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Neues Gutachten

Viele Operationen angeblich ökonomisch motiviert

Von Jan Grossarth, Berlin
 - 12:45
Die Krankenkassen warnen vor unnötigen Operationen

Ein großer Teil der Operationen in Krankenhäusern führen die Kliniken angeblich nicht aus medizinischer Notwendigkeit durch, sondern aus wirtschaftlichem Kalkül. Das legt ein Gutachten nahe, das der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Berlin vorgestellt hat. Demnach erhöhte sich die Anzahl an medizinischen Behandlungen in Kliniken in den Jahren von 2006 bis 2010 um 13 Prozent, wobei die aufwendigen Eingriffe mit einem stärkeren Gewicht in die Rechnung eingingen. Die Quintessenz des Gutachtens, das vom Wirtschaftsforschungsinstitut RWI erstellt wurde: Nur 40 Prozent des Zuwachses könne durch die gesellschaftliche Alterung erklärt werden, die übrigen 60 Prozent durch andere Faktoren – etwa das Profitstreben der Kliniken.

„Man muss immer mehr aufpassen, dass man nicht unters Messer kommt“, sagte etwas salopp der Leiter der Krankenhausabteilung des GKV, Wulf-Dietrich Leber. Nicht selten gehe die Arbeit der Ärzte in den Kliniken über das medizinisch Vernünftige hinaus, es fänden Behandlungen ohne Nutzen für den Patienten statt, dem dadurch sogar „gesundheitliche Gefahren“ drohten. Als Beispiele nannte er Wirbelsäulenoperationen und den Einsatz von Gelenkprothesen, die auffällig stark zugenommen hätten.

2011 waren die Klinikausgaben der größte Kostentreiber für die gesetzlichen Krankenkassen, die wegen der guten Konjunktur trotzdem Überschüsse in Milliardenhöhe ausweisen. Die Ausgaben für die Krankenhausbehandlung je Kopf stiegen 2011 um rund 3,7 Prozent, während die für Arzneimittel beispielsweise zurückgingen. Während die Preise, die Kliniken den Kassen berechneten, nicht nennenswert stiegen, nahm die Menge der Eingriffe stark zu, im untersuchten Zeitraum um 3,1 Prozent. Klinikkonzerne wie Fresenius Helios, Sana Kliniken, Asklepios oder Rhön Klinikum steigerten ihre Umsätze und Erträge derweil deutlich.

Ein Grund für die Zunahme sei, dass Kliniken mehr Spezialgeräte anschafften. Wenn ein Gerät erstmal gekauft sei, gebe es einen Anreiz, dieses auch häufiger zu nutzen. Aber auch medizinischer Fortschritt könne eine Ursache für die steigenden Fallzahlen sein, sagte der Autor der Studie, der Gesundheitsökonom Boris Augurzky – zum Beispiel moderne Diagnoseverfahren, mithilfe derer mehr Erkrankungen erkannt würden.

Selbst unter Ärzten werden leistungsabhängige Vergütungssysteme aber zunehmend kritisch diskutiert. Erst in der vergangenen Woche hatte der Bundesärztetag Kliniken aufgerufen, „auf rein ökonomisch orientierte Anreizmechanismen zu verzichten“. Chefarztverträge enthielten diese zunehmend. Auch die Politik hat das Thema erkannt. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sagte, „auf dem Rücken der Patienten und Beschäftigten“ würde in Kliniken „Menge gekloppt“.

Quelle: F.A.Z.
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