FAZ plus ArtikelInnovative Pflegeeinrichtung

Zukunftsmodell ohne Zukunft

Von Britta Beeger und und Philipp von Ditfurth (Fotos)
24.05.2022
, 16:35
Mitmachen hält fit: Bewohnerinnen und eine Nachbarin helfen im „Haus Rheinaue“ bei den Vorbereitungen für das Mittagessen.
Im „Haus Rheinaue“ ist eine kleine Revolution zu besichtigen: Dank eines neuen Konzepts bleiben die Bewohner in dem Pflegeheim aktiv und zahlen weniger. Alle sind begeistert. Trotzdem droht das Aus.
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Es ist später Vormittag, und das heißt im „Haus Rheinaue“: Die Vorbereitungen für das Mittagessen laufen auf Hochtouren. Heute steht Pangasiusfilet auf der Karte. Zwei Mitarbeiterinnen kümmern sich um den Reis und die Dillsauce, an einem Tisch sitzen zwei Bewohnerinnen und pellen Kartoffeln, eine andere schnippelt schon mal die Bananen für den Obstsalat. Da biegt Hedwig Mainardt um die Ecke. Sie hatte heute keine Lust, beim Kochen zu helfen, wollte lieber spazieren gehen. Dafür wird sie später das Geschirr abräumen. Mit anzupacken, findet sie gut. „Was soll man sonst den ganzen Tag machen?“

So wie gerade beim Kochen werden die Bewohner in der Pflegeeinrichtung in dem 4000-Einwohner-Ort Wyhl in der Nähe von Freiburg bei allem miteinbezogen: beim Gärtnern, beim Bügeln, beim Dekorieren. Wer gebraucht wird, lebt länger, davon ist Kaspar Pfister überzeugt, geschäftsführender Gesellschafter der Benevit-Gruppe, zu der das Haus Rheinaue gehört. Er hat ein ganzes Buch zu diesem Thema geschrieben. „Normalerweise wird den Menschen im Pflegeheim alles abgenommen. Dadurch bauen sie körperlich und geistig schnell ab“, sagt er. In Wyhl hingegen verbessert sich ihr Zustand oft sogar. Pfister schaut kurz nach: Von derzeit 46 Bewohnern können 19 in einen niedrigeren Pflegegrad herabgestuft werden, jeder Dritte. Das ist nicht nur gut für jeden Einzelnen. Es senkt auch die Kosten für die Pflegekassen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Beeger, Britta
Britta Beeger
Redakteurin in der Wirtschaft.
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