Reichtumsbericht

Oxfams Unvermögen

EIN KOMMENTAR Von Johannes Pennekamp
17.01.2022
, 08:39
Ugur Sahin und Özlem Türeci, Gründer des Mainzer Corona-Impfstoff-Entwicklers Biontech
Die globale Ungleichheit ist ein wachsendes Problem. Schwarzmalerei von Nichtregierungsorganisationen hilft aber niemandem.
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Die Zahlen, die Oxfam in seinem neuen Reichtumsbericht veröffentlicht, sind atemberaubend: Um mehr als 1000 Prozent ist das Vermögen von Tesla-Chef Elon Musk innerhalb der vergangenen eineinhalb Jahren gewachsen, auf jetzt fast 300 Milliarden Dollar. Andere Superreiche haben nicht ganz so viel dazuverdient, der Trend geht aber in dieselbe Richtung. Auf der anderen Seite sind mehr Menschen arm. Die Zahl derjenigen, die weniger als 5,50 Dollar am Tag zum Leben haben, ist während der Pandemie um die doppelte Einwohnerzahl Deutschlands gestiegen.

Dieser Trend ist alarmierend. Es war und ist die frohe Botschaft des Kapitalismus, dass nicht nur der Wohlstand im Westen wächst, sondern in den vergangenen Jahrzehnten auch hunderte Millionen Menschen aus bitterster Armut befreit werden konnten. Nun ist dieser Prozess zumindest erst einmal zum Stillstand gekommen, wie vergangene Woche die Weltbank festgestellt hat.

Dieser Negativtrend darf nicht anhalten. Es muss dringend über Ursachen und Abhilfe debattiert werden. Der jährliche Bericht der Oxfam-Aktivisten tut das leider in bekannt holzschnittartiger Manier: Unternehmen und deren Eigentümer sind die Bösen, die wahlweise zerschlagen, besteuert oder diskreditiert gehören. Dass Innovationen, die Menschen wie die Biontech-Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci zu Milliardären machen, Millionen Menschen das Leben retten, kommt bei Oxfam bestenfalls in einer Fußnote vor.

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Zu erwähnen, dass Elon Musks Vermögen durch die Decke geht, weil er eine klimaschonendere Technologie zum Durchbruch verholfen hat, soll das Bild offenbar nicht stören. Dass Männer wie Bill Gates mit ihren Multi-Milliarden Malaria bekämpfen und mehr für die Welt tun als manche Staaten? Geschenkt!

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Durch die Auslassungen und Schwarzmalerei nimmt sich die Nichtregierungsorganisation den Wind leider ein gutes Stück weit selbst aus den Segeln. Oxfams schwarz-weißer Blick auf die Dinge schürt Vorbehalte und stößt diejenigen ab, die bereit sind, persönlich ins Risiko zu gehen, um mit ihren Erfindungen und Ideen etwas an den Problemen zu ändern.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Pennekamp, Johannes
Johannes Pennekamp
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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