

Die amerikanische Regierung hat unterdessen einen Richtlinienkatalog für selbstfahrende Autos erstellt. Für Autohersteller hat das Ministerium eine Art Checkliste entworfen. Unternehmen werden aufgefordert, Angaben über die Funktionsweise ihrer autonomen Systeme mit Blick auf 15 verschiedene Fragestellungen zu machen.

Dazu gehört, wie die Technologien getestet werden, was im Falle ihres Versagens geschieht, was nach einem Unfall passiert oder wie Datenschutz gewährleistet wird. Auch ethische Erwägungen sollen erklärt werden, also zum Beispiel, wie ein Auto mit Blick auf Situationen programmiert wird, in denen ein Unfall unausweichlich ist, aber zu entscheiden ist, in welche Richtung sich das Fahrzeug bewegt und auf welches Hindernis es stößt.

Quelle: bfch./AFP
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