Niedrigwasser

Steigende Rhein-Pegel erwartet

17.08.2022
, 11:00
Der Mittelrhein (hier in Kaub, Rheinland-Pfalz) führt derzeit nur wenig Wasser.
Es deuten sich leichte Verbesserungen bei den niedrigen Pegelständen auf dem Rhein ab. Auch ein havariertes Schiff konnte freigeschleppt werden.
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Nach Tagen rekordtiefer Pegelstände an der wichtigsten deutschen Wasserstraße Rhein zeichnet sich eine Entspannung ab. „Innerhalb der nächsten Tage steigen die Wasserstände aufgrund der angekündigten Niederschläge im gesamten Rheineinzugsgebiet wieder an“, teilte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein am Mittwoch mit. Die 14-Tage-Vorhersage deute darauf hin, dass die Wasserstände bis Ende der nächsten Woche „um 50 Zentimeter und mehr steigen“. Völlige Entwarnung gibt das Amt allerdings nicht, da die Wasserstände „nach dem Durchlauf der Welle wieder abklinge“. Aktuell befänden sich die Wasserstände an Mittel- und Niederrhein auf einem für diese Jahreszeit außergewöhnlich niedrigen Niveau. „Sie sind Folge der fehlenden Niederschläge der vergangenen Wochen und Monate“, wie es hieß.

Der Pegelstand am Niederrhein war zuvor in Emmerich unter die Nullmarke gefallen. Bei der Messung am Mittwochmorgen um 05.00 Uhr wurde das Rekordtief von minus zwei Zentimetern gemessen, wie die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) über das Portal Elwis mitteilte. Schifffahrt blieb trotz der Ausnahmesituation bis zuletzt aber weiterhin möglich: Der Pegelstand ist nicht gleichbedeutend mit der für die Schifffahrt entscheidenden Fahrrinnentiefe. Diese lag in Emmerich zuletzt bei knapp unter zwei Metern.

Havariertes Schiff freigeschleppt

Neben dem Niedrigwasser hatte zwischenzeitlich ein liegengebliebenes Güterschiff den Schiffsverkehr auf dem Rhein behindert und zeitweise für eine Sperrung gesorgt. Das 190 Meter lange und fast 23 Meter breite Güterschiff blockierte seit der Nacht auf Mittwoch nach einem Maschinenschaden die Fahrrinne zwischen St. Goar und Oberwesel in Rheinland-Pfalz. Das Schubschiff mit drei Leichtern war flussaufwärts unterwegs, zunächst konnte kein Schiff mehr die Engstelle passieren, wie ein Sprecher der Wasserschutzpolizei mitteilte.

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Im Verlauf des Vormittags wurde das Schiff schließlich weggeschleppt. Es werde von der Unglücksstelle nach Bingen gebracht, sagte ein Sprecher der Wasserschutzpolizei. Die Schifffahrt sollte flussaufwärts zur Mittagszeit wieder freigegeben werden. Bis Schiffe wieder rheinabwärts fahren können, dürfte es laut dem Sprecher "locker 14 Uhr werden". Hintergrund ist, dass Schiffe erst wieder flussaufwärts fahren dürfen, wenn der mit 1660 Tonnen beladene Schubverband mit Hilfe von zwei weiteren Schiffen nach Bingen gebracht worden ist. Eine frühere Freigabe des entgegenkommenden Schiffverkehrs wäre laut dem Sprecher angesichts des niedrigen Wasserstandes und der hohen Wasserverdrängung der Schiffe zu riskant.

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Ob die Havarie des Güterschiffs etwas mit dem Niedrigwasser zu tun hatte, war zunächst unklar. Es sei denkbar, dass es deshalb Probleme mit den Schrauben gebe, so der Sprecher. Dies sollten Taucher klären, wenn das Schiff in Bingen angekommen sei.

Bundesverkehrsminister Volker Wissing bereitet die Lage insgesamt Sorge. „Wir sind in einer Situation, in der die Infrastruktur extrem herausgefordert ist“, sagte der FDP-Politiker in der ARD. Auf die Frage, ob dies zu Kurzarbeit oder ähnlichen gravierenden Konsequenzen führen könne, antwortete er: „Ich hoffe nicht“. In den vergangenen Jahrzehnten sei zu wenig in die Infrastruktur investiert worden - etwa in die Rhein-Vertiefung, mit der auch bei sehr niedrigem Wasserstand die Binnenschifffahrt am Laufen gehalten werden könne. „Das gehen wir jetzt an“, sagte Wissing.

Wissing: Personenzug kann auch mal warten müssen

Er verteidigte zudem Pläne für eine Bevorzugung von Kohletransporten per Bahn. Wenn es wie aktuell Knappheiten gebe, „dann bedeutet das, dass man das Wichtigste zuerst fahren lassen muss“. „Das heißt: Vorrang für die wichtigsten Transporte – und dazu gehören beispielsweise Kohletransporte.“ Geplant sei eine Verordnung, die eine entsprechende Priorisierung ermögliche.

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Das könnte dazu führen, dass es beim ohnehin angespannten Personenverkehr auf der Schiene noch mehr ruckelt. „Wenn es dazu kommen sollte, dass wir die Priorisierung der Kohletransporte aktivieren müssen, dann kann es dazu kommen, dass am Ende auch ein Personenzug warten muss“, sagte Wissing. „Denn die Versorgung der Kraftwerke ist vorrangig. Ohne stabile Stromversorgung funktioniert nichts.“

Die deutsche Industrie warnt angesichts rekordniedriger Pegelstände am Rhein vor verheerenden Folgen für die Wirtschaft. „Die anhaltende Trockenperiode und das Niedrigwasser bedrohen die Versorgungssicherheit der Industrie“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Holger Lösch. „Die Unternehmen stellen sich auf das Schlimmste ein. Die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage in den Unternehmen verschärft sich.“ Es sei nur eine Frage der Zeit, bis Anlagen in der chemischen oder Stahlindustrie abgeschaltet werden, Mineralöle und Baustoffe ihr Ziel nicht erreichen oder Großraum- und Schwertransporte nicht mehr möglich sein werden. Lieferengpässe, Produktionsdrosselungen oder sogar Stillstände und Kurzarbeit wären die Folge.

Quelle: dpa, Reuters
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