FAZ plus ArtikelTrotz Wirecard und leisen Tönen

Warum Olaf Scholz plötzlich der Favorit ist

Von Werner Mussler und Manfred Schäfers
13.09.2021
, 17:05
Ein Wahlplakat mit SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz in Berlin
Lange Zeit hielt kaum jemand für möglich, dass Olaf Scholz der nächste Kanzler werden könnte. Jetzt liegt er in allen Umfragen vorne. Wie konnte das passieren?
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Es ist die Überraschung des Abends – wie sehr Olaf Scholz angefasst wirkt und wie angriffslustig Armin Laschet sein kann. Der Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat dürfte eigentlich mit sich und der Welt zufrieden sein: In den Umfragen liegt er vorn, das gilt für die persönlichen Beliebtheitswerte, aber auch in der Sonntagsfrage; seine Partei hat die Union längst überflügelt. Für den Kanzlerkandidaten von CDU und CSU ist die Lage genau andersherum. Das mit vielen Erwartungen befrachtete Triell, das ARD und ZDF am Sonntag zur besten Tatort-Sendezeit ausstrahlen, entwickelt sich schnell zu einem klassischen Duell, da Annalena Baerbock nicht gewillt zu sein scheint, in letzter Konsequenz um den Einzug in die Schaltzentrale der Macht zu kämpfen.

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Der CDU-Politiker attackiert den Sozialdemokraten früh. Er greift zum scharfen Dreizack: Razzia im Bundesfinanzministerium wegen der Versäumnisse in der Zentralstelle für Geldwäschebekämpfung, Verluste für Millionen Sparer wegen der von der Finanzaufsicht nicht erkannten Wirecard-Betrügerei, großzügiges Entgegenkommen der Hamburger Finanzverwaltung für die Warburg-Bank im Cum-Ex-Skandal in seiner Amtszeit in der Hansestadt. Scholz argumentiert, er habe in der Geldwäscheeinheit für viele neue Stellen , einen neuen Chef und eine neue Arbeitsweise gesorgt. Zudem wirft er seinem Konkurrenten vor, absichtlich einen falschen Eindruck zu erwecken. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück führe keine Untersuchungen gegen sein Ministerium, sondern eine Behörde in Köln. Laschet hält indes dagegen: Es habe Durchsuchungen im Finanzministerium gegeben. Der Vizekanzler ist zusehends genervt, „so sehr, dass er ganz rote Ohren bekommt“, wie die Deutsche Presseagentur aufmerksam vermerkt.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Mussler, Werner (wmu.)
Werner Mussler
Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.
Manfred Schäfers - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Manfred Schäfers
Wirtschaftskorrespondent in Berlin.
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