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Notrufsystem „Ecall“

Wenn das Auto selbst die 112 wählt

Von Martin Gropp
Aktualisiert am 31.03.2018
 - 09:20
Hilfe auf Knopfdruck: Autohersteller in Europa sind nun verpflichtet, das Notrufsystem „Ecall“ in Neufahrzeuge einzubauen. Bild: dpa
Von heute an müssen Neuwagen in der Europäischen Union ein automatisches Notrufsystem haben. Bis „Ecall“ in Deutschland die Masse der Autofahrer erreicht, wird es allerdings noch einige Jahre dauern. Wer dennoch nicht verzichten will, kann selbst Initiative ergreifen.

Jedes Jahr sterben auf den Straßen der Europäischen Union (EU) ungefähr so viele Menschen, wie im Hamburger Stadtteil Eppendorf leben. Rund 25.500 Menschen verloren nach Angaben der Europäischen Kommission im Jahr 2016 ihr Leben im Straßenverkehr der 28 EU-Mitgliedstaaten. Das waren zwar etwa 6000 Opfer weniger als im Jahr 2010. Doch würde niemand bestreiten, dass jeder Verkehrstote einer zu viel ist. Zudem hat sich die EU zum Ziel gesetzt, die Zahl der Verkehrstoten bis zum Jahr 2020 im Vergleich zum Jahr 2010 auf etwa 16.000 Personen zu halbieren. Deshalb haben die Mitgliedsländer und die EU schon zahlreiche Initiativen angestoßen, um die Opferzahlen zu verringern. In diesen Tagen gilt eine weitere Maßnahme, die die EU als „eines der Hauptziele der Union auf dem Gebiet der Straßenverkehrssicherheit“ bezeichnet.

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Von diesem Samstag an sind die Autohersteller in Europa verpflichtet, das Notrufsystem „Ecall“ in ihre neu genehmigten Fahrzeugmodelle einzubauen. Kommt es zu einem Unfall, verwendet das System eine Mobilfunkverbindung und die Satellitenortung GPS, um schneller Hilfe zu holen. Mit Hilfe einer eingebauten Sim-Karte baut Ecall zum einen eine direkte Telefonverbindung zur europaweit einheitlichen Rettungsnummer 112 auf – automatisch oder auch per Hand, wenn Fahrer oder Beifahrer dazu nach einem Unfall noch in der Lage ist. Über eine Freisprechanlage können Unfallbeteiligte dann zusätzliche Informationen an den Rettungsdienst geben. Gleichzeitig sendet das Auto automatisch eine Handvoll Daten an die nächstgelegene Rettungsleitstelle: den Unfallzeitpunkt, die aus 17 Ziffern bestehende Fahrzeugidentifikationsnummer, die aktuelle Fahrzeugposition, die Fahrtrichtung des Autos oder die Zahl der Insassen, die über die Zahl der angelegten Sicherheitsgurte ermittelt wird.

Der Notruf erfolgt nur, wenn die Airbags auslösen

Das alles soll dafür sorgen, die Rettungsdienste schneller zu einem Unfallort zu leiten. Nach Angaben der Europäischen Kommission sollen die Notfalldienste in ländlichen Gebieten nur noch die Hälfte der bisherigen Zeit brauchen, um einen Unfallort zu erreichen. In städtischen Gebieten betrage die Zeitersparnis durch den Ecall 40 Prozent. Damit ließen sich schätzungsweise 1500 Menschenleben im Jahr retten, heißt es. Nach Angaben des Automobilclubs ADAC kann das System auch in medizinischen Notfällen per Hand ausgelöst werden, etwa wenn der Fahrer einen Herzanfall erleidet. Damit die Rettungsstellen nicht unnötig überlastet werden, erfolge ein automatischer Notruf allerdings nur, wenn die Airbags des Unfallwagens auslösen. Touchiert ein Autofahrer während des Einparkens ein anderes Fahrzeug, passiere indes nichts, sagt der ADAC.

Der Einführungspflicht für den Ecall ist ein langer Prozess vorausgegangen. Die grundsätzliche Absicht hatten die Europäische Kommission und die Autohersteller schon im Jahr 2005 formuliert. Damals lautete das Ziel, den automatischen Notruf bis zum Jahr 2009 in Europa verfügbar zu machen. Dass es noch einmal neun Jahre länger dauerte, hing auch damit zusammen, dass die Kommission zunächst auf die Bereitschaft der Mitgliedstaaten setzte, das System freiwillig einzuführen und die notwendige Infrastruktur aufzubauen. Als das jedoch nicht fruchtete, setzte sie einen Gesetzgebungsprozess in Gang. An dessen Ende stand eine EU-Verordnung, die schließlich im April vor drei Jahren das europäische Parlament passierte und vom 31. März dieses Jahres an gilt.

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Wer nicht verzichten will, kann nachrüsten lassen

Der Dauer entsprechend sind viele Autohersteller darauf vorbereitet, der Pflicht nachzukommen. Der Stuttgarter Premiumproduzent Mercedes hat nach eigenen Angaben schon vor sechs Jahren begonnen, seine Neufahrzeuge serienmäßig mit einem hauseigenen Notrufsystem auszustatten, das den europäischen Vorgaben entspricht. Rund 3,5 Millionen Mercedes-Autos rund um die Welt verfügen demnach über das System. Der Münchner Autohersteller BMW bietet sein Notrufsystem seit acht Jahren an, seit sechs Jahren ist es standardmäßig in den Autos eingebaut.

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Allerdings wird es noch einige Jahre dauern, bis das Ecall-System in Deutschland auch die Masse der Autofahrer erreicht. Der Grund: Die Autos in Deutschland sind vergleichsweise alt. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts betrug das Durchschnittsalter des Fahrzeugbestands hierzulande zum 1. Januar dieses Jahres 9,4 Jahre. Zudem stellen einige Anbieter ihre vor dem 31. März genehmigten Modellreihen wohl überwiegend weiter ohne Ecall her. „In zehn Jahren wird es immer noch rund 19 Millionen Autos ohne ein solches System geben“, heißt es daher vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Wer auf den Notrufassistenten aber nicht verzichten will, kann sein Auto nachträglich nachrüsten lassen. Dafür hat der GDV zusammen mit einzelnen Versicherungsgesellschaften den Unfallmeldedienst entwickelt. Dabei ermittelt ein mit Sensoren ausgerüsteter Stecker im Zigarettenanzünder des Autos, ob es zu einem Unfall gekommen ist. Der Notruf erfolgt dann über das Smartphone des Fahrers – manuell oder wenn nötig auch automatisch.

Quelle: F.A.Z.
Martin Gropp
Redakteur in der Wirtschaft.
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